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Unterm Lyrikmond

Gedichte lesen und hören, schreiben und interpretieren

Guten-Morgen-Gedichte 1

Gibt’s etwas Schöneres für Schlafmützen als am Morgen gleich mit einem aufmunternden Gedicht begrüßt zu werden? Wahrscheinlich ja, nämlich weiterschlafen. Das habe ich hier nicht im Angebot, sondern Guten-Morgen-Gedichte als Muntermacher.

 
 

Ein Guten-Morgen-Gedicht von Ringelnatz

So einen Morgen, wie Ringelnatz ihn in seinem Gedicht schildert, möchte ich auch mal erleben. Hier in meiner Gegend stimmt irgendwas mit der Schwerkraft nicht, sie ist morgens viel stärker als sonst.

Ringelnatz: Morgenwonne

Dieses Gedicht im TextformatGedicht in Anthologie

 
 

Ein königlicher Morgen

Das Aufwachen am königlichen Hofe muss ein ganz besonderes Vergnügen sein, dass allerdings jetzt auch für jedermann zu haben ist, vorausgesetzt man hat eine Prinzessin an Bord:

Hans Retep · geb. 1956

Prinzessin am Morgen

Prinzessin am Morgen vertreibt alle Sorgen,
Prinzessin am Morgen bringt Sonne und Licht.
Wer will sich noch um morgen sorgen,
sieht er am Morgen der Prinzess’ Gesicht.

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Ein Guten-Morgen-Gedicht für den Schatz

Bei diesem Guten-Morgen-Gedicht wird eine spektakuläre Tagesplanung gleich mitgeliefert. Wer die verschlafen will, ist kein Gold-, sondern ein Bleischatz.

Emanuel Mireau · geb. 1974

Auf, auf, mein Schatz

Auf, auf, mein Schatz, der Morgen ist da!

Lass uns die Perlen von Gräsern stibitzen
und von der warmen Sonne trinken.

Lass uns den blauen Himmel verschlingen
und ihn mit Blütenfarben schminken.

Auf, auf! Lass uns lieben den ganzen Tag.

UrheberrechtshinweisGedicht in Anthologie

 
 

Morgengruß

Was gibt es Schöneres als am Morgen aufzuwachen und zu sehen: Jemand hat an mich gedacht? Ganz einfach: Morgens als erster aufzuwachen und an jemanden zu denken.

Arthur von Wallpach · 1866-1946

Taumorgen

Rings volle Blütendolden,
schon reift das Gras zur Mahd.
Durch Buchengrün malt golden
das Frühlicht seinen Pfad.

Das Tal lacht kräfteschwanger
im Glanz des Morgentaus.
Aus blumendichtem Anger
pflück’ ich den Wiesenstrauß,

und hab’ ihn dir vors Zimmer
als meinen Gruß gesteckt,
wenn voller Sonne Schimmer
die späte Schläfrin weckt.

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Ein Versprechen am Morgen

Dieses Guten-Morgen-Gedicht ist äußerst vielversprechend, ein Traum wird sozusagen Wirklichkeit – im Gedicht.

Hans Retep · geb. 1956

Wach auf, mein Schatz, wach auf

Wach auf, mein Schatz, wach auf,
Du träumtest nicht vergebens,
Auch dieser Tag wird wieder
Der schönste uns’res Lebens.

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Kinder am Morgen

Kinder am Morgen vertreiben Kummer und Sorgen. Das reimt sich und muss deshalb wahr sein und wenn nicht, dann ist zumindest wahr im folgenden Gedicht:

Richard von Schaukal · 1874-1942

Früh

Wenn die Morgensonne in die Fenster scheint
Und in ihren Betten sich die Kinder heben,
Ausgeschlafen, lächelnd: O du segnendes Leben,
So, so hab ich’s gemeint.

Richard von Schaukal im Lyrik-Lädchen.

 
 

Vom Schlaf zur Tat

Ein richtiger Wachschüttler ist dieses Guten-Morgen-Gedicht, das in Motivationstrainermanier zu großen Taten anregen soll, wie z.B. ein Auge zu öffnen.

Gustav Schüler · 1868-1938

Wach auf

Wach auf, da schon der Morgen
Die Wolken überflammt.
Lass, was in Nacht verborgen,
Und üb des Tages Amt.

Das ist: In Höhen greifen,
So hoch es nur gelingt.
Das ist: In Welten streifen,
So weit der Fuß nur dringt.

Das ist: Zum Guten halten
Die ungewohnte Hand.
Das ist: In Werken walten,
Was nur die Kraft umspannt.

Das ist: Zum Großen dringen,
So weit es heute geht,
Und alles niederzwingen,
Was klein im Wege steht!

 
 

Ein Guten-Morgen-Gedicht von Rilke

Auch Rilke hat ein paar liebevolle Worte zum Morgen parat und liefert am Schluss eine sehr moralische Spruchweisheit.

Rilke: Tagelied

Dieses Gedicht im Textformat

 
 

Frühlingsmorgen zu zweit

Man könnte glauben, in diesem Gedicht ist jemand im Paradies aufgewacht, dabei ist es nur ein Morgen auf der guten, alten Erde.

Karl Röttger · 1877-1942

Nun lächle du ...

Nun lächle du – und sieh mich an –
Wir wollen in den Morgen gehen,
In Frühlingsmorgen, wo nun schon
Die Kirschen ganz in Blüten stehen.

Und Mandeln stehen wo auf Beeten
Und scheinen rötlich in den Glanz
Des Morgens; der hüllt unsrer Seelen
Tauschschwere und nachtdunkle Trauer
Mit einem Silberlächeln ganz.

Dies ist die süße Gegenwart,
Die gleitet sacht, die gleitet leise,
Man merkt es kaum, man lächelt hin,
Und man vergisst so Fahrt und Reise ...

Wir wollen in den Garten gehen,
Da blühen Kirschen, Mandeln schön
Wir sind schon heim. Die Bäume stehen
In Glanz. – Wir sehn uns lächelnd an. –

Karl Röttger im Lyrik-Lädchen.

 
 

Morgensonnenstrahl

Dies ist ein Gedicht über einen Morgensonnenstrahl, der nur einen Augenblick nicht aufpasste und da war’s um ihn geschehen.

Albert Sergel · 1876-1946

In unser Blütenzimmer sich stahl ...

In unser Blütenzimmer sich stahl
ein goldener Morgensonnenstrahl.

Ob er dich weckte, ich weiß es nicht ...
verschlafen blinzelst du ins Licht.

Er hat sich in deinen Augen gefangen
und blieb tagsüber darinnen hangen.

 
 

Schlafen und Wachen

Er wacht, sie schläft, und beide sind glücklich am Morgen. Was will man mehr?

Hugo Salus · 1866-1929

Morgentraum

Der Morgenstrahl küsst dein geschlossnes Lid,
Ich liege wach und grüß’ zu dir hinüber,
Beseligt durch den Blick auf deinen Frieden.
Da wird ein göttlich Glück mir sanft beschieden:
Ich schau’, wie deinen Mund der Schlummer flieht,
Ein Augenblickchen nur, und seh’ ihn süß
Schon weiterschlummernd meinen Namen hauchen.
Wie drängt’s mich, zärtlich da hinabzutauchen
In deine Zärtlichkeit! Und was bewies
Ich da für Liebe, meiner Glut zu wehren!
Ich atme kaum, dein Traumglück nicht zu stören ...

 
 

Wer morgens singt, ...

... den frisst abends die Katze, besagt ein altes Sprichwort, das absolut überhaupt nichts mit dem folgenden Guten-Morgen-Gedicht zu tun hat, das in Harmonie mit der ganzen Welt schwebt.

Leo Sternberg · 1876-1937

Sie spricht

Fünf schlug’s, da hob die Amsel an.
Noch tief geschlossne Morgenruh;
ein einziger Ton der Erde wach!
Ein einziges Herze hörte zu!

Das klang so rein, allmächtig leicht
aus gläserner Weltentempelruh!
Auf einmal klopfte mir das Herz,
und eins war: Himmel, Welt und du!

 
 

Sanfter Morgen

Ganz sanft in einer Art Rilke-Manier geleitet dieses Guten-Morgen-Gedicht den Leser in den Tag.

Sonja Gruber · geb. 1985

Erwachen

Heute ist es sanft.
Dein Glanz scheint matt,
so fein der Tag.

Gib leise Acht,
sei zart bedacht.
Die Nacht schwingt nach.

Wink fort den Schlaf.
Hab Dank dem Tag,
der Wachen wagt.

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Kommentar:
Mehr Gedichte von Sonja Gruber auf ihrer Website www.paulaspoesie.com.

 
 

Tag, Nacht und ... Morgen

Mit viel Anlauf geht dieses Gedicht in einen neuen Morgen und umso schöner wird er.

Katja A. Freese · geb. 1973

Schwarz/weiß

Der Tag schwindet aus der Welt
verschlingt mit grauem Maul
meine sanftgelbe Zuversicht

Ich kauere zwischen starken Schatten
verschütte mich selbst wie Wasser
Ich bin nicht mehr
Und die Nacht ist ein dunkler Brunnen
tief mit Angst gefüllt

Die Schwärze öffnet ihre Nähte
zieht mich auseinander
gibt mir eine Form zurück
Ich bin wieder

ein goldgefiederter Morgen
langsam seine Flügel streckend
um auf in den Mittag zu fliegen

Urheberrechtshinweis

Kommentar:
Mehr von und über Katja A. Freese auf ihrer eigenen Website.

 
 

Amsellied am Morgen

Was die Amseln am frühen Morgen singen, hat wohl noch niemand entschlüsselt, und das ist beste Voraussetzung dafür, nach Dichterart wilde Behauptungen in die Welt zu setzen.

Hans-Peter Kraus · geb. 1965

Ich bin

Grauer Morgenregen;
nur eine Amsel
singt das Lied
„Ich bin“:

Ob Nassherab, ob Trockenöd:
Ich bin.
Ob Luftgekreisch, ob Ästestill:
Ich bin.
Ob Weißerstarrt, ob Flimmerhitz:
Ich bin.

Es ist heller geworden.
Der Regen hat aufgehört.
Die Amsel ist
wo auch immer.

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Aufstehn oder nicht Aufstehn - das ist hier das Gedicht

Schlafmütze und Morgenhummel liefern sich in diesem Gedicht ein Duell ums Aufstehn oder Liegenbleiben.

Georgi Kratochwil · geb. 1979

Duell im Morgengrauen

Aufstehn! Aufstehn!
Die Sonne schon am Himmel lacht.
Geh weg! Geh weg!
In meinem Kopf ist tiefste Nacht.

Aufstehn! Aufstehn!
Es gibt auch heute viel zu tun.
Geh weg! Geh weg!
Ich leg kein Ei, ich bin kein Huhn.

Aufstehn! Aufstehn!
Wer fleißig ist, der kann gut ruhn.
Geh weg! Geh weg!
Ich lieg ja schon, ich muss nichts tun.

Aufstehn! Aufstehn!
Den Tag vergammeln ist nicht nett.
Ach was, ach was,
so richtig nett ist’s nur im Bett.

Urheberrechtshinweis

 
 

Ein Morgen auf Expressionistisch

Jakob van Hoddis als Vorzeige-Expressionist braucht etwas Anlauf, um von einem grauen Großstadtmorgen zu einem Guten-Morgen-Fünfzeiler zu kommen.

Hoddis: Morgens

Dieses Gedicht im Textformat

 
 

Vom Morgengrauen zum Licht

Den morgendlichen Prozess vom ersten Grauen bis zum sich rot färbenden Himmel beschreibt dieses Gedicht.

Otto zur Linde · 1873-1938

Oh Morgengraun ...

Oh Morgengraun!
Wie aus dem Dunklen drängt
Der Himmel doch herein!
Als flösse Luft mit trübem Licht
Von fernher in die dumpfe Welt;
Das Dunkel dämpft, ist Rauch, und zieht wie Nebelruß
In eine andre Welt – – nun ist zu atmen
Der Raum schon leerer, Licht strömt ein
In immer klarern Bächen; nun die Flut
Ganz nah an meinem Herzen ...
Licht ist leuchtend!
Und dann erst brennt der Morgen wie ein Rosenstrauch.

Otto zur Linde im Lyrik-Lädchen.

Zum Aufwachen schön ist das folgende Stück von Claude Chalhoub: