Unterm Lyrikmond

Gedichte lesen und hören, schreiben und interpretieren

Aus dem grotesken Leben des 21. Jahrhunderts

„Man muss nicht in fremde Länder nach Bayern oder Japan reisen, um zu erkennen, dass das Leben im 21. Jahrhundert grotesk ist. Es braucht nur eine Betrachtung selbst alltäglicher Handlungen aus dem rechten, also schiefen Winkel. Zeigen Sie im Gedicht groteske Momentaufnahmen aus dem Leben, doch sagen Sie nicht, dass sie grotesk sind. Überlassen Sie diese Schlussfolgerung dem Leser. Ob Sie dabei auch auf den ursprünglichen Begriff des Grotesken mit seiner phantastisch-monströsen Komponente zurückgreifen, bleibt Ihnen überlassen.“ So lautete die Aufgabe im zweiten Lyrikmond-Wettbewerb, an dem sich 400 Dichterinnen und Dichter mit 587 Gedichten beteiligten. Auf dieser Seite sind die fünf Geldpreisgewinner sowie weitere Gedichte versammelt, die einen besonders starken Bezug zum 21. Jahrhundert haben. Die Reihenfolge der Gedichte enthält keine Wertung bis auf die Tatsache, dass die fünf Geldpreisträger, unter denen 750 Euro zu gleichen Teilen aufgeteilt wurden, zuerst kommen, die Anordnung ist sonst eher assoziativ. Viele weitere Wettbewerbsbeiträge sind in anderen Themen untergebracht worden.

 

Ein Gedicht übers Stehenbleiben

Das 21. Jahrhundert steht eher für Geschwindigkeit, das Leben pulsiert immer schneller. Da ist die Idee, einfach mal stehen zu bleiben und zu bleiben, schon eine groteske.

Mario Wurmitzer · geb. 1992

und dann blieb ich stehen wo ich war und blieb dort für immer

beim Überqueren eines Platzes vor Jahren kam mir der Gedanke ich könnte hier bleiben
und ich stellte mich neben eine Laterne und bemühte
mich ihr zu gleichen
und ein Hund streifte mich und währenddessen dachte ich
dass ich lieber andernorts stünde
näher am Meer
näher bei den Schiffen
aber nun war ich hier
und blieb
eine Frau kam vorbei
ich sagte wenn sie bliebe
wäre es nicht zu ihrem Schaden
ich hätte Socken mit Flecken drauf
die fast wie Herzen aussähen
zu verschenken
und sie stellte sich neben mich
ich gab ihr meine Socken mit den Herzflecken
und sie warf sie weg
zog auch ihre aus
seitdem stehen wir beide barfuß da
ich spüre sie wirft mir vor dass ich sie aufgehalten habe
aber allein hätte ich das hier überhaupt nicht ausgehalten
manchmal wollen wir weg aber wissen nicht
ob es sich lohnt
und was uns erwartet
und bleiben

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Kommentar:
Mehr von und über Mario Wurmitzer gibt es bei www.mariowurmitzer.at.

 

Groteske Größe

Das Unangenehme mit dem Nützlichen verbindet das folgende Gedicht auf groteske Weise.

Michaela Meyer · geb. 1962

Der Pickel

Erst saß er klein und unscheinbar
auf meinem linken Spann.
Doch mit der Zeit da schwoll er gar
auf Pfirsichgröße an.

Es passten weder Strumpf noch Schuh,
ich musste barfuß geh'n.
Ob Arbeit oder Rendezvous –
das war nicht angenehm!

Der Pickel wurde größer,
groß wie ein ganzes Haus.

D’rum packte ich zusammen,
zog in den Pickel ein.
Und Leute lasst euch sagen:
Ich leb' dort wirklich fein!

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Groteskes Selfie

Ob diese Selfie-Manie in 50 Jahren als grotesk betrachtet wird, beantwortet dieses Gedicht nicht, sondern zeigt das Hängen am drahtlosem Draht.

Matthias Kaiser · geb. 1986

Guter Draht

Unser guter Draht wird brüchig
für das W-Lan braucht es keinen
zum Erhängen reicht er aber
sterben geht heut anders
lösch dich
einfach aus dem Datenstream.

Willst du lieber live abhängen
wenn du schon vom Abgrund textest
tritt noch etwas näher für ein
Selfie voller Tiefe
pass auf
dass der Abgrund gut aussieht.

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Kommentar:
Mehr Texte und Bilder von Matthias Kaiser gibt es bei blaetterklingen.deviantart.com.

 

Haarig Grotesk

Ganz harmlos fängt dieses groteske Gedicht über zwei Frauen an, doch am Schluss werden die Risiken und Nebenwirkungen von Haarverlängerungen offenbar.

Signe Ibbeken · geb. 1966

Zwei Frauen

Eine Frau
mit kurzen Haaren,
die in einem ruhigen,
nördlichen Land lebt,
hat sich die Haare
einer anderen Frau,
die in einem wilden,
südlichen Land lebt,
gekauft und ankleben lassen.
Dadurch ist sie
eine Langhaarige geworden.
Doch immer wenn es regnet,
beginnen sich die Haare
der Frau,
die in dem nördlichen Land lebt,
wie wild zu kräuseln
und zwischen den Locken
schauen die Augen
von Urwaldtieren hervor.

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Pure Groteske

Die Groteske zeichnet sich eigentlich durch Undurchschaubarkeit aus: Ist sie ernst, ist sie lustig gemeint? Hat sie Sinn oder nicht? Bei der puren Groteske lässt sich das nicht sagen:

Julia Friesen · geb. 1985

Hotel Bizzare

Sein oder nicht sein?!
Wer sich rächt, als Letzter lacht!
Der Choleriker zupft seinen Schnäuzer klein
und erwacht.

Alle rein! Aale! Ahle!
Die Fratzen zünden Feuer
und spitzen ihre Nägel,
um frisch rasierte Glatzen
zu kratzen.
Immer im Chor.
Zwei Schritte vor
und Jahre zurück.
Die Engel schweben frei
und summen ihre Litanei
und wünschen uns viel Glück.

Haben oder nicht haben?
Das Meer aus schwarzen Raben
will sich am Saatgut laben.
Krähen! Reißen! Graben!
Geduld und Zeit sind höchste Güter.
Die Vogelscheuche weint.
Versagt als Hüter.

Denk an Dich! Das Ich! Das Ich!
Das ist der Weg,
des Lebens Pracht!
Wenn jeder an sich selber denkt,
an alle ist gedacht!

Die Menschheit braucht Idole.
Dann schöpft sie aus dem Vollen
in diesen wilden Zeiten!
Wild? Ist mir zu zäh ...
Getuschte Wimpern klimpern.
Tick-Tack, Tick-Tack
Kommt Zeit, kommt Rat.
Denkt sich der Zwerg
und legt das Riesen-Kostüm ab
und zeigt den bloßen Hintern.

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Verstörend

Wenn die sogenannte Realität eine zeitweilige Störung hat, ist das ein groteskes Gedicht wert:

Kristiane Kondrat · geb. 1938

Zeitweilige Störung

Sie haben sich verkleidet
unter Menschen zu gehen
sich Köpfe aufgesetzt
um unerkannt zu bleiben und
fallen nur auf, wenn sie versuchen
zu sprechen oder in geschäftiger
Eile rasen, als hätten sie ein Ziel
an einem wolkenlosen Tag
fallen der Stadt die Zähne aus
so die Landschaft sich ändert
allmählich, und wir nicht merken
dass es dunkel wird vor der Nacht
mit einem Stoppelbart in der Stimme
erklärt der Fahrer, der Bus fahre nicht weiter
da einer auf den falschen Knopf gedrückt
und die Zugbrücke werde hochgezogen
ein nasenbohrendes Flugzeug mit
weiteren technischen Störungen
ist im Konzertsaal notgelandet
Mozart wird weitergespielt
der Busfahrer jedoch sagt
er könne nur weiterfahren
wenn einer da oben auf
einen anderen Knopf
drücke, doch es will
keiner drücken

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Kommentar:
Biographisches zu Kristiane Kondrat hat das Literaturportal Bayern.

 

Grotesker Kreis

Ein grotesker Kreis ist auch rund und endet mit dem Anfang und beginnt mit dem Ende, wie das folgende, kurvenreiche Gedicht zeigt.

Henrietta Hartl · geb. 1960

Fangen

fangen
sie wollen dich fangen
lauf lauf lauf um dein Leben
dein echtes
oder du wirst es nie wiedersehn

wirst sie nie wiedersehn
die Bilder aus den alten Träumen
höchstens peinlicherweise
auf fremden Bildschirmen flackernd
und du in Angst in ständiger
vor dem Prozess
den sie dir machen könnten
in dem du deine Seite nicht mehr weißt
schau sie dir an
aber fürchte ihren Blick
zurück
du bist vielleicht doch nicht so stark so flink
sie sind nicht klug – aber schlau
und schwindelnd schnell

und ihre Klauen fahren dir
nicht erst in die Haut, sondern
gleich voll ins Fleisch
dein echtes
und danach wirst du niemals mehr was spüren
außer jener matten Bitterkeit

drum wehr dich jetzt
und setz dein Leben ein
um ihnen zu entkommen
gib acht sonst bist du schon
ge-

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Kommentar:
Mehr Gedichte von Henrietta Hartl finden Sie auf dem Schreibtisch im Spessart.

 

Groteske Technik

Schon im Normalmodus führt die Technik zu grotesken Situationen, in der Katastrophe wird dies potenziert.

Titus Lenk · geb. 1984

Weltende 2.0

Die Handys fallen aus und die Flugzeuge vom Himmel.
Navis führen in die Irre und Online-Welten lösen sich auf.
Rolltreppen halten an und wir unseren Atem.
Kühlschränke schmelzen schneller als Pole und Gletscher.
Ein Virus vernichtet große Teile des gespeicherten Weltwissens
und Atomkraftwerke werden ausfällig.
Totalausfall allerorten
und auch Google weiß keinen Rat mehr.

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Zukunftsfreuden

Wenn selbst die Schneuztücher technische Meisterwerke sind, steht einem grotesken „Hatschi!“ nichts mehr im Wege, oder?

Wolfgang Schöner · geb. 1960

Das digitale Schneuztuch

In Herbstes Regen, Nebelnacht
ein Schnupfen uns zu schaffen macht.
Man steht im Zugwind, bebt im Kalten
und will sein Taschentuch entfalten.

Das allerneueste Modell
Von Vaio, Samsung oder Dell,
das Luft mit Duft und Touch und Screen
uns wieder zu verheißen schien.

Doch dass man sich aufs schnellste schneuzt,
sieht man zwecks Sicherheit durchkreuzt.
Das High-Tech-Tuch verlangt schlechthin
zuvor ein Sesam namens Pin.

Das Niesen naht, es zuckt die Lippe,
doch unbarmherzig heißt es: tippe!
Verdammt! die Zahl, die man gewähnt,
vom Schnupftuch wird sie abgelehnt.

Durch bange Finger jagt ein Zittern,
der Blick verschwimmt vor Zahlengittern.
Wie war das doch? vier eins acht drei?
Das Blechding äußert: No reply!

Man hat ja eine dritte Schangs.
Die Ziffern wirbeln wild im Tanz.
Ins Auge sich das Wasser presst.
Die Nase wird zum Wespennest.

So sei’s gewagt! Vier drei eins acht!
Doch kommt es anders, als gedacht.
Auf dem Display erscheint, oh Spuk,
ein finstrer Geist mit Namen Puk.

Das war zu viel! Der Grimm entquillt,
die Nasenflügel flattern wild,
ganz hinten droht, an ihren Wurzeln,
ein Sturzbach sich zu überpurzeln;

von Wesen namens Pin und Puk
hat man für immer jetzt genug:
es bricht den Damm des Niesens Flut,
und ohne Tuch in wilder Wut

entlädt sich so mit Heftigkeit
der Urknall einer neuen Zeit,
ab der man nun zu sagen pflog:
„Ich schneuze lieber analog!“

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Zukunftsleiden

Die Zukunft ist auch nicht mehr, was sie mal war. Was ist das für ein Leben, wenn selbst Androiden auf die Straße gesetzt werden?

Achim Stößer · geb. 1963

Androidentränen

Er sitzt verlassen
Auf der schäbigen Couch.
Sperrmüll am Straßenrand:
Zerfetzte Regenschirme.
Gesplitterte Bildschirme,
Zerbrochene Bilder,
Verdorrte Topfpflanzen,
Kisten muffiger Bücher,
Schimmlige Duschvorhänge,
Verstaubte Radios.
Wie eine ausgediente
Schaufensterpuppe
Sitzt er reglos,
nur sein kleiner Finger
zuckt leise tickend
wirren Morsecode.
Ein glitzernder Tropfen
In seinem Augenwinkel
Löst sich und rinnt
Über die Wange,
Die abgewetzt ist
Wie seine Kleidung.
Schmier- oder Kühlmittel
Vermutlich, denn
Androiden weinen nicht,
glaube ich.

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Kommentar:
Mehr Texte von Achim Stößer hat seine eigene Website: achim-stoesser.de.

 

Gedicht über eine Traumwohnung

Groteske Gedichte haben oft Ähnlichkeiten mit Alpträumen. Dieses hier nicht, denn die gesuchte Wohnung ist wahrlich ein Traum.

Ion Rolyat · geb. 1982

Freiberufler (Nomade) sucht Zimmer zur Zwischenmiete

Suche Zimmer, ca. 19,89 qm
ruhige Lage
gerne im Westen Berlins (nur nicht zu weit)
drahtloser Nachbar

Das Zimmer sollte mind. 300 Purzelbäume vom nächsten Stadttheater entfernt sein
bzw. in der 2. oder 9. Etage liegen (aus Transportgründen) und 6 bis 8 m hoch sein

Telefon mit winterfester Wählscheibenflüssigkeit und Wahlwiederholungsstörung
turbokapitalistischer Kalter-Kaffeeautomat
Kochnische mit kaputtem Riesenherd
beheizbarer Eisbärbettvorleger
Fichtenholzofen mit Zwergfinkenmuster

Aufblasbarer Thron in der oberen Zimmerhälfte
Eselsbrücke zum Ausklappen
basisdemokratischer Fußabstreifer
Minibar mit Magenbitter
und Kaltmiete
und Klimaschutzsteckdosen-Abo

(Kamel-)Stellplatz direkt vor dem Haus (außer werktags)

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Das Unvollendete

Eigentlich wurde hier nur ein einfacher Trick benutzt und doch ist das Ergebnis ein groteskes Gedicht, ohne dass das reale Leben großartig verzerrt werden musste.

Gary Denk · geb. 1997

Sie wissen ja.

Ich begrüße
Kann ich Ihnen einen Kaffee
Setzen Sie
Heiß hier
Würde es Sie stören, wenn ich
Ich hoffe, die Anreise war nicht allzu

Ihre Unterlagen sind
Und Sie haben sehr viel in Ihrer Disziplin
Und Ihre Veröffentlichungen erst
Ja, Sie sind ein sehr geschätzter
Ihre Ideen könnten Berge

Wir müssen Ihnen jedoch leider
Bedauerlich ist es
Jedoch hoffen wir, dass Sie Ihren Weg noch
Wir empfehlen Ihnen
Vielleicht besteht dort
Das ist alles, was wir für Sie
Es sind eben harte Zeiten
Wir können kein Geld für Sie
Das würde uns in den Ruin

Fakt ist, Sie würden den Fortschritt
Wir brauchen keine Denker
Wir brauchen Innovationen
Daher passen Sie nicht in unser
Was bringt uns ein Dach, wenn wir Geld
Und unser Geld wurde gefressen
Wollen Sie, dass dies nochmal
Das wollen wir nicht, das wäre mir zu
Da habe ich Angst vor

Wir wünschen Ihnen dennoch viel
Sie wissen ja.

Der Nächste, bitte!
Danke.

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Der ganz normale Wahnsinn

Wenn man das ganze normale Leben in ganz normalen Worten beschreibt, macht es plötzlich einen etwas irren Eindruck, dafür muss man nicht mal seine Oma fragen.

Sylvia Schmieder · geb. 1966

ist das normal

wir sind eltern haben verpflichtungen
schulden
mehrere hunderttausend nichts besonderes
wohnen
bildung fortbewegung hat seinen preis
leben
hat seinen preis

die kinder sind es uns wert klavierunterricht
klettern
trainieren fürs leben am berg an der wand
fallen
aufstehen fallen auf nicht zu vergessen
entspannen
nicht zu vergessen

wir leben wie man muss vor allem muss man
durchhalten
bis ans ende unserer tage hunderttausende
schmerzen
beide er auch ich auch
verdienen
doppelverdiener anders geht es nicht

wie gut dass wir uns haben das muss man einander
versichern
ohne euch ginge es nicht wir skypen uns küsse
lieben
die kinder den vollen kühlschrank die freunde
drücken
einander viel tausendmal

und wieder von vorn und wieder so früh
aufstehn
kaffee vitamine wie immer zäher verkehr
verstummen
in watte sitzen hunderttausende meilen
fliegen
von watte zu watte

was könnten wir ohne sachzwänge
könnten
wandern malen wahrscheinlich zeitweise
wandern
so viel fantasie kann man sich niemals mehr
leisten
kann man nicht

die oma müssen wir dringend ja doch sie will uns
anfassen
sie ist wie sie ist die kinder erschreckt ihr
murmeln
was seid ihr groß geworden ihr murmeln was seid ihr
ernst
ihr spielt so gewissenhaft ist das normal

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Kommentar:
Mehr von und über die Dichterin auf ihrer Homepage: www.sylviaschmieder.de.

 

Ein Gedicht über Planung

Planung ist wichtig im 21. Jahrhundert, nur so behält man den Durchblick, doch das Ergebnis bleibt grotesk.

Beate Zacher · geb. 1961

Wochenplan

Montags lernt er englisch
und dienstags lernt er Cello

Mittwochs geht er schwimmen
und donnerstags zum Judo

Freitags spielt er Fussball
und samstags spielt er Schach

Am Sonntag macht er, was er will
und morgen wird er acht.

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Fragen kostet was

Wer es wagt, das Leben im 21. Jahrhundert mit wachen Augen zu betrachten, könnte es bereuen:

Martin Wessely · geb. 1969

Ohne Klinke

Wer einmal aus
dem Kästchen hüpft
wer einmal seinen
Deckel lüpft,
sich rausstellt
und von außen sieht,
wem auffällt
was warum geschieht,
der ahnt,
dass es ein Fehler war
dem schwant,
der Preis ist hoch
und zwar:
es führt von dort
kein Weg zurück,
ab diesem Punkt
braucht man viel Glück.
Moral ist toll,
doch sättigt nicht
und edler Groll
vernebelt schlicht.
So manches
enge Kästchen
ist auch ein
warmes Nestchen.

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Kommentar:
www.martinwessely.de

 

Zusammenfassung

Kurz zusammengefasst wird im folgenden Gedicht der menschliche Fortschritt durch die Jahrtausende bis ins aktuelle Jahrhundert. Das Ergebnis ist, wie auf dieser Seite nicht anders zu erwarten war, grotesk.

Achim Stößer · geb. 1963

Jahrhunderte

Sie fressen Aas
Wie Cromagnons.
Sie führen Krieg
Wie im Mittelalter.
Sie verehren Götter
Bronzezeitlicher Nomaden.
Hetzen gegen andere
Wie im 3. Reich.
In Haut gehüllt,
Die Felle Ermordeter,
Wie Steinzeitjäger.
Sie waten
Wie seit Jahrtausenden
Durch Blut
und nennen das
Einundzwanzigstes
Jahrhundert.

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Kommentar:
Mehr Texte von Achim Stößer hat seine eigene Website: achim-stoesser.de.