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Unterm Lyrikmond

Gedichte lesen und hören, schreiben und interpretieren

Gedichte über das Meer

Heutzutage ist wohl der erste Gedanke ans Meer: Urlaub. Auch das ist Thema in den Gedichten über das Meer, doch die Bandbreite reicht bis zu den stürmischen Seiten des Meeres, die manches Schicksal gewendet haben, und nicht alle Schiffbrüchigen landeten auf einer paradiesischen einsamen Insel.

Lyrikbücher im Lyrik-Lädchen beim Lyrikmond

 
 

Gedicht über Urlaub am Meer

Zuerst ein bisschen Urlaub. Das Alter des Gedichtes erkennt man daran, dass man damals noch am Meer spazierte. Heute reicht der Gehweg meist nur noch bis zum Strandlaken.

Dehmel: Klarer Tag

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Gedicht über einen Strandspaziergang

Einen Spaziergang am Meer bietet dies Gedicht, allerdings mit geringfügigen Nebenwirkungen.

Dauthendey: Wir gehen am Meer im tiefen Sand

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Meer-Ruhe

Was dem einen der Sternenhimmel, ist dem anderen das Meer: Ein Anblick, der beruhigt.

Meißner: Abend am Meere

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Urlaub am Meer

Dieses Gedicht beschäftigt sich weniger mit dem Meer, sondern mehr oder weniger mit dem, was direkt am Rand liegt und seine Auswirkungen auf Menschen.

Hans Retep · geb. 1956

Strandurlaub

Ein Strand liegt am Rand
des Ozeans;
läge er mittendrin,
hieße er Strin.
Da er jedoch am Rand liegt,
ist es nur logisch,
dass er den Namen Strand kriegt.
An einem Strand passieren sonderbare Sachen,
zum Beispiel, dass die Menschen völlig verflachen.
Statt aufrecht zu gehen, liegen sie platt;
wahrscheinlich wegen der Sonne, die macht sie matt.
Doch naht die Flut, bekommen sie Beine,
und laufen senkrecht von ganz alleine,
und gehen ins Hotel und essen sich satt
und legen sich zu Bette und sind wieder platt.
So platt zu sein am Strand am Rand des Ozeans,
das nennt man Urlaub machen,
zu Hause macht man lieber andere Sachen.

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Die Stimme des Meeres

In diesem Gedicht spricht das Meer selbst. Klabund hat zugehört und die Rede aufgeschrieben.

Klabund: Das Meer

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Kommentar:
Das Gedicht stammt aus dem Gedichtband Harfenjule (bei Gutenberg komplett online). Dort wurden die Gedichte in der Originalveröffentlichung ohne Versstruktur gesetzt. Jede Strophe war einfach ein Fließtext in einem Absatz. Ich habe zur Verdeutlichung der Reimstruktur eine Verseinteilung vorgenommen. Das ist von den Herausgebern Klabundscher Gedichte ebenso gehandhabt worden. Im Prinzip ist durch die Veröffentlichung als Fließtext jeder Leser eingeladen, seine eigene Versstruktur des Gedichtes anzulegen.

 
 

Gedicht mit Meerblick

Meerblick ist ja eigentlich der Blick aufs Meer, nicht so in diesem Gedicht. Hier wird der Meerblick als Blick des Meeres auf die Welt angeboten.

Michelle Michaux · geb. 1992

Ich bin das Meer ...

Ich bin das Meer
in meiner Liebe zum Himmel
blicke auf
jeden Tag
greife
mit jeder Welle
über mich hinaus
ihm entgegen
wachse
und falle
springe
und stürme
bis
ganz leis
ich warte.
still
spiegle ich
dein Angesicht
still
sinkt deine Sonne
in mein Herz
deine Sterne
in meine Augen
ich fange sie auf
und halte sie
still
bis der Mond
nach mir ruft
und ich recke mich
ihm entgegen
schenke ihm
meine Wärme
bis die Sonne
kommt
der Tag anbricht
der Himmel strahlt
und mit ihm
ich.

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Meer-Ich

Das Meer in diesem Gedicht hat einen Hang zur Egozentrik und auch eine gewisse Vorliebe, den Buchstaben M auf den Kopf zu stellen, ist nicht von der Hand zu weisen.

Gertrud Goes · 1878-1915

Stimmen des Meeres

Schillernde, lachende, tosende Wellen
Singen und klingen wie silberne Schellen,
Wiegen ein Lied auf den Fluten daher;
      Ich, ich, ich bin das Meer!

Grau, wie geschmolzenes Blei, müde kauern
Wasser und Wogen; sie warten, sie lauern – –
Wälzen wohl Töne, geheimnisvoll, schwer:
      Ich – – Ich – – Ich bin das Meer!

Wolken und Wogen in wirbelnden Wettern
Brüllen gen Himmel.   Sie dröhnen, sie schmettern
Landwärts den Sigesgesang, trotzig und hehr:
      Ich!   Ich!   Ich!
      Bin das  Meer!

 
 

Meer vs. Küste

Das ewige Spiel von Angriff und Rückzug beim Aufeinandertreffen von Meer und Küste ist Thema dieses modernen Gedichts über das Meer.

Ildikò Tresnic · geb. 1976

Umwerbung

Leben pulsiert dein Wellenschlag,
pinienumsamtet dein wilder Körper,
du marmorst deine Haut,
brüllst Ufer,
schäumst hervor die Fackeln,
brennst dein Wasser in das unbeugsame Weiß
und Möwen
spuckst du wutentfacht.

Vergebens!

Denn sieh:
Die Küste weigert sich,
sie will dich nicht
und
wirft dich zurück.

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Kommentar:
Dieses Gedicht wurde beim 4. Lyrikond-Wettbewerb aus über 1600 Einsendungen zum Gedicht des Jahres 2018 gewählt.

 
 

Ein Gedicht über das Meer von Theodor Storm

Und hier schreibt einer der wenigen Meeranwohner unter den Dichtern ein paar Worte über das Meer und vieles mehr.

Storm: Meeresstrand

Dieses Gedicht im TextformatZur Interpretation des Gedichts Meeresstrand

 
 

Unwetter am Meer

Am Rande des Kitsches balanciert dieses Gedicht durch die Vermenschlichung der Natur. Doch bietet es eine sehr eigentümliche Darstellung eines Unwetters am Meer, die vielleicht dem Anblick einer nahenden Gewitterfront am Strand sogar eine komische Note gibt.

Lenau: Sturmesmythe

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Gedicht über einen Meeressturm

In freien Versen versucht Rolf Wolfgang Martens in diesem Gedicht einem Sturm durch Sprache gerecht zu werden. Dazu wird vor allem die Lautgleichheit bei Wortanfängen genutzt, Alliteration genannt.

Rolf Wolfgang Martens · 1868-1928

Sturm ...

Sturm!

Über das schwarzblaue Meer,
mit weißen Kämmen,
bäumen sich seine Drachen.

Wie sie sich werfen!

Wütend!

Wasserberge
taumeln, tanzen,
türmen sich in den Himmel,
zerschellen zu Schlünden.

Ich kann mich nicht losreißen
von soviel Schönheit
und Kraft!

 
 

Gedicht über das Schicksalsmeer

Julius Rodenberg betrachtet die dunkle Seite des Meeres in seinem Gedicht: das Meer als Schicksalsmacht.

Rodenberg: Unter den Wassern

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Allein auf dem Meer

Fast nirgendwo kann man so allein sein wie auf dem Meer, obwohl unter einem das Leben tobt. Da wundert es nicht, dass Gedanken ans Ende aufkommen.

Ernst Preczang · 1870-1949

Auf dunkler See

Nun schillern grau die Wogen,
Ein Tag hat sich erfüllt.
Am weiten Himmelsbogen
Ist alles Licht verhüllt.
Es weht ein Nebelschleier
Gespenstisch um mich her.
Mein Boot und ich wir treiben
Ziellos auf stillem Meer.

Kein Hauch, den wir gewahren.
Die See rollt ohne Hast.
Ich weiß nicht, ob wir fahren.
Schlaff hängt das Tuch am Mast.
Es wispert leis am Steuer
Von fremden Melodien;
Sind es die Nebenfrauen,
Die um das Schiffchen ziehn?

Will uns kein Hafen werden?
Nun flattert’s dort vorm Bug
Mit höhnischen Gebärden
Und schwirrt wie Vogelflug.
Die Schatten drängen dichter
Und dichter sich herbei;
Lichtlos aus grauer Höhe
Ergellt ein Möwenschrei.

Und lautlos, lautlos wieder
Ballt sich der Dämmerrauch,
Wallt auf und senkt sich nieder
Und dehnt und streckt sich auch.
Die langen, feuchten Arme
Eng um das Boot gepresst,
So halten uns die Frauen,
die Nebelfrauen fest.

Will sich ein Grab bereiten?
Horch, wie die Wildgans schreit!
Nun ist’s, als ob wir gleiten
In die Unendlichkeit.
Sie öffnet ihre Tore
Stillfeierlich und sacht.
Auf schwarzen Riesenwogen
Reitet heran die Nacht.

Kein Stern, dass er uns leite.
Kein Mond, kein Glanz, kein Licht.
In dieser dunklen Weite
Winkt uns der Hafen nicht.
Wenn wir ihn nicht erreichen,
Mein Herz, was liegt daran?
Es ist ein Boot versunken.
Ein Boot, ein Mast, ein Mann ..

 
 

Allein auf dem Meer 2

Nochmal allein auf dem Meer. Auch eine kurze Begegnung mit einem anderen Boot ändert nichts an der allumfassende Einsamkeit.

Ernst Preczang · 1870-1949

Im Boot

Voll bläht das Segel mir der Abendwind,
Dem leichten Druck der Hand gehorcht das Steuer.
Die Welle flüstert. Und die Welle rinnt
Um meinen Kahn wie flüssig Sonnenfeuer.
Noch einmal goss der Glutball all sein Licht
Verschwendrisch aus in goldner Wunderfülle,
Bis, lächelnd noch, das große Auge bricht,
Und still sich senkt des Abends graue Hülle.

Tiefblau steigt Wald und Hügel nun empor,
Weiß überm Wasser spinnen sich die Schleier,
Es webt und flüstert mir um Aug und Ohr
Und wandelt sich in mir zu stiller Feier.
Ich gleite lautlos durch die blanke Flut,
Vor mir im Dämmerlicht die weiten Fernen,
Tot ist der Tag! und seine große Glut
Versprengt am Himmel zu viel tausend Sternen.

Ein Segel schimmert neben mir herauf:
„Wohin so spät, Kam’rad?“ Ich hör es fragen,
– Doch eh’ ich wache, ist in seinem Lauf
Das kleine Schiff vom Winde fortgetragen.
Wohin? Wohin! Es klingt mir in den Ohren,
Flieht zu den Ufern, kehrt zurück so still
Und sitzt am Ruder neben mir verloren,
Als ob es mich nicht mehr verlassen will.

Wohin? Wohin! In nächtlich graue Weiten!
Das Glück ist tot, und das Leid ist tot.
Es starb der Tag, und mit dem Abend gleiten
Zum großen Frieden wir aus aller Not.
Sieh: Licht um Licht verlöscht am Ufersrande.
Wie finster doch die Nacht das Wasser säumt! ...
Mir aber ist, als führe ich zum Lande
Der Wundermärchen, die ich einst erträumt.

 
 

Ein Gedicht über das Meer von Gottfried Keller

Das Meer als Waffe gebraucht, so lautet das Gedankenspiel des Dichters in diesem Gedicht.

Keller: Meergedanken

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