Unterm Lyrikmond

Gedichte lesen und hören, schreiben und interpretieren

Lustige Gedichte über Frauen

Dies ist keine Gedichteseite für Frauen. Es ist aber auch keine gegen Frauen. Manch lustiges Gedicht über Frauen entlarvt in Wahrheit die Männer und wenn es nur Ihre Sicht auf Frauen ist. Und da eine alte Redensart lautet „Was sich liebt, das neckt sich“, ist sowieso der geballte Dichterangriff auf die Frauen nicht ernstzunehmen.

 

In Lautschrift

Was sich zunächst so anhört wie ein lästerliches, lautes Gedicht über Frauen, entpuppt sich am Ende als Abrechnung mit Männern.

Hans-Peter Kraus · geb. 1965

Die Frauen-Symphonie

1. Satz : (allegro irato)
FRAUEN

sinnnd

auchnurMenschen,

und
MENSCHEN

sinnnd

bekanntlich

diePlagedesPlaneten.


2. Satz: (maledetta primavera)
FRAUEN

wollln
immernuuur

REDN.


3.Satz: (bruite forte)
Wenn FRAUEN

keine Kinder bekämen,

DANN

hättemannnn

sielängst

vom Planeten geschmissen.


4. Satz: (apokalypse anpissimo)
UndWIR
könntnUNS

eeendlich

in   aller   Ruhe

un ge stört

gegenseitig

abmurksn.

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Einer Frau nahekomen

Perspektivwechsel bringt hier den komischen Effekt. Genauer hinschauen mag bei Obst und Gemüse von den Vorteil sein, aber nicht bei Frauen.

Ringelnatz: Genau besehn

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Sein und Nichtsein

Mit Frauenstereotypen spielt das folgende Gedicht und endet mit einer berechtigten Frage.

Susanne Grube · geb. 1966

Alles, was ich nicht bin

Ehefrau mit Mammakittel,
goldbehängt bis zu zwei Drittel,
Mannequin und grosse Schwester,
Schwägerin im Blasorchester,
Schwiegertochter sanft und weich,
die Geliebte von Herrn Scheich,
nichts und niemand in der Quere,
liebe Tochter mit Karriere,
ewig Jungbrunn, Sportskanone,
süβ und leicht wie ’ne Makrone,
voll begabt mit exzellenten,
richtig ungewöhnlichen Talenten,
Oma, Patin und Cousine,
und Kollegin mit Routine,
treue Freundin und bekannte
Nachbarin, betuchte Tante,
und politisch engagiert,
mein Imperium regiert,
ganz genau nach meinem Wunsch,
jeder Tag beginnt mit Brunch,
was da wohl noch übrigbleibt,
falls mal jemand von mir schreibt?

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Gedicht über ein Frauenproblem

Endlich sagt mal einer, wie es ist. Nicht die Männer sind Schuld, wenn’s mit der Frau bergab geht, nein, es waltet eine geheimnsvolle Kraft.

Hans Retep · geb. 1956

Dein größter Feind als Frau

Beklage nicht die Jahre,
sie sind Begleiter nur,
der Feind, der einzig wahre,
er wirkt geheim und stur.

Es ist die simple Schwerkraft
dein größter Feind als Frau,
sie zieht und zehrt so herzlos
am schönen Körperbau:

Die Backen wollen hängen,
die Brüste schlaffen sehr,
der Bauch beginnt zu drängen,
es hält dein Fleisch nicht mehr!

Man kann dir nur empfehlen
viel Sport zur rechten Zeit,
doch magst du dich nicht quälen,
tut’s auch ein weites Kleid.

Nur fluche nicht den Spöttern,
das bringt dir keinen Lohn.
Empfehle sie den Göttern
und stoß sie vom Balkon!

Und will man dich verklagen,
dann spiel die Unschuld pur.
Du kannst in Wahrheit sagen:
Es war die Schwerkraft nur.

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Die optimierte Frau

Einem typischen Fall von Schönheitschirurgities begegnet man in diesem Gedicht mit recht drastischen Folgen.

Wilfried Flau · geb. 1948

Mein Date

Haare pink hoch auftoupiert,
Pickel hautcremeüberschmiert,
Lippen wulstig aufgespritzt,
Drachen in die Haut geritzt,
Busen künstlich aufgebläht,
Falten hinterm Ohr vernäht.
„Hi“, sprach sie, „bin bisschen spät,
heiße Mia, bin dein Date.“

Da stand ich nun mit roten Rosen,
mit Bügelfalten in den Hosen,
schockstarrend auf das Kunstpaket,
nur hoffend, dass es wieder geht.

Der Übelkeit so lang getrotzt,
hab ich ins Unterholz gekotzt.

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Die betriebswirtschaftliche Frau

Frauen können besser rechnen als Mann gemeinhin annimmt, sie kalkulieren ihre Auftritte sehr genau. Dass es dabei zu einem Rechenfehler kommt, ist leider unvermeidlich.

Hans-Peter Kraus · geb. 1965

Aufwand und Ertrag

Der Bus hielt.
Sie stieg ein.
Mitte 20,
goldgelockt,
stark geschminkt
und durchgegrillt,
an den Ohren und Fingern Glitzerringe.
Sie trug eine kurze, schwarze Lederjacke mit weißen Fransen,
darunter ein eng anliegendes Body-Shirt mit Ausschnitt,
viel Ausschnitt,
eine enge, pechschwarze Jeans
und Stiefel so scharf wie ein Samurai-Schwert.
Eine Frau, die zeigte, dass sie investierte.
Der Bus fuhr wieder los,
vorbei an einer Kirche
aus der einige Leute in Schwarz strömten.

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Tucholsky über Frauen

Die Wahl der richtigen Bekleidung ist eine Frauenwissenschaft für sich, wenn man Tucholsky glauben darf.

Tucholsky: Nichts anzuziehen –!

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Gedicht über eine durchschnittliche Frau

Eine ganz und gar durchschnittliche Frau wird in diesem Gedicht beschrieben. So durchschnittlich, dass sie gar weiter auffiele in Presse, Film und Fernsehen - im Supermarkt jedoch schon.

Hans-Peter Kraus · geb. 1965

Bei uns zu Besuch

Montagmorgen im Supermarkt.
Sie steht am Obststand,
begutachtet die Äpfel.
Sie ist eine durchschnittliche Frau
von heute, nichts Besonderes:
Mitte 20, 1,75 groß, schlank,
leicht gebräunt, feines makelloses Gesicht,
seidig glänzendes halblanges Haar,
auf der linken Seite hinters Ohr gelegt,
geschmackvoll winterlich gekleidet
mit Stiefeln bis knapp unter die Knie.
Sind die wieder Mode?
Ich gehe an ihr vorbei, kaufe,
was ich zu kaufen habe.
Bei den Zeitschriften sehe ich
sie wieder. Sie bückt sich nach einem
Hochglanzmagazin, blättert es auf und
steigt hinein.
Ich werfe einen Blick in die aufgeschlagene
Zeitschrift. Tatsächlich, Seite 67, sie ist es,
mit Stiefeln von Gucci. Nett von ihr,
bei uns vorbeizuschauen.

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Frauen und Einkaufen

Auch wenn man dem Gedicht aufgrund von einigen Einzelheiten anmerkt, dass es ein paar Jahre alt ist, scheint mir, dass sich am grundsätzlichen Gegensatz nichts geändert hat: Männer gehen einkaufen, um etwas einzukaufen, Frauen gehen einkaufen, um einzukaufen. Wie der Schluss zeigt, beweisen Sie dabei jedoch eine Geistesgegenwart, die sie kleidungsmäßig auf alle Fälle vorbereitet sein lässt.

Reutter: Der Blusenkauf

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Gedicht über eine ganz bestimmte Frau

Ich muss mich entschuldigen. Dieses Gedicht ist nicht über Frauen an sich, sondern erzählt nur von einer einzigen. Ich bin sicher, dass es sonst keine Frau auf der Welt gibt, die über Männer das sagt, was Hermine sagt.

Hessel: Hermine

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Stiller Humor

Der Humor dieses Gedichts ist nicht besonders krachledernd. Es ist nur eine feine Spitze gegen die Frau als Illusionskünstlerin.

Emanuel Mireau · geb. 1974

Für D., die ihren Namen nicht mochte

Ihr Name war Denise,
sie wies den Weg zum Paradies
und sagte:
Genieß den Aufenthalt.
Dann blies sie eine Seifenblase,
die alle irdischen Sphären verließ
und im Himmel entschwand.

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Ein Gedicht gut gewürzt

Lecker und lustig kommt dieses Gedicht über eine bestimmte Sorten Frauen daher, denen zum kurzen Glück nur der rechte Mann fehlt.

Hans-Peter Kraus · geb. 1965

Frustrierte Frauen verkaufen Hackfleischbällchen

Du hast Frust
und du bist eine Frau.
Was dir fehlt,
ist ein gutaussehender, wohlerzogener,
lächelnder junger Mann,
der dir links und rechts
eine herunterhaut.
Dein Frust wandelt sich in Empörung,
Empörung in Zorn,
Zorn in Raserei,
und du machst Hackfleisch aus ihm.
Dann verkaufst du die Hackfleischbällchen
gut gewürzt auf dem Markt
und fährst von dem Erlös
für drei Wochen auf eine schöne Südseeinsel.
Die erste Woche ist wunderbar,
in der zweiten wird es langsam langweilig
und nach der dritten bist du frustriert.
Zurück aus der Südsee triffst du auf dem Flughafen
einen gutaussehenden, wohlerzogenen,
lächelnden jungen Mann ...

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