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Unterm Lyrikmond

Gedichte lesen und hören, schreiben und interpretieren

Gedichte zur Arbeit

Ohne nachzuzählen wird man ganz intuitiv darauf kommen, dass es wesentlich mehr Gedichte zur Liebe als zur Arbeit gibt. Aber ein paar gibt es schon, wenn auch die Liebe zur Arbeit hier nicht thematisiert wird, was ganz einfach daran liegt, dass ich zu faul zum Suchen danach war. Wer als Arbeitgeber sich also Hoffnung macht, ein paar poetische Motivierungsverse zu finden, wird bitter enttäuscht.

 
 

Arbeitssteigerung

Der Ton macht bekanntlich die Musik, und hier wird gleich der Ton gesetzt mit einem Gedicht zur Poesie der Arbeit.

Grillparzer: Poesie der Arbeit

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Bekenntnis zur Arbeit

Offene Worte zum Thema Arbeit findet dieses Gedicht, doch auch dem Arbeitstag ist wie fast jedem Hollywood-Schinken ein Happy End sicher.

Hans Retep · geb. 1956

Lob der Arbeit

Die Arbeit ist mir ein Genuss,
wenn sie gefordert und befohlen
für mich ein andrer machen muss,
bekenne ich ganz unverhohlen
und stehe dennoch meinen Mann,
indem ich sitz auf heißen Kohlen,
bis endlich ich nach Hause kann.

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Ein Gedicht zur Arbeit von Wilhelm Busch

Sein ganzes eigenes Würmchen im Arbeitsgebälk findet Wilhelm Busch. Mit dem Korpsgeist ist es selbst in kirchlichen Arbeitsstätten nicht weit her.

Busch: Befriedigt

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Noch ein Gedicht zur Arbeit von Wilhelm Busch

Also der Busch, der kennt sich aus im Arbeitsleben: Bloß nicht zu viel versprechen, Termine schön unverbindlich halten. Ob er aus einer alten Handwerkerfamilie kommt?

Busch: Vielleicht

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Gedicht übers Karrieremachen

Wie macht man Karriere? Ganz einfach: in kurzen, gereimten Versen. Und geht es nicht mit Reimen, probiert man’s halt mit Schleimen.

Martin Fugger · geb. 1970

Karriere

firmenschlaue
Charaktere
einheitsgraue
eitle Pfaue
künstlich stressend
höchst dotiert
mimen Schwere
enerviert

treiben
nummerierte Klone
eloquent
in falschem Tone
süffisant
voll Präpotenz
bis zur letzten
Konsequenz

kriechen grinsend
falsches Spiel
ganz auf Linie
fast senil
oktroyieren
kleinkariert
zensurieren
ungeniert

streichen Köpfe
ganz formell
demontieren
offiziell
joviale
Konvergenz
nur im Bann
von Eminenz

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Jobroutine

Wenn Hamsterrad und Tunnelblick die Nebenwirkungen eines Jobs sind, dann ist es nicht mehr weit bis zu einer herzlichen Erkenntnis.

Georgi Kratochwil · geb. 1979

Job

Du
machst deinen Job
guckst nicht nach links
guckst nicht nach rechts
klopfst und pumpst
pumpst und klopfst
bei Tag und Nacht
bei Nacht und Tag
für’s Herz keine Zeit
keine Zeit für’s Herz
hast einen Job
machst deinen Job
hast einen Job
machst deinen Job
bist ein Nichts
bist ein Niemand
bist ein Nichts
bist ein Niemand
bist –
mein Herz
und ich
bin du

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Gedicht über die Arbeitswoche

Fred Endrikat war von den 30er- bis in die 60er-Jahren des 20. Jahrhunderts ein viel gelesener Dichter. Hier demonstriert er die Arbeitsmoral in den Zeiten, als noch Zucht und Ordnung herrschten.

Endrikat: Wochenbrevier

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Fred Endrikat im Lyrik-Lädchen.

 
 

Ein Gedicht über die Pause

Das ist ja noch immer das Wichtigste bei der Arbeit: eine ordentliche, erholsame, lange Pause. Nur die Zeit dazwischen ist etwas lästig.

Endrikat: Ein Stückchen Sonntag

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Pausengedicht

Wenn Hektik, Ticktack und das Telefon den Arbeitsalltag bestimmen, dann braucht es eine ganz besondere Pause, um „mal wieder runterzukommen“.

Samira Schogofa · geb. 1958

Kurze Pause

Mir läuft die Zeit davon.
Ich bin gehetzt.
Es geht das Telefon.
Was piept denn jetzt?
Muss den Bericht noch schreiben,
darf nichts vergessen,
muss am Computer bleiben,
hab’ nichts gegessen.
Ich schau’ zum Fenster ’raus,
führ’ einen Wunsch spazieren.
Ich schalt’ das Handy aus,
will einfach nicht mehr funktionieren.
Mein Wunsch flaniert von einem Dach zum ander’n,
und leis’ beginn’ ich auszuwandern
in eine zeitbefreite Welt,
wo man schweigend innehält.

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Gedicht über die Arbeitswoche

Aus den dunklen Zeiten der Sechs-Tage-Woche stammt dieses Gedicht zur Arbeit. Doch schon damals wusste man, was das Beste an der Woche ist.

Rolf Wolfgang Martens · 1868-1928

Ja, ja: ich will geduldig sein ...

Ja, ja: ich will geduldig sein!

Ruhig die Banausen anhören,
Lehm schippen, Steine klopfen, Sand karren,
sechs Tage lang!

Dann aber,
einmal,
zu einem M e n s c h e n,
muss es runter vom Herzen!

Der Feiertag der Seele werde geheiligt!

 
 

Ein naturalistisches Gedicht zur Arbeit

Arbeitsalltag ist ein furchtbares Wort, das in seiner Gänze in diesem Gedicht ausgemalt wird. Wer glaubt, dass dies ein Gedicht aus längst vergangenen Zeiten ist, sollte sich mal genauer umsehen.

Saar: Der Ziegelschlag

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Abschied von der Maloche

Oft genug ist der Abschied von der Arbeit nicht freiwillig, obwohl sie nicht gar so beliebt ist. In diesem Gedicht trifft es die Kumpel.

Monika Kühn · geb. 1943

Letzte Schicht

Die Zeche wird stillgelegt.
Die Kohle aus Kolumbien ist billiger.
Eine letzte Fahrt im Förderkorb
auf achthundert Meter Teufe.
Ein letztes Mal
durch die Stollen gehen,
die Grubenlampe
auf holprige Wege gerichtet.
Ein letztes Mal
das Rauschen der Wetterführung,
das Summen der Förderbänder,
das Krachen der Kohle,
wenn der Riesenhobel sie
aus dem Flöz fräst.
Technik vom Feinsten
wird jetzt verkauft,
weltweit begehrt.
Wir schalten die Computer aus
und das Licht auf der Basisstation.
In neunzig Sekunden spuckt
der Förderkorb uns wieder aus.
Wir legen den Helm ab und den Not-Akku,
die Wadenschützer und die schweren Schuhe.
Wir gehen zum letzten Mal
durch die große Halle
mit den blauen Kacheln.
Die gekreuzten Hämmer werden abgebaut.
Die Förderräder stehen still.

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Ein Gedicht der Arbeiterbewegung

An diesem Gedicht werden Gewerkschafter ihre Freude haben, denn sie wissen dann endlich, woher das berühmte „Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will“ stammt.

Herwegh: Bundeslied für den Allgemeinen deutschen Arbeiterverein

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Fleiß und Faulheit

Die ungeschminkte Wahrheit über wahres Pflichtbewusstsein bei der Arbeit bietet Lessing in seinem Gedicht. Wie man an den Lebensdaten des Dichters sieht, hat der deutsche Arbeitsethos eine lange Tradition.

Lessing: Die Faulheit

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Die Arbeit in der deutschen Sprache

Auf einen merkwürdigen Gegensatz weist das folgende Gedicht zur Arbeit hin: Die Deutschen gelten als fleißig, doch ihre Sprache arbeitet nicht mit.

Georgi Kratochwil · geb. 1979

Die Deutschen, die sind fleißig

Die Deutschen, die sind fleißig,
das weiß ich.
Zwar reimt die Pause auf
nach Hause,
der Feierabend mit
erquickend und labend,
es wird auch nicht herumgeeiert,
hat einer krankgefeiert,
und doch:
Die Deutschen, die sind fleißig,
das weiß ich,
nur ihre Sprache
übt Rache an der Sache.

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Motivationsgedicht für die Arbeit

Nachdem auf dieser Seite so viel über Arbeit gelästert wurde, hier ein die Arbeitgeber versöhnendes Motivationsgedicht, damit die Arbeiterschaft auch morgen noch kräftig reinhaut.

Weerth: Arbeite

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