Gedichte über Freundschaft
Die Freundschaft hat sich im Laufe der Jahrhunderte stark gewandelt – im wahren Leben und in der Literatur. Gleiches könnte man von der Liebe sagen, aber die soll hier weitestgehend nicht Thema sein. Als Höhepunkt der Freundschaft, was man schon Freundschaftskult nennen könnte, gilt das 18. Jahrhundert. Die Zeit der Empfindsamkeit (etwa 1740 bis 1790) und die sich daran anschließenden Romantik brachten Freundschaften (unter Männern) hervor, die in Gedichten, Geschichten und Briefen überliefert sind.
Das heroische Denkmal der Freundschaft hat Friedrich von Schiller mit seiner langen Ballade Die Bürgschaft gesetzt, in der Freunde selbst den Tod nicht fürchten, weil ihr Vertrauen zueinander keine Grenzen kennt. Dass der Tod kein Hinderungsgrund ist, war eher ein Anspruch für die Liebe, aber die Freundschaft im 18. Jahrhundert machte ihr auch in dieser Hinsicht Konkurrenz.
Doch selbst auf dem Höhepunkt des Freundschaftskultes war auch die zweckgerichtete Form nicht unbekannt. So schrieb der Leipziger Professor Wilhelm Crusius 1744, dass die Freundschaft die „wechselweise Beförderung der Privatabsichten einzelner Personen zum Zwecke hat“, also karrierefördernd wirkt. Das ist ein Punkt, der sich bis heute erhalten hat.
Ein anderer Punkt in Sachen Freundschaften, der sich erhalten hat, ist, dass Ferne kein Ende bedeutet. In früheren Zeiten überbrückte man die Entfernungen mit Briefen, heute stehen direkte Kommunikationsmöglichkeiten via Telefon oder Internet zur Verfügung. Der größte Unterschied zwischen dem Freundschaftsbegriff früher und heute, ist die Inflation an Freunden, die man nie gesehen, die man nie gesprochen hat, dank Social Media. Ob diese Freundschaften einen Wert haben, merkt man erst, wenn die Not groß ist, wenn mehr verlangt wird als ein Smiley oder ein Daumen hoch (siehe auch das Gedicht Meine Freunde).
Was ist Freundschaft?
Dieses Gedicht definiert, was Freundschaft ist, und ganz im Sinne der Romantiker braucht es dafür keine Wissenschaft, sondern nur einen Reim.
Hans Retep · geb. 1956
Freundschaft ist ...
Freundschaft ist die unscheinbare Knospe
Freundschaft ist der Leuchtturm in der Nacht
Freundschaft braucht nicht eine einzige Rose
Freundschaft rettet dich mit letzter Kraft
Freundschaft ist, was Freund dem Freund erschafft
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Freundschaft gewinnt!
Etwas grimmig, etwas schaurig kommt dieses Gedicht über die Freundschaft daher, aber am Schluss wird immerhin an das Leben nach dem Schluss gedacht.
Henry Austin Dobson · 1840-1924
Ruhm und Freundschaft
Ruhm ist der toten Männer Futter, –
Mir scheint er Fleisch in ranzig Butter.
Im engen Grab bei wenig Licht
Verzehren sie ihr Leibgericht,
Wo keines Kameraden Stimme
Vertreibt des stillen Festmahls Grimme.
Doch Freundschaft ist ein edler Ding, –
Von Freundschaft ich nur Gutes sing.
Denn wahrlich, wenn das Leben endet,
der Freund Erinnerungen wendet,
mein bessres Ich fein weiterwebt
und meine Fehler schlicht begräbt.
Übertragen aus dem Englischen von Hans-Peter Kraus
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Eine freundliche, aber keine ruhmreiche Übersetzung
Das englische Original des Freundschaftsgedichts Ruhm und Freundschaft finden Sie hier, allerdings ohne Titel. Der fehlt bei vielen Seiten im Netz, wo dann die erste Zeile als Ersatz fungiert. Eine letztendliche Bestätigung für den Titel konnte ich nicht finden, aber er ist wesentlich treffender für den Inhalt des Gedichts.
In der Form abweichend wechseln Senkungs- und Hebungsversenden in der übersetzten Version ab, um etwas mehr Spielraum zu haben. Acht englische Silben enthalten mehr an Inhalt als acht deutsche. Die durchgehenden Hebungsenden findet man oft in englischsprachigen Gedichten, weil die Sprache etwas „einsilbiger“ ist und daher genug Reimmöglichkeiten für die männliche Kadenz anbietet.
Die recht freie Übersetzung des zweiten Verses (I have no stomach for such meat – Mir scheint er Fleisch in ranzig Butter) ist dem Reim geschuldet. Ich hielt diese Art der Übertragung für durchaus vertretbar. Es ist keine Verschlechterung, wenn etwas mehr angedeutet als ausgesprochen wird.
Wesentlich mehr zwickt mich der vierte Vers. Aus „They eat it in the silent tomb“ wurde „Verzehren sie ihr Leibgericht “. Die deutsche Version eröffnet einen großen Assoziationsraum, der im Original nicht enthalten ist. Im Prinzip habe ich das Gedicht „verbessert“, und ich mag das nicht, wenn Übersetzer den Originalautor verbessern. Meine Ausrede ist: Wäre das Gedicht im Original in Deutsch erschienen, dann hätte der Autor wahrscheinlich diese sich anbietende Möglichkeit genutzt.
Eine eher sprachtechnische Änderung ist das Ich in der zweiten Strophe, das nicht im Original steht. Hier war der Reim auf „Ding“ Auslöser, der nur die erste Person Singular für singen zuließ. Ich hielt es für vertretbar, auch in den letzten beiden Verse die Ich-Form zu verwenden, weil sie im englischen Text stillschweigend impliziert ist.
Der beste Freund des Menschen
In diesem Gedicht wird mit einem alten Vorurteil aufgeräumt von wegen Hund. Auch wenn Hunde so treudoof gucken können, was freundschaftliche Treue angeht, gibt es da eine unschlagbare Konkurrenz.
Hans-Peter Kraus · geb. 1965
Dein bester Freund
Du weißt nicht mal, ob es
Männlein oder Weiblein ist.
Egal,
wir leben im 21. Jahrhundert.
Du weißt nur:
Seine Freundschaft ist unverwüstlich.
Du hast die Probe gemacht.
Während die Sonne sengte,
ihm nichts zu trinken angeboten.
Du hast geschimpft, geflucht, geschrien,
ihm die schlimmsten Beleidigungen serviert.
Du hast ihm das Tor gewiesen,
als es sich im Garten bequem machen wollte.
Du hast bei seiner Rückkehr
mit Feuer und Schwert gedroht,
und als das nichts half,
hast du tatsächlich …
Doch dir wurde verziehen.
Es kam zurück.
Unkraut
ist dein bester Freund.
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Kurzgedicht über Freundschaft
Eine kurze Einführung in die Benimmregeln der Freundschaft, die zum Glück keine Benimmregeln braucht.
Hans Retep · geb. 1956
Ein Freund zu sein ...
Ein Freund zu sein
heißt Mensch zu werden.
Du musst neu lernen,
ganz ohne Schein,
den Freund zu nehmen
und dich zu geben.
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Martialisches Freundschaftsgedicht
Was so harmlos anfängt als Freundschaftsgedicht, bekommt am Schluss, indem um einen simplen Freundschaftsdienst gebeten wird, einen martialischen Tonfall
Hans Retep · geb. 1956
Bis zum Schluss
Wenn du alles verloren,
Schau dich um,
Wer zum Freund dich erkoren
Wenn dich keiner mehr kennt,
Schau dich um,
Wer dein Freund sich noch nennt
Sollt ich nicht dabei sein,
Möchtest du so frei sein,
– mich zu erschlagen
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Freundschaftsverse
Der Verwendungszweck der folgenden Verse zur Freundschaft steht gleich drüber, dieser Dichter ist mal ein echter Kumpel.
Hans Retep · geb. 1956
Fürs Poesiealbum
Die Freundschaft, die per Meinung bricht,
das ist die wahre Freundschaft nicht.
Ein Freund erträgt die Differenz
und geht nicht gleich zur Konkurrenz.
Kein Freund ist Kunde oder König,
das wäre menschlich viel zu wenig.
Wenn Freundschaft gilt fürs ganze Leben,
dann drückt sie nicht, sie will nur heben.
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Teure Freundschaft
Freundschaft ist nicht teuer, sondern sie ist einem teuer. Da nimmt man sogar die Steuer in Kauf.
Hans Retep · geb. 1956
Als Freund bist du mir ...
Als Freund bist du mir
Mehr lieb und teuer
Als alle Dinge
Inkl. Mehrwertsteuer
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Spruch zur Freundschaft
Ein kurzer Spruch zwischendurch erhält die Freundschaft. Das steht zwar nirgendwo, aber es wirkt.
Hans Retep · geb. 1956
Hallo mein Freund ...
Hallo mein Freund,
Ich wollte nur kurz sagen,
Wie gut es tut,
Dich als Freund zu haben.
Deshalb von mir
Ein dickes Dankeschön
Ich hoffe, dass
Wir uns bald wiedersehn.
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Gedicht über eine tierische Freundschaft
Das Leben der Tiere ist kein Ponyhof. Da ist es gut, Freunde zu haben, die einen in der Not retten. Spannende Frage: Wer ist der heldenhafte Freund dieser Maus?
Jana E. Hentzschel · geb. 1973
Das gibt's doch nicht!
Es rennt wie ein geölter Blitz
die Maus in die verdreckte Pfütz’.
Sie taucht, so tief wie’s geht, hinein
und suhlt sich darin wie ein Schwein,
entschwindet dann sehr schlammverschmiert,
bis sich im Wald die Spur verliert.
Nur wenig später kommt herbei
’ne graue Katze, wild und frei.
Geräuschlos schleicht sie in den Wald,
sie schnuppert, lauscht, macht plötzlich halt;
die gelben Augen voller Gier,
sie hat das Ziel schon im Visier.
Das Nagetier hockt gut versteckt,
mit reichlich Blattwerk abgedeckt,
das kleine Herz klopft einzig nur,
sonst ist von Regung keine Spur –
und wenn auch grad das Näschen juckt,
kein Härchen jetzt am Leibe zuckt,
die Maus, sie wartet, hofft und bangt.
Die Katze ist nun angelangt.
Zufrieden schnurrt sie und mit Stolz
steckt sie den Kopf ins Unterholz:
„Da hab ich dich, du kleiner Wicht!“
Die Maus enttäuscht: „Das gibt’s doch nicht!“
Die Katze stupst die Maus und lacht.
„Du hast mir’s diesmal schwer gemacht.
Respekt! Und jetzt, mein Kamerad,
auf geht’s zum Teich – du brauchst ein Bad.“
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Freundschaft on- und offline
Im Internet gibt es eine wahre Hyperinflation an Freundschaften. Das folgende Gedicht rückt jedoch die Maßstäbe wieder zurecht.
Heike Trefflich · geb. 1960
Meine Freunde
Meine dreihundertdreiunddreißig Freunde
müssen immer wissen, was ich tu.
Meine dreihundertdreiunddreißig Freunde
posten mir in Facebook eifrig zu.
Freundschaft muss ich pflegen, ist schon klar,
wer pflegt mich, ist alles nicht mehr wahr?
Meine nur noch dreiunddreißig Freunde
fragen, ob es mir bald besser geht.
Meine nur noch dreiunddreißig Freunde
twittern ständig, wie es um mich steht.
Jeder hat für mich den besten Rat,
ich bewege mich auf schmalem Grat.
Meine nur drei wirklich guten Freunde
kommen nicht durchs Internet zu mir.
Meine nur drei wirklich guten Freunde
gehen zweifelsfrei durch meine Tür.
Sie fragen nicht, halten mich nur fest,
und ich pfeife auf den ganzen Rest.
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Ein Freundschaftsgedicht aus alten Zeiten
Ein steinalter Text mit etwas angestaubter Sprache, aber nichtsdestotrotz einigen Wahrheiten, die auch 400 Jahre später noch gelten.

Gedicht über Freundschaft und Liebe
In diesem Gedicht über die Freundschaft verliert die Liebe den Vergleich, doch dürfte die Freundschaft kaum dazu raten, die Liebe gleich ganz loszuwerden.

Ein kurzes Freundschaftsgedicht
In diesem Gedicht folgt eine – ebenfalls sehr alte – Erklärung des Unterschieds zwischen Freundschaft und Betrug. Auch daran hat sich nicht viel geändert.

Geld und Freundschaft
Alter Hut: Beim Geld hört die Freundschaft auf. Dabei ist das Problem gar nicht das Geld.

Gedicht über wahre Freundschaft
Der deutsche Literatur-Nobelpreisträger Paul Heyse stellt hohe Ansprüche an die Freundschaft, die sich nicht nur in schlechten Zeiten bewähren muss.

Ein Ringelnatz-Gedicht über Freundschaft
Überraschungen sind die Würze einer Freundschaft. Dies sagt Ringelnatz in klaren Worten, nur der Schluss ist etwas wolkig.

Gedicht an einen Freund
Christian Morgenstern ist eher bekannt für leichte und lustige Gedichte, aber er konnte auch ganz feierlich sein, wie in diesem Freundschaftsgedicht.

Ein Romantiker über die Freundschaft
Die Romantik war die hohe Zeit der Männerfreundschaften. Das Gedicht würde man heutzutage als Liebesgedicht durchgehen lassen, wenn man den „Bruder“ aus Vers 10 passend ersetzte.

Kommentar:
Das Gedicht ist heutzutage unter dem Titel An Adolph Selmni(t)z bekannt. In der mir vorliegenden Ausgabe von Novalis Schriften aus dem Jahr 1826, herausgegeben von Friedrich von Schlegel und Ludwig Tieck ist der Name im Titel, wie hier angegeben, ausgelassen.
Noch ein romantisches Freundschaftsgedicht
100 Jahre nach dem Aufkommen der Romantik und doch im gleichen überschäumenden Freundschaftsgeist geschrieben ist das folgende Gedicht.
Walter Calé · 1881-1904
Die Stunde, da ich dich zuerst ersah ...
Die Stunde, da ich dich zuerst ersah,
mein Bruder, höre, solches war die Stunde:
Ich sahe dich, und alle Menge wogte,
du ragtest über, und du sahest nicht.
Ich sahe dich, du schrittest ohne Pfade
und schrittest sicher, und du sahest nicht.
Ich sahe dich, und deine Blicke schimmern
von andern Sonnen, und du sahest nicht.
Ich sahe dich, und deine Lippen bebten
von andern Lauten, und du sahest nicht.
Ich sahe dich und sah in jener Stunde:
du bist der fremde, und der einsam ist.
Ich sahe dich und sah in jener Stunde
zu Häupten deinen Kranz und liebte dich!
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Freundschaftlicher Rat
Wer wirklich wichtig ist, erklärt hier der Freund dem Freunde in einem Freundschaftsgedicht – wie freundlich.

Gedicht über echte Freundschaft
Ein Gedicht als Vorlesung über echte Freundschaft bietet Friedrich von Bodenstedt. Der Schluss ist von Sprichtwortqualität.

Gedicht über Freundinnen
In diesem Gedichte folgt eine kurze Geschichte über zwei Freundinnen. Die eine fuhr fort, die andere blieb am Ort, doch die Trennung wollte so gar nicht beginnen.

Wilhelm Busch über Freunde
Nun gut: Wilhelm Busch kann beim Thema Freunde nicht ganz ernst bleiben, aber er meint es gar nicht so. Das ist nur das lyrische Wir, das da spricht.

Rückblick in aller Freundschaft
Je älter man wird, desto mehr Freunde hat man unter den Toten. In diesem Gedicht ist ein wohlmeinender Ratschlag enthalten, wie man damit umgehen sollte.
Wassili Andrejewitsch Schukowski · 1783-1852
Erinnerung
Von den Gefährten, die dereinst im Lebensmeer
uns starker Halt und Trost in treuer Freundschaft waren,
sprich traurig nicht. „Sie sind nicht mehr",
nein, – sprich mit Dankbarkeit: „Sie waren“.
Aus dem Russischen übertragen von Karl Roellinghoff
Linkadresse zu diesem Gedicht: www.lyrikmond.de/gedichte-thema-11-100.php#2048
Blick zurück und nach vorn
Auch Freundschaften haben am Ende ein Ende und doch: Neue Freunde warten überall, ein langes Stück des Wegs gemeinsam zu gehen.
Rudolf Leonhard · 1889-1953
Alle Jugendfreunde ...
Alle Jugendfreunde außer mir haben Selbstmord begangen.
Ich lebe doch.
Alle Manuskripte sind verlorengegangen.
Ich schreibe noch?
Alle Vorräte sind ausgetrunken und aufgegessen.
Alle Kleider sind verbleicht und von Motten zerfressen.
Alle Adressen habe ich längst vergessen.
Alle Wege zerrissen in ein scharfrandiges Loch.
Neue Freunde sind aus dem Unbekannten gekommen.
Wir haben denselben, den großen Weg genommen.
Wir gehen gemeinsam über Schroffen und Joch.
Wir sind gefallen und aufgestanden und höher geklommen.
Freunde alle, Freunde immer, mit denen ich weiter geh,
in Kraft gemeinsam hingehe in Jubel und Weh.
Ich gehe und schreibe und lebe doch noch,
mehr als je.
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