Unterm Lyrikmond

Gedichte lesen und hören, schreiben und interpretieren

Kurze lustige Gedichte

Zum Lustigsein braucht es nicht vieler Worte, manchmal nur eine Torte ins Gesicht oder ein kurzes Gedicht. Tatsächlich sind es nicht die Geringsten der Dichter, die auf dieser Seite ihren Beitrag leisten. Kurz mal lustig braucht nicht nur Humor, sondern auch Können.

Ein lustiges Gedicht von Theodor Storm

Eine der großen Nummern des 19. Jahrhunderts, Theodor Storm, zeigt sich in diesem Kurzgedicht von seiner humorigen Seite. Ob aber die „verehrlichen Jungen“ solcherart Süffisanz zu schätzen wüssten, darf bezweifelt werden

Storm: August (Inserat)

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Noch ein lustiges Gedicht von Theodor Storm

Die Bürokratie war anscheinend auch im 19. Jahrhundert schon ein Hindernis für ein zufriedenes Leben.

Storm: Der Beamte

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Lange Strecke, kurzes Gedicht, aber lustig

Herbstlich angehaucht ist dieses lustige Kurzgedichte über die Eigenarten der Gänse.

Hans Retep · geb. 1956

Dumme Gänse

Jetzt weiß auch ich, warum die Gänse dumm genannt,
sie haben sich in eine fixe Idee verrannt.
In jedem Herbst, da fliegen sie in den tiefen Süden
und müssen doch die ganze Strecke zurück nach hüben.
Doch wenn ich vertraulich sie rufe: Ihr Gänse! Kehrt um!
Dann hören sie nicht auf mich, sie sind dafür zu dumm.

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Kommentar:
Mehr über das Thema Dummheit bietet ausgerechnet die Seite Lustige Gedichte zum Nachdenken.

Altes aus der Tierwelt

Da es gerade nichts Neues aus der Tierwelt gibt, muss eben die alte, sich immer wiederholende Geschichte von der Motte und der Lampe für Humor sorgen.

Gaby Melk · geb. 1957

Die Motte

Die Straßenlampe leuchtete. Das war ihr Job.
Die Motte flog dagegen. Ziemlich grob
fiel sie nach unten.
Da hab ich sie gefunden.
Zusammengekehrt.
Ihr erklärt
Wie dumm das war.
Ihr, die längst ein Engel war.

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Kriechend lustig

Schnecken gibt’s auch heute noch en masse, mit Adlern sieht es da schon schlechter aus. Höhenflüge sind eben nicht jedermanns Sache, geschleimt wird jedoch immer.

Langbein: Der Adler und die Schnecke

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Ultrakurzballade

Eine kondensierte Ballade könnte man dieses lustige Kurzgedicht nennen. Den Text weiter auszuspinnen bleibt der Phantasie des Lesers überlassen.

Ebner-Eschenbach: Im Kreise

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Lustig mit Lauten

Wer in diesem Gedicht ein O findet, darf es behalten, sollte aber bitteschön Mama und Kind nicht bei der Kommunikation vorm Fernseher stören.

Hans-Peter Kraus · geb. 1965

Studie in a und i

Mama, was machen die da?
Mama. Was machen die da?
Mama! Was machen die da,
der Mann und die Frau?
Die lieben sich, mein Schatz.
In echt?

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Wiederholung macht lustig

Die ewige Sentimentalität des Sonnenuntergangs nimmt Heine in diesem Kurzgedicht auf die Schippe.

Heine: Das Fräulein stand am Meere ...

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Goethe, kurz, lustig

Auch Goethe konnte lustig sein, nur war ihm nicht nach Sonnenschein.

Goethe: Alles in der Welt ...

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Kurzes Dialoggedicht

Die alte Tradition der Dialoggedichte nimmt dieser Text auf, was insofern passend ist als auch ein uraltes Vorurteil aufgegriffen wird.

Hans-Peter Kraus · geb. 1965

Dumpf und Spitzig klagen an

D.: Die Ausländer, die Ausländer,
S.: Die nehmen uns die Frauen weg.
D.: Was machen wir bloß, was machen wir bloß,
S.: Damit sie sie auch behalten?

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Kurz und schmerzhaft

In diesem kurzen Gedicht wird mal wieder die Rede von der Alternativlosigkeit widerlegt: Es gibt immer eine Alternative.

Seidel: Die schlimme Sorte

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Ein empfindlich kurzes Gedicht

Wenn sich Hirn auf Stirn in einem Zweizeiler reimt, mag das Gedicht zwar kurz, aber kaum lustig sein, oder?

Arno Holz · 1863-1929

Einem Kritiker

Das größte Maul und das kleinste Hirn
Wohnen meist unter derselben Stirn.

Ein Gedicht übers Klugwerden

Selbsterkenntnis ist der schnellste Weg zum lustigen Gedicht, scheint Friedrich Rückert gedacht zu haben, als er diesen Vierzeiler aufs Papier warf.

Friedrich Rückert · 1788-1866

Durch Schaden wird man klug ...

Durch Schaden wird man klug,
Sagen die klugen Leute.
Schaden litt ich genug,
Doch bin ich ein Tor noch heute.

Kommentar:
Das Gedicht klingt harmlos, ist aber sehr sorgfältig gebaut. Der erste Vers hat drei Hebungen mit dem Schema Senkung-Hebung im Wechsel (Jambus). Beim zweiten Vers ist es bei den ersten beiden Silben genau umgekehrt, erst die Hebung, dann die Senkung. Das nennt sich Akzentverschiebung. Derart vorbereitet wird klar, dass der dritte Vers ebenso gelesen werden muss, also SCHA-den litt ICH geNUG und nicht wie man normalerweise lesen würde SCHA-den LITT ich geNUG. Das Ich wird also besonders betont, der Schaden noch dramatischer. Doch im vierten Vers kehrt Rückert (fast) zum Schema des ersten Verses zurück. Das „bin" wird betont, nicht das Ich. Dieses muss sich sogar mit dem nächsten Wort zusammen in die Senkung begeben. Es wird also richtig untergebuttert, was genau zur Textaussage passt. Da kann man mal sehen, dass selbst bei harmlos-lustige Verschen der alten Meister mehr dahinterstecken kann, als man auf Anhieb vermuten würde.

Kurz und schmerzhaft

Das Gesicht zu verlieren, ist eine schmerzhafte Angelegenheit. Es wörtlich zu nehmen, zeigt, dass Frauen wieder mal von der Natur benachteiligt wurden.

Hans-Peter Kraus · geb. 1965

Die Ungleichheit der Geschlechter

Wenn ein Mann
sein Gesicht verliert,
hat das durchaus seinen Vorteil:
Er muss sich nicht mehr rasieren.
Verliert eine Frau ihr Gesicht,
hilft nur noch ein tieferer Ausschnitt.

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Lustiges Gedicht über einen kurzen Prozess

An diesem Gedicht kann man sehen, dass die Gleichberechtigung Fortschritte macht: Es gibt nicht nur Prinzipienreiter, sondern jetzt auch Prinzipienreiterinnen, die ihre innere Sauhündin überwinden, zu ihren Prinzipien stehen und kurzen Prozess machen.

Hans-Peter Kraus · geb. 1965

Die Prinzipienreiterin

Mach mich an,
bat die Kerze.
Du sollst nicht
um Liebe betteln,
sprach ihre Besitzerin
und schnitt ihr den Docht ab.

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