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Unterm Lyrikmond

Gedichte lesen und hören, schreiben und interpretieren

Wahn-sinnige Gedichte

Die Gedichte dieser Seite sind eine Auswahl aus dem fünften Lyrikmond-Wettbewerb mit der Themenvorgabe „wahn-sinnig: Wahn ist Sinn, Sinn ist Wahn. Der ganz normale Wahn-Sinn im Leben eines Erdbewohners“. Es wurden 753 Gedichte eingeschickt, davon haben 55 den wahnsinnigen Auswahlprozess überlebt. Die ersten drei Gedichte sind die Geldpreisgewinner. Die weitere Auswahl ist assoziativ geordnet, also keine Aussage über den Rang im Wettbewerb. Eine weitere Auswahl ist bei den wahnsinnigen Gedichten zu begutachten. Viele weitere Texte werden in den nächsten Wochen auf anderen Themenseiten erscheinen.

 
 

Dem Wahnsinn entkommen

Ein einfaches Rezept, um dem Wahnsinn zu entkommen, bietet dieses Gedicht. Die Lösung ist natürlich eher wahn als sinnig.

Eva-Maria Kleitsch · geb. 1982

Nämlich: Dein Telefon klingelt zu oft ...

Nämlich: Dein Telefon klingelt zu oft
in der Hosentasche.

Und die Städte, in du fliegst,
sind alle dieselben.

Im Urlaub trainierst du hart
Loslassen können. Und merkst,
dass die innere Einkehr noch nie
eine gute Idee war. Breit
wie ein Kind neben dir grinst die Freundin
mit dem Eimer voll Muscheln. Die
hat es gut und ist dumm. Dass es Winter
geworden ist, merkst du nur
am Lebkuchen auf dem Bürotisch. Du weißt,
dass du niemals die Ruhe findest,
in der Ruhe schon gar nicht.
Und wünschst
dir ein Burn-Out-Syndrom. Nur um einer zu sein

dem vielleicht noch zu helfen wär.

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Gedicht mit Wurm

In diesem Gedicht ist eindeutig der Wurm drin, denn was dem einen sein Sinn, ist dem anderen sein Wahn und umgekehrt.

Rainer Knaust · geb. 1947

Selfie

Ich ging
mit meinem angeleinten Wurm
daher

Alle schauten sich um
Was macht denn der

Das kümmerte mich nicht

Asiaten
halten sich Grillen

Europäer
Hund und Katz

Viren
halten sich Zellen

Amerikaner
ihre Macht

Die Erde
hält sich Menschen

Menschen
halten sich Fett

Die Pole
den Frost

Die Kriege
den Nahost

Und Pisa
sich einen Turm

Da halt’ ich mir meinen Wurm

Und will ich obendrein
noch richtig originell aussehn
mit ‘ner ollen Bretterbude als Kopf

Nicht wie 08/15
durch die Straßen geh’n
sondern wie’n oller Boheme

Dann besorg ich mir
Keith Richards’ Faltencreme

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Kommentar:
Mehr zum Dichter: atelierknaust.de

 
 

Wahnsinn mit Methode

Ein etwas seltsames Gedicht, denn es gibt einige sinnige Lücken darin, die auf Wahn schließen lassen, obwohl doch eigentlich alles „ganz normal“ erscheint.

Nadia Rungger · geb. 1998

Viel zu

so ein morgen ist schon
wenn man so in der küche sitzt
und nicht recht weiß
warum
vier gabeln
dabei wohnt man alleine

und dieser tisch zum beispiel
ich finde ihn
und diese vorhänge
und von den teppichfransen wird mir ganz
und dieser toaster
dabei habe ich schon lange kein

ich muss
der tisch passt gerade noch durch
hinaus aus
hinein in
nicht weg, nur verschoben

als würde ich immer bloß
hin und her
und gar nichts neues
warum will ich etwas neues
wer kann denn?
es sind immer die gleichen
nur stehen sie anders

atmen wir nicht alle gleich
zeitig
was ist dann neu, wenn wir gleichzeitig

ich schalte an aus an aus an
aus an gefangenen tagen
kann ich nicht aus
mir kommt vor, die welt nützt sich
ab und zu scheint mir
sie wird blasser, je mehr ich

und wenn sie ganz unbemalt aufwacht
ist es dann egal, dass ich
hier
mit vier gabeln aus mir falle

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Kommentar:
Mehr von und über die Dichterin: nadiarungger.jimdo.com

 
 

Kinder-Wahnsinn

Vor langer Zeit war mal der Rinder-Wahnsinn Gesprächsthema Nummer eins, doch Eltern wissen, auch Kinder haben an manchen Tagen gewisse Fähigkeiten, Wahnsinn zu verbreiten.

Hannah Kohnen · geb. 1999

Ich bin du

Der Schlüssel, wo ist der Schlüssel?
Das Kind schreit.
Vasektomie. Wahrscheinlich zu spät.
Da ist der Schlüssel.
Die Tasche, verdammt.
Wie laut können Kinder schreien?
Warum habe ich Kinder?
Wollte ich Kinder?
Da ist die Tasche.
Ich gehe.
Halt stopp, der Elternabend.
Gott, ich will eine Midlife Crisis.
Klar, ich komm zum Elternabend.
Und geh einkaufen.
Gleich nachdem ich Thelma und Louise nachspiele.
Hast du was gesagt?
Das Kind schreit.
Es schreit und schreit und schreit und mein Kopf knallt gegen die Wand.
Er knallt und knallt und das Kind schreit und schreit.
Schreie ich?

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Der Wahn vom positiven Denken

Positiv denken löst alle Probleme, so einfach ist das – außer man hat ein Problem. Denn der Körper hat durchaus seinen eigenen Kopf.

Saskia Maas · geb. 1986

Positive Gedanken

Weißt du …
ich will nicht sagen, mir geht’s nicht gut.
Mir geht’s ja gut,
so generell.
Nur halt nicht in dem Moment.
Panik.
Kennst du das?
Nicht nur so ein bisschen Stress,
nein diese echte Panik,
mit Hitze, Zittern, kaltem Schweiß, Stechen überall, Fiepen im Ohr und Sternchen vor den Augen.
Ich weiß nicht warum oder woher.
Das macht es nicht besser, nur schlimmer zu ertragen für mich,
zu akzeptieren.
Ist ja nichts passiert oder so.

Mir geht es nicht schlecht,
so generell.
Nur in dem Moment halt auch nicht so gut.
Das macht Angst, weißt du.
Positive Gedanken, sagst du,
alles bekommt man mit positiven Gedanken weg,
denkst du.
Nicht du selbst,
aber als Tipp für andere.
Aber es gibt keine Gedanken in dem Moment,
die positiv sind.
Ja, ich denke, hey, alles gut, kein Problem, das steh ich schon durch, geht auch wieder vorbei.
Ich rede mir gut zu.
Nur glaube ich mir nicht.
Wo sollen denn diese positiven Gedanken herkommen,
von denen du da sprichst?
Was sagen sie mir denn?

Weil ich suche danach.
In dem Moment am allermeisten, aber auch sonst.
Ich versuche ja schon nett zu mir zu sein.
Mir zuzuhören.
Aber ich finde es nicht raus.
Ich finde diese negativen Gedanken nicht, die ich ersetzen soll.
Also wie soll ich sie ersetzen?
Das macht hilflos, weißt du.
Drüber nachzudenken macht es stärker.
Und es zu ignorieren macht es auch stärker.
Dagegen ankämpfen macht es stärker.
Nur die positiven Gedanken, die könnten helfen.
Ich habe es selbst in der Hand, sagst du mir also.
Die Macht der Gedanken.
Nur ist das keine Hilfe für mich.
Es gibt mir die Schuld, ist ein Vorwurf, dass ich sie nicht im Griff habe.
Die Panik.
Also schrei ich: komm her!
Komm her Panik!
Sag mir einmal ins Gesicht, was du von mir willst, anstatt dich immer anzuschleichen!
Du bist feige, komm her!
Aber ich kann schreien so viel ich will.
Sie kommt nicht zu mir, wenn ich nach ihr frage.
Und erklärt hat sie mir noch nie irgendwas.
Sie macht einfach.
Und dann lässt sie mich wieder allein.
Lässt mich zurück als gedankenloses Häufchen.
Und diese positiven Gedanken,
von denen du da sprichst,
die kannst du gern wieder mitnehmen.
Mir geht’s gut, danke.

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Kommentar:
Mehr von und über die Dichterin: www.alltagsglitzer.de

 
 

Wahnsinn am Morgen

... vertreibt bekanntlich Kummer und Sorgen, aber auch nur des Reimes wegen. Besser man kümmert sich ums Essen, da kann man den Wahnsinn vergessen, oder auch nicht.

Rob Elend · geb. 1978

Morgengrauen

Der neue Tag ist 13 Minuten alt
Und meine Gedanken gerinnen im Licht der Schreibtischlampe.
Ich wünsche mir, das Leben nicht verstanden zu haben.
Man muss nur lange genug wach bleiben,
Um den Glauben zu verlieren.
Die erste Stunde jedes Tages ist wie grauer Schleim
Auf meiner Seele, die einem Käse gleicht.
Ist das schon Schimmel, da am Rand?
(Ich frage mich, wann ich zum letzten Mal nicht gedacht habe.)
Und überlege, ob man den Rest noch essen kann.

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Sinnlos ist kein Los

Sinnlosigkeit muss kein Dauerlos sein. Sich zu wehren gegen dieses Los erfordert jedoch Stimm- und Körpereinsatz (Der Körper weiß, dass er nicht sinnlos ist).

Osman Yousufi · geb. 1989

Sprachnachricht

Du bist sinnlos
Es scheint so klar
Eintausend Fragen kochen in deinem Kopf
Wie ein toter Fisch liegt deine Zunge in deinem Mund
Dein kleines Herz hat einen Ausschlag
aber welcher Nagel könnte so tief kratzen?

Deine Hände sind sinnlos
tragen sie einen Stein, wird er zu Sand
tragen sie eine Waffe, wird sie zu Wasser
Deine Finger und ihre Zeichen sind auch sinnlos
Du hast keinen Sieg, um zwei Finger zu zeigen
Und dein Zorn ist zu schwer für einen Mittelfinger

Deine Panikattacken?
Sind auch sinnlos
Das Adrenalin wird eine Lücke finden
und ausgehen
Du, deine Tränen und deine Wünsche
ihr seid Saaten
die auf Steinen schlafen

Du, Sinnloser
weine, wenn du willst
oder tanze, ärgre dich, schrei
erhebe deine Stimme
Es beschwert sich nur der Nachbar
und deine Kehle
Äußre deinen Wahnsinn
gib nie auf
beweg dich laut
Du, der Schmetterlingseffekt in Spinnennetzen.

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Der Wahnsinnsweg zum Hemd

Ein Hemd kaufen? Nichts leichter als das. Aber der Weg zum fertigen Produkt ab der Baumwollflocke ist der reine Wahnsinn.

Dirk Tilsner · geb. 1966

Sonderangebot

Das Hemd ist bügelfrei und macht
mich regulär im slim-Trend wieder fit.
Vorm Spiegel triezt mich nur die Falte
eines Zweifels, wie so’n cooles Stück denn
überhaupt den Weg in meine Hände fand, da

war gewiss ein Baumwollfeld in das im letzten
Jahr ein Bauer mit ’nem Turban auf dem Kopf
neun Monde lang das Wasser führte, bis die
Kinder mit den flinken Fingern kamen und
zig Tonnen schneeig-weicher Bausche pflückten.

Endlich wurden sie verladen – Oh! Wie da die Kinder lachten.
Darauf ging es ans Entkörnen – Rickeracke ... Danach brachten
sie’s zum Spinnen zu den Spindeln - wo die Dornenröschen schmachten,
bald zum „Schiffchen, Schiffchen webe“ - Wie im Takt die Stühle krachten!
Nach dem Färben - bunte Hände! – durften’s andere verfrachten ...

Schließlich wurde dann die Wolle unter Tausenden von
Lampen (wiederum von flinken Fingern) maßgeschneidert und
zu diesem Hemd vernäht.

Nun drehe ich mich hin und her und wäge ab,
ob’s nicht im Hemd bei sieben Euro doch an einer Stelle
fault – jedenfalls hat’s einen

Wahnsinns-Preis!

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In 12 Schritten zum Gedicht

„12 Schritte sollt ihr sein“, sagte schon einer dieser Rundball-Poeten Mitte des letzten Jahrhunderts. Und der Dichter hier hat sich das wahnsinnigermaßen zu Herzen genommen.

Wolfgang Fink · geb. 1959

pas de douze

außen schwarz und innen weiß
ist meine espressotasse

willie nelson singt
sad songs and waltzes are selling this year

der strohstern am fenster
ist einunddreißig jahre alt

seit tagen habe ich
die hellgraue spinne nicht mehr gesehen

mein kaktus wächst und wächst
er hat noch viel vor

ich programmiere am cd player nochmals track eins
rainy day blues

über nacht wurde die weihnachtsdeko
durch schweine und raketen ersetzt

das frauenhaus
ist wieder überfüllt

unterhosen und pyjamas
sind bei ebay günstig wie nie

alle braunbären schlafen tief
oder sind längst ausgestopft

der schmerz hinter meinen augen
verspricht neuschnee

hoffentlich denkst du daran
dass es glatt wird

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Wahnsinnseindruck

Ein Gedicht über Menschen, die einen Wahnsinnseindruck hinterlassen, ohne tatsächlich wahnsinnig zu sein.

Herta Dietrich · geb. 1966

Einschlag

Manche Menschen
schlagen wie der Blitz ein
in unser Leben

hart und schnell
unbarmherzig schön

und hinterlassen
eine Schneise aus Licht
und Verzückung

wir zaubern
keine Worte für sie

flüstern nur sprachlos
Wahnsinn

erst später suchen
wir den Sinn

und finden nur
den Wahn

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Rolle abwärts

In diesem Gedicht rollt der Sinn langsam abwärts zum Wahn und am Schluss werden keine Gespenster, sondern Hyänen gesichtet, was kein gutes Zeichen ist.

Gesche Mirjam Beyer · geb. 1990

Hyänen gesichtet

leiser werdendes
Rollkofferklackern
Matratze mit grünem Hygienebezug
Halbschlafstarre in langen Nächten
Klirrendes Glas
Kälte am Morgen
an den Knöcheln auf
reißende Haut
aus steifen Fingern fallender

Stift
sich versteckende
Hände
plötzliches bekanntes Gesicht
das im Näherkommen zum fremden wird
Suchen nach vertrauten Namen
auf schneebedeckten Straßenschildern

auf
gerissene Koffer
grüne Starre in rollenden Nächten
im leisen Morgen verstecktes
Glas
Sucht nach klirrenden Namen
aus dem Halbschlaf fallende
Finger
hygienisches Lächeln
steife Nähe
langende Hände
Ferne stiften
die Kälte vertrauter Straßenschilder

fort
rollende
Namen
klirrende Starre in bekannten Gläsern
Suche nach Nähe
in fremden Koffern
leiser werdender
Stift
Gesichter, schmelzend
aus gläsernen Händen fallende
Nächte
Morgiges
unter Matratzen versteckt
Häutung im Halbschlaf
Risse
wo Straßenschilder waren
Klackern der Finger im Plötzlichen

auf

platzende Sicht
Scrollen
ausgrauende Hände
klarrende ackernde Schrift
röcheln
off key
nächtliche Flashbacks
Verlängerung von Ausfallstraßen
im Näherkommen zer
reißender Morgen

hauchende Finger

zartes Atmen im Versteck
Namen starren aus Schnee

Hyänen gesichtet

im Glasgestöber

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Gedicht am Faden

Ein fadenhaftes Gedicht, sagt man da wohl, wenn sich so langsam, aber sicher Wahn und Sinn einfädeln.

Jana van der Linden · geb. 1995

Fäden

Zerschnittene Fäden
liegen am Abgrund
tief unter dem Verstand
des Systems.
Irritierte Blicke
löchern sie.
Leistungskurven gehen bergab.

unstrukturierte Fäden
ihrer selbst.

        Kreuz und Quer

Eine Weile sitzt sie
in der Ungewissheit,
alleine ohne zu laufen.
Ihr Körper ist bewegungslos
ohne die Fäden.
Bastler kommen zu ihr,
wollen sie reparieren.
Blitzschnell
sind neue Fäden da.
Funktionieren und weiterlaufen.
Mühselige Leistung.
Vorgegebene Wege.

Sie stolpert

über einen
Gedanken.

Schmerzverzerrt,
lockere Fäden,
überall die Augen
kritischer Bastler,
zusammenreißen,
weiterlaufen.

Knall...Zusammenstoß

mit einem
Gefühl

liegenbleiben

Fäden fallen ab

unstrukturierte Fäden
ihrer Selbst

        Kreuz und Quer

Es trifft sie
mitten im Fall:
Erkenntnis.
Bastler wollen sie halten,
doch Fäden
passen nicht mehr.

Freiheit

bahnt sich ihren Weg
mit einer Portion
Mut.

Stille

ist der Sinn
ihrer Zeit.

Bastler sind
verwirrt.
Logik versagt.

unstrukturierte Fäden
ihrer Selbst.

        Kreuz und Quer

Ihr Weg ist nicht geradlinig,
holprig,
Hindernisse,
langsames laufen,
ohne Struktur.
Hinfallen,
Kraft tanken,
wieder aufstehen.
Doch im
Jetzt
liegt
ihr
Ziel.

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Des Wahnnsinns fette Bedienungsanleitung

Bedienungsanleitungen sind normalerweise eher schwer verdauliche Handke-Prosa, hier ist ein Gedicht draus geworden. Zu Risiken und Nebenwirkungen konsultieren Sie Wahnsinn für Weggelaufene.

Anna-Birke Lindewind · geb. 1998

Anleitung

Verstöpseln Sie das Visitationskabel mit dem Fersh-Play
und verkletten Sie alles mit einem Winkelpink
Sollte Ihr Winkelpink über keinen Visitationsanschluss verfügen
vergooglen Sie zuerst diskantologisch den Plantanfunk
Achten Sie dabei auf die antypologische Rechtstellung der Primatation
Und verschrimpeln Sie einen Frostrationsschutz
Dabei ist relativistische Diskreutation geboten
Am besten Sie vernutzen einen Krumpelschrimmer
Den bekommen Sie bei jedem fachspeziellen Kleinverschrimmer
Ist das Visitationskabel mit dem Winkelpink verklettet
verkreuzen sie das Doppelsunktionskabel so
dass die Enden ein Oktraquateda ergeben
In der exakt centrimalischen Hälfte des Oktraquatedas
plazieren Sie den X-Made
Um den Supra-Fulminator zu benutzen
müssen Sie nur noch unser Basic Squill herunterladen
Hinterlassen Sie uns gerne Ihre Daten
(Wenn Sie gegen die Speicherung Einspruch erheben möchten
füllen Sie das Personialitätsformular aus
Laden Sie hierfür das Basic Squill herunter)
Sollten Probleme auftreten
steht Ihnen unser Fachkryptiker zur Seite
Über die Preise berät Sie für 500 Euro
unser Diplom-Kredimologe.

Viel Vergnügen wünscht Ihnen
Ihr Team der Inmentadebilisan AG

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Und noch ’ne Bedienungsanleitung

Ein bisschen ernster, aber trotzdem vom Wahnsinn durchsetzt ist die folgende Bedienungsanleitung. Wer Höhenangst hat, kann auch einfach in einem Affentempo durch den Wald laufen. Das hilft.

Peter Sorry · geb. 1957

Bedienungsanleitung bei hochgradigen Depressionen

Sondiere die Chiffren mittels Decoder
Abstrahiere den Sättigungsgrad in Bezug
auf den Energieverlust und hinterlasse
bloß nichts dem Fachmann Zufall.
Im schwachen Ruck der Weltkugel
zu jedwedem Zeitpunkt lasse entspannt
Schlieren von rohem Eigelb mit einem
Schuss irgendwas die erwartungsvolle
Kehle hinunterrinnen.
Gebe acht auf den blanken Schrei
deiner zutiefst frustrierten und
vernachlässigten Seele.
Fokussiere ferne, völlig abwegige
Traumziele und nächtige
unter finstren Seufzerbrücken,
durchdrungen vom Pathos der Sterblichkeit.
Multipliziere die Anzahl deiner Sorgen
mit den Sternen am Firmament;
dividiere das Ganze durch
die Quersumme deiner Leberwerte.
Ergibt sich eine Diagonale
zwischen Ascendent und Delinquent
im grünen Bereich, so verschaff dir
bei der Heilsarmee einen Anzug mit Krawatte
und ergo Zutritt zu den Räumen einer Firma
in den obersten Etagen eines Hochhauses
wo die Fenster von innen zu öffnen sind.
Öffne eines dieser Fenster.
Spür den Wind. Sieh nicht hinab.
Beweg dich allmählich auf der Außenkante
des Gebäudes, schau nicht hinunter
auf die Menge...
Noch ein paar Schritte, du packst es.
Ignoriere die Zurufe, rutsch!
nicht vom Sims.
Depressionen?
Durchatmen! Was für eine Luft!
Was für eine Welt!
Wie billig ist die Angst -
auch ohne Geld.

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Der ganz normale Wahnsinn

Der Glaube jenseits aller Tatsachen war in früheren Zeiten der Religion vorbehalten. Inzwischen muss man sich daran gewöhnen, dass auch die plemplemste Theorie über öffentliche Ereignisse ihre Gläubigen findet, wie folgendes Gedicht demonstriert.

Alexander Krist · geb. 1985

Das wird man ja wohl noch sagen dürfen!?!

Herr Doktor, Herr Doktor, ich weiß das genau:
Mit eignen Augen hab ichs gelesen,
es ist in Wahrheit alles ganz anders gewesen:

Die Merkel kippt Formaldehyd in die Wolken
und will ganz Doitschland mit Syrern umvolken,
und Böhmermann hat einen Bock gemolken

und fing die Milch in dreiundzwanzig Sieben -
und wo ist eigentlich Bielefeld geblieben?
Shakespeare hat nie eine Zeile geschrieben

und war Queen Elizabeths leiblicher Sohn,
und Genschers Double stand auf dem Balkon,
und Laurel und Hardy waren eine Person,

und die Mondlandung haben die Templer getürkt,
und Golodkowski hat für die EZB gebürgt,
und Mozart haben die Freimaurer erwürgt,

und Hitler starb 2000 am südlichen Pol,
und Impfen macht blind und die Knochen hohl,
und Kaiser Wilhelm war der Vater von Helmut Kohl,

und Elvis lebt, doch McCartney ist tot,
und die Erde ist flach und das Schwarze Meer rot,
Herr Doktor, wir sitzen im selben Boot!

Die Pyramiden wurden von UFOs erbaut,
das Klima haben, wenn überhaupt, die Ökos selber versaut,
das ist so, Herr Doktor, ich sage es laut!

Herr Doktor, was heißt hier Verfolgungswahn?
Längst herrscht Alice Schwarzer im Vatikan,
und das alles vertuscht die Deutsche Bahn!

Herr Doktor, Herr Doktor, ich weiß das genau:
Mit eignen Augen hab ichs gelesen,
es ist in Wahrheit alles ganz anders gewesen!

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Kleiner Besuch in der Hölle

Die Hölle sind bekanntlich die Anderen, so weit es menschliche Wesen sind. Was Menschen Menschen wahnsinnigerweise antun können, davon gibt das folgende Gedicht eine kleine Geschmacksprobe.

Osman Yousufi · geb. 1989

Verhörraum Nr. i

Warum reißt du meine Fingernägel aus?
Für das Rubbellos in meiner Tasche
Warum löschst du die Zigarette in meiner Handfläche?
Der Aschenbecher ist schon voll
Warum ziehst du meine Zähne?
Ich kann den Öffner nicht finden
Warum zerstichst Du meine Lungen?
Ich hasse Ballons
Warum hänge ich von der Decke?
Das ist hier die einzige Schlafposition
Warum brichst du meinen Rücken?
Damit du läufst wie ich
Warum stiehlst du meine Kehle?
Ich bin heiser
Warum wurde ich geblendet?
Das Licht reichte nicht für uns beide
Warum hast du mich nicht getötet?
Meine Schicht war vorbei
Warum wird dein Kollege mich morgen töten?
Er hat die Frühschicht

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