Verwandte Themen: Gedichte über Liebeskummer · Traurige Liebesgedichte 1

Unterm Lyrikmond

Gedichte lesen und hören, schreiben und interpretieren

Schüchterne Liebe im Gedicht

Lieben ist ja schön und gut, aber man muss auch ins Gespräch kommen, und da hakt es bei manchen. Dabei ist Schüchternheit in der Liebe kein neues Problem, sondern es besteht wahrscheinlich seit ihrer Erfindung. Die Reihe der Gedichte zur schüchternen Liebe auf diese Seite beginnt im 18. und endet bei der drastischen Lösung des Problems im 21. Jahrhundert. Denn der Fortschritt ist unaufhaltsam, auch in der Liebe.

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Schüchterne Liebe bei Matthias Claudius

Eine magische Lösung für seine Schüchternheit gegenüber einer angehimmelten Frau schlägt das lyrische Ich in diesem Gedicht vor.

Claudius: An eine Quelle

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Was sagt man?

Das ist die entscheidende Frage: Was sagt man, wenn sich eine Gelegenheit ergibt? Man will ja nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen.

Edward Rowland Sill · 1841-1887

Bedeutende Worte

Welch boshaft Schicksal mischt sich ein,
Wo Liebende sich sehen,
Und friert das flinkste Hirn rasch ein,
Dass Gefühle klamm vergehen?

Wir hatten einen Augenblick,
Bevor die anderen kämen;
Auf morgen schieben mein Geschick,
Wer müsste sich dann schämen?

Wir tauschten Blicke – jetzt oder nie;
Und bloß nicht überlegen.
„Wie warm es ist,“ bemerkte sie,
Und ich: „Vielleicht gibt’s Regen.“

Übertragen aus dem Englischen von Hans-Peter Kraus

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Erwartung und Wirklichkeit

Hohe Erwartungen, triste Wirklichkeit, traurig die Liebe, die nicht ausgesprochen werden kann. Ob’s wirklich nur der Regen war?

Löns: Verregnete Liebe

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Schüchterne Begegnung

In diesem Liebesgedicht gibt’s Wein statt Worte, aber selbst der hilft nicht so richtig.

Hofmannsthal: Die Beiden

Dieses Gedicht im TextformatZur Interpretation des Gedichts Die Beiden

 
 

Ein Liebesgedicht zwischen Hoffen und Bangen

Daran hat sich auch bis in die heutige Zeit nichts geändert: Das Gefühl des Ungenügens in Anbetracht großer Gefühle zehrt an den Nerven zwischen Hoffen und Bangen.

Dyrk Schreiber · geb. 1954

Ich bin verflucht so ungelenk

Ich bin verflucht so ungelenk
Zögerlich

Mich dir zu geben
Mein Schämen eingedenk
Ist nicht mal eben
Etwas Alltägliches

Doch Nichtalltägliches
Ist stets mein Streben
Mein Hoffen eingedenk
Dir mitzugeben

Zögerlich
Ich bin verflucht so ungelenk

UrheberrechtshinweisGedicht in Anthologie

 
 

Das große Schweigen

Dieses Liebesgedicht beschreibt das seltsame Phänomen, dass jemand mit jedermann reden kann, doch die Liebe ihn zum Schweigen bringt.

Hans Böhm · 1876-1946

Arm

Mit anderen sprech ich
Und schweige vor dir.
Zu anderen lach ich,
Starr bin ich bei dir.

Den anderen geb ich,
Nichts hab ich für dich.
Mit anderen leb ich,
Und sterb um dich.

 
 

Ein Gedicht über Nähe und Ferne

Das Wechselspiel von Nähe und Ferne, von Wunsch und Wirklichkeit, ist Thema dieses kurzen Liebesgedichtes.

Emanuel Mireau · geb. 1974

Zwischen dir und mir

Ich fürchte die Nähe, die ich mir wünsche,
Ich fürchte die Liebe, die ich begehr.
Ich liebe die Ferne, die verwünschte:
Zwischen dir und mir ein goldnes Meer.

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Liebesmonolog

Der folgende Dialog scheint eher ein Monolog der inneren Stimme zu sein. Dabei wird dem Schüchternen ein einfaches Patentrezept aus der Politik zum Verhängnis: Man muss eine Lüge nur oft genug aussprechen, dann wird sie als Wahrheit geglaubt.

Georgi Kratochwil · geb. 1979

Lächerlich

Ich sag es ihr.
      Du machst dich lächerlich.
Nein, ich sag es ihr.
      Du machst dich lächerlich.
Aber ich liebe sie.
      Du machst dich lächerlich.
Aber ich muss es ihr sagen.
      Du machst dich lächerlich.
Aber irgendwann muss es doch sein.
      Du machst dich lächerlich.
Ich will doch auch ...
      Du machst dich lächerlich.
Ich möchte ...
      Du machst dich lächerlich.
Ich ...
      Du machst dich lächerlich.
O.K., ich lass es.

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Und noch ein Liebesmonolog

Das Monologische ist ganz klar ein Kennzeichnen des Schüchternen in der Liebe. In diesem Gedicht winkt immerhin ein Happy End.

Petra Gellinger · 1960-2016

Trau mich nicht

Ich liebe dich
Ich will es dir sagen
und trau mich nicht

Ich nehme das Handy
Ich tippe – Ich liebe dich
und schicke nichts ab

Ich schreibe auf Papier
Ich liebe dich
und schmeiße es weg

Ich schreibe eine E-Mail
Ich liebe dich
und lösche sie

Ich trau mich nicht
Ich trau mich nicht
FEIGLING!

Das Handy klingelt
Du bist dran
Ich bin dran

UrheberrechtshinweisGedicht in Anthologie

Kommentar:
Dieses Gedicht hat es in sogar in ein bayerisches Schulbuch (siehe Inhaltsverzeichnis dort) als Vergleichsstück zu einem Liebesgedicht aus dem Mittelalter geschafft. Klein ist die Lyrikwelt.

 
 

Verliebt am Rande des Nervenzusammenbruchs

Verliebt zu sein, das ist für Schüchterne eine lebensgefährliche Erfahrung, wie das folgende Gedicht demonstriert.

Carmen Herrmann · geb. 1965

Chronisch verliebt

Todkrank
sehe ich hinauf zu dir.
Die Hand am Geländer
schleppe ich mit mir
wie ein Krebsgeschwür.
Die Treppe windet sich
um meinen Hals.
Die falsche Schlange will
mich hassen lehren.
Ich kann mich doch jetzt
nicht sterben legen
wo mein Herzschlag
unbedingt
an deine Tür
klopfen will.

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Die Lösung für Schüchternheit in der Liebe

Natürlich braucht es einen Profi, um Probleme mit Schüchternheit zu überwinden. Ich bin auch sicher, es gibt eine Geld-zurück-Garantie bei Misserfolg – wenn man überlebt.

Hans-Peter Kraus · geb. 1965

Der Profi

Warum zappelst du so?
Es ist völlig nutzlos, so zu zappeln.
Der Stuhl ist festgeschraubt,
die Fesseln stramm geschnürt,
der Kopf fixiert.
Ich bin Profi,
ich weiß, was ich tue.
Natürlich ist der Anblick dieses Bohrers
etwas beunruhigend,
doch ich habe dir genau erklärt,
was passieren wird.
Ich bohre die Stirn an,
höre rechtzeitig auf,
bevor der Bohrer ins Hirn eindringt,
und dann bekommst du das Headset
und darfst sie anrufen.
Vertraue mir,
ich habe Erfahrung.
In letzter Zeit ist es selten vorgekommen,
dass ich zu tief gebohrt habe,
und selbst dann waren die Schäden
nicht so gravierend, dass der Klient
nicht doch mit gewissen Einschränkungen
weiterleben konnte.
Aber das Bohren ist nun mal
unabdingbare Voraussetzung für deine Heilung.
Die Erinnerung, die Narbe
beugen jeder Art von Rückfall vor.
Außerdem mögen Frauen Männer,
die leiden mussten.
Natürlich kannst du nicht
die wahre Geschichte erzählen.
Dass deine Familie einen Timiditäts-Heiler
engagiert hat, um deine Schüchternheit
gegenüber dem weiblichen Geschlecht zu überwinden.
Aber dir wird schon was einfallen.
Ihr Typen habt ja immer viel Phantasie,
malt euch aus, wie es sein könnte,
nur zur Tat reicht es nicht.
Aber dafür hast du mich:
Ich bin ein Mann der Tat,
und deshalb geht es jetzt los.
Moment,
sagte ich schon,
dass ich leider weiterbohren muss,
wenn du versagst?
Nicht?
Nun gut, dann wäre auch das geklärt.
Also, erst das Eisspray,
ups, ja, das ist ein kleiner Kälteschock,
Bohrer an und auf geht’s:

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