Verwandte Themen: Abschiedsgedichte 2 · Trennungsschmerz im Gedicht · Gedichte über den Tod 2

Unterm Lyrikmond

Gedichte lesen und hören, schreiben und interpretieren

Ältere Trennungsgedichte

Wo die Liebe ist, da ist die Trennung nicht weit, auch wenn man lieber nicht dran denkt. Doch die Dichter der vergangenen Jahrhunderte hatten keine Wahl: Gerade Trennungen sind doch Stoff für besonders gefühlsbetonte Gedichte und Gefühle spielten in der Lyrik der Vergangenheit eine große Rolle.

 
 

Trennungsschmerz bei einer Frau

Zuerst die weibliche Seite des Trennungsschmerzes: Bei Karoline von Günderrode kann man annehmen, dass das wahre Leben den Hintergrund für dieses Gedicht geliefert hat, denn bei ihrem Tod von eigener Hand spielte eine gescheiterte Liebe eine Rolle.

Günderrode: Die eine Klage

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Wortlose Trennung

Ein bisschen feige ist es schon, einfach nicht mehr zu erscheinen. Leichter wird es dem Anderen dadurch nicht, wie das folgende Trennungsgedicht zeigt.

Freda Behm · unbek.

Erwartung

Ich ordne das Gerät am kleinen Teetisch.
Der Flieder in der Schale duftet schwer;
leis mahnend tickt die Uhr, die Zeiger hasten –
            er kommt nicht mehr.

Es singt verträumt der blanke Silberkessel,
das Flämmchen zuckt unruhig hin und her.
Ich schau mit toten Augen in sein Leuchten –
            er kommt nicht mehr.

Und an die Brust press’ ich die Fliederblüten
mit zitternd heißen Händen fest und schwer.
Sie fallen ab, zerdrückt, verwelkt, zertreten –
            er kommt nicht mehr.

 
 

Kurzes Trennungsgedicht

Die männliche Sicht des Trennungsschmerzes beginnt mit noch leichter Kost: kurz und schmerzhaft.

Mörike: Lebe wohl

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Trennungsgedicht der Romantik

Dieses Gedicht ist einer der romantischen Klassiker zum Thema Trennungsschmerz. Viele Leser werden sich in den Wünschen, nun das ganze Leben umzukrempeln, wiedererkannt haben.

Eichendorff: Das zerbrochene Ringlein

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Noch mal Trennungsschmerz in der Romantik

Gleich ans Grab denkt in diesem Trennungsgedicht aus romantischen Zeiten das lyrische Ich, hat aber mit den „Blümlein“ noch einen Joker in Reserve.

Müller: Trockne Blumen

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Kommentar:
Das Gedicht stammt aus dem Gedichtzyklus Die schöne Müllerin, den Franz Schubert eindrucksvoll vertont hat. Die Interpretation von „Trockne Blumen“ des Tenors Michael Schade lässt sich auf Youtube anhören.

 
 

Noch mehr Trennungsschmerz in der Romantik

Leiden in Schweigen ist der Tenor dieses Gedichtes. Das „Mohrenkind“ scheint mir eine romantische Übertreibung des Themas Dunkelheit zu sein.

Brentano: Wenn die Sonne weggegangen ...

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Ein letzter Wunsch nach der Trennung

Nachdem das Ich sich von allem verabschiedet hat, was die Liebe einst ausmachte, bleibt in diesem Trennungsgedicht noch ein letzter bescheidener Wunsch.

Christen: Nichts mehr

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Der Klang der Trennung

Wie die Liebe klingt, das weiß das Ich in diesem Gedicht. An den Klang der Trennung muss es sich noch gewöhnen.

Kitir: Die Türglocke

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Abschied und Willkommen

Mit sehr ungleichgewichtigen Zeilen versucht hier der Dichter den Trennungsschmerz und innere Zerrissenheit auch formal deutlich zu machen.

Lenz: Wo bist du itzt, mein unvergesslich Mädchen ...

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Die nicht überwundene Trennung

Reimlos beschreibt Mörike Trennung und die Leidenszeit danach. Der Unterschied zu den anderen Gedichten ist die Frage: Was geschähe, wenn die Geliebte zurückkommt?

Mörike: Ein Irrsal kam in die Mondscheingärten ...

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Schöner leiden

Auch das gibt es: Das Suhlen im eigenen Lied, die Sucht nach Schmerz und Trauer.

Schwab: Nachruf

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Rekapitulation und Kapitulation

Viel hilft es auch nicht, zu wissen, dass man Mist gebaut hat. Aber immerhin: Selbsterkenntnis gilt als erster Schritt zur Besserung.

Prutz: Reue

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Kommentar:
Die Furien und Orest: Erstere sind Rachegöttinnen. Orest, eigentlich Orestes, ist ein Muttermörder in der griechischen Mythologie, der von den Furien gehetzt wird.

 
 

Nachwirkungen einer schmerzlichen Trennung

Das älteste Gedicht über Trennungsschmerz auf dieser Seite bemüht sich auch, über den ungleichgewichtigen Strophenbau und ein ungewöhnliches Reimschema Akzente zu setzen.

Hoffmannswaldau: Wo sind die Stunden ...

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Gedanken nach der Trennung

In diesem Trennungsgedicht wird vorgeführt, wie man am Spieß über kleiner Flamme röstet, wenn man denkt, was man glaubt, was ein anderer denkt.

Storm: Weiße Rosen

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Die Einsamkeit danach

Im seltenen Elf-Zeilen-Strophenformat beginnt dieses Gedicht über die Einsamkeit und Entfremdung vom Leben nach einer Trennung. Da ist der Gedanke an den Tod nicht fern und dabei zerfällt dann auch der imposante Elfzeiler.

Raimund: Ob man anders mich als einsam sieht

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Wiederholungstäter

Eine Trennung, die ist schmerzlich, doch anscheinend gibt es auch welche, wie in diesem Gedicht, die diesem Schmerz nicht abgeneigt sind.

Alfred Scholtz · n. bek. (um 1900)

Noch einmal

Von Liebe hast du mir gelogen,
Um meinen Frieden mich gebracht,
Um all mein Hoffen mich betrogen,
Hinausgestoßen in die Nacht. –

Zum Winter machtest du mein Leben,
Voll Schmerz und Qualen ohne Zahl! –
Und alles will ich dir vergeben:
O komm, betrüg’ mich noch einmal.

 
 

Wenn die Ex heiratet

Ist zwiespältig das richtige Wort, wenn die Ex heiratet? Möglicherweise, aber für dieses Gedicht wäre zwiespältig etwas zu vornehm ausgedrückt, denn das Herzelweh ist doch eher deftig-kräftig mit einem Schluck Alkohol hinterher.

Alfred Scholtz · n. bek. (um 1900)

Galgenhumor

Kellner! Fahr auf, was jeder mag!
Ich zahle den ganzen Bettel. ...
Heut ist meiner Liebsten Hochzeitstag:
Dr Teufel hole die Vettel! –

Ihr wisst ja, wie ich an ihr hing;
Ich liebte sie unbändig.
Sie war ein liebes, herziges Ding –
Nur etwas unbeständig.

Hat jedem mit verheißendem Blick
Liebäugelnd sich versprochen ...
Vom ganzen Braten blieb nichts zurück
Als die benagten Knochen.

Nun kriegt sie ein anderer diesen Rest,
Der noch nicht fortgefressen;
Und viele können beim Hochzeitsfest
Des Bräutigams Glück ermessen.

Und dennoch wird das Herz mir schwer
In Neid, Hass, Wut und Wehe ...
Kellner! So oft die Gläser leer,
Bring neue, volle Flaschen her:
Auf ’ne vergnügte Ehe!

 
 

Unzertrennlich getrennt

Auch das gibt’s und gab es schon immer: Sich trennen, ohne sich trennen zu können, aber wieder zusammen zu kommen, ist auch nicht möglich.

Alfred Scholtz · n. bek. (um 1900)

Verloren

Sie trennten sich ohne Abschiedskuss
Und liebten sich doch so innig,
Er winkte trotzigen Scheidegruß –
Sie wandte sich eigensinnig.

Nun ist sein Haus verödet, leer ...
Es fehlt ihr sonniges Lachen;
Er wandelt ruhelos umher –
Denkt ihrer in Träumen und Wachen.

Oft zuckt sein Herz in jähem Schreck,
Wenn’s klopft an seiner Türe:
Der Bäckerjunge bringt’s Gebäck,
Der Händler Stiefelschmiere.

Und draußen oft: Sie ist’s! Ihr Gang!
Ihr sylphenhaftes Wiegen! –
Sich irrend, ist er straßenlang
Oft andern nachgestiegen.

Und was nun war’s, das sie getrennt? –
Sie können’s nicht ergründen.
Er krankt dahin ... Sie seufzt und flennt ...
Und doch kein Wiederfinden.

Kommentar:
„Ihr sylphenhaftes Wiegen!“: Das aus der Mode gekommene sylphenhaft könnte man mit anmutig, mädchenhaft übersetzen.