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Unterm Lyrikmond

Gedichte lesen und hören, schreiben und interpretieren

Traurige Gedichte 2

Aus der Zeit der Dinosaurier, die immer trauriger wurden, ist nichts an Gedichten überliefert, aber die letzten Jahrhunderte bieten trotzdem genug Traurigkeit in Gedichten. Also sind hier traurige Gedichte bis etwa Anfang des 20. Jahrhunderts versammelt.

 
 

Traurige Kindheit

Ein Kind, das auf stille Art anders ist, schildert ahnungsvoll das folgende traurige Gedicht.

Hans Benzmann · 1869-1926

Ich sah dich wandeln

Ich sah dich wandeln unter dunklen Bäumen,
Als sich die andern tummelten im Spiel;
Du lauschtest, still beglückt in deinen Träumen,
Wie Blatt auf Blatt zerstäubend niederfiel ...

Nur wenn die andern manchmal lärmend nahten,
Entwichst du scheu erschrocken in den Wald;
Und deine Augen sanft um Schonung baten,
Wenn hinter dir der Jubel neckend schallt ...

Doch einmal war’s, wie wenn aus deinen Träumen
Der Tod kühl wehte über Spiel und Tanz –
Ich sah die muntren Füße säumen,
Und hier entsank ein Zweig und dort ein Kranz.

 
 

Trauriges Gedicht übers Einschlafen und Aufwachen

Ein bisschen herzzerreißend ist das Gedicht von Conrad Ferdinand Meyer. Dabei wandelte er beim Schreiben des Gedichts auf einem schmalen Grat, denn die Personifizierung des Gartens hätte auch leicht lächerlich wirken können.

Meyer: Das tote Kind

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Ein lichtloses Gedicht

Die ersten beiden Verse sind noch farbenfroh, doch die Fragezeichen deuten schon an, dass dahinter ein Grau lauert. Der Abstieg vom Frühling bis zur „Blindheit“ intensiviert dieses traurige Gedicht.

Dauthendey: Ist’s noch Frühling vor der Tür?

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Ein Gedicht über enttäuschte Erwartung

Das Traurige an diesem Gedicht ist die Erkenntnis, eingesponnen zu sein in sein eigenes Leben mit seinen Hoffnungen und Erwartungen und dann feststellen zu müssen, dass es „da draußen“ ganz andere Probleme gibt, die man schlicht ignoriert hat.

Flaischlen: Was müde macht

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Traurige Flocken

Wenn selbst Schneefall ein Fall von Traurigkeit ist, dann ist man vielleicht froh, dass das folgende Gedicht nur so kurz ist.

Marjan Gawalewicz · 1852-1918

Ein Lied

Es wirbelt in Flocken
        Der Schnee durch die Gassen.
Wie traurig sind jene,
        Die einsam – verlassen – ...
Viel trauriger noch, die dort müssen gehen,
Wo, außer dem Himmel,nichts ist zu sehen ...
Am traurigsten sind, deren Ziel noch so ferne,
Und keiner dort wartet, als Gott und die Sterne.

(Aus dem Polnischen übertragen von Lorenz Scherlag)

 
 

Ein trauriges Sonett

Hoffnungslosigkeit spricht aus den Versen August von Platens. Die Jagd nach dem Lebensglück erscheint ihm vergeblich. Entweder erlangt man es nie oder wenn doch, ist der Mensch zu schwach, damit fertig zu werden - wahrlich traurige Alternativen.

Platen: Wer wusste je das Leben recht zu fassen ...

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