Unterm Lyrikmond

Gedichte lesen und hören, schreiben und interpretieren

Etwas komische Gedichte 2

Auf dieser Seite sind vor allem etwas ältere merkwürdige Gedichte versammelt, doch auch „alte Leute“ können etwas komisch sein, wobei die Dichter hier auf keinen Fall unfreiwillig komisch waren, sondern bei vollem Bewusstsein ihren Gedichte einen skurrilen Touch gegeben haben.

 

Gedicht-Experiment

Was kommt dabei heraus, wenn man das Buch der Bücher mit einem Nadelbuch kreuzt? Ein etwas komisches Gedicht, was sonst.

Morgenstern: Die Probe

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Eine absonderliche Zeitreise

Dichter gelten manchmal als etwas aus der Zeit gefallen. Arno Holz macht sich dies zu eigen und übertreibt ein klein wenig, aber nur ein bisschen, nur um eine Winzigkeit von sieben Septillionen Jahren.

Holz: Sieben Septillionen Jahre ...

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Kommentar:
Es handelt sich hier um die Version aus der Phantasus-Ausgabe letzter Hand von 1925. Sie weicht inhaltlich und von der Zeilenführung her ein wenig von der im Netz üblichen Version ab, ist aber jene, die der Dichter letztlich so wollte.

 

Filmreif

Dieses etwas komische Exemplar eines Ringelnatz-Gedichtes könnte ich mir gut als kurzen Stummfilm vorstellen.

Ringelnatz: Mannheim

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Skurriles Gedankenspiel

Wenn man sich darüber Gedanken macht, wo das Hirn eigentlich hingehört unter der Annahme, dass der eigene Kopf nicht der rechte Platz ist, dann kommt eine Absurdität wie die folgende dabei heraus:

Emily Dickinson · 1830-1886

Wenn jemals der Deckel von meinem Kopf sich hebt ...

Wenn jemals der Deckel von meinem Kopf sich hebt
Und lässt das Hirn hinaus,
Das Gute geht dann, wohin’s gehörte,
ohne einen Wink von mir,

Und die Welt – wenn die Welt noch schaut –
Sieht dann, wie weit von Zuhaus
Es möglich ist, für den Verstand zu leben
Die Seele dort – all die Zeit.

(Aus dem Englischen übertragen von Hans-Peter Kraus)

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Kommentar von Hans-Peter Kraus zur Übertragung:
Der Schluss sieht etwas holprig aus, aber ist ziemlich nah am Original: It is possible for sense to live / The soul there — all the time. Ich gehe davon, dass die beiden Verse verbunden gelesen werden müssen, also im Sinne von „der Verstand lebt die Seele“.

 

Ein wundersames Gedicht

Auch wenn in diesem Gedicht das Wunder ausbleibt, so wundert es doch, dass hier auf merkwürdige Weise die Erkenntnis Orwells in 1984 vorweg variiert wird, dass es ein Kennzeichen der Freiheit ist, sagen zu dürfen: Zwei und zwei ist vier.

Robert Ress · 1871-1935

Über meinem Leib ...

Über meinem Leib
werden schon die Messer gewetzt.

Von allen Bergen strömen die Menschen.

Ich soll ein Wunder tun.

Und ich kann doch immer nur wiederholen:

Nach Adam Riese
ist einmal Eins
Eins.

Los!

Schneidet meine Haut zu Riemen.

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Komisches vom Amt

Bureaukratie ist auch immer lustig. In diesem Gedicht muss man den Beamten jedoch eine gewisse Überforderung zugestehen.

Ringelnatz: Ein Taschenkrebs und ein Känguru ...

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