Unterm Lyrikmond

Gedichte lesen und hören, schreiben und interpretieren

Gedichte für Mütter

Auch Mütter brauchen ab und an mal was Gereimtes, nicht nur zum Muttertag. Da Gedichte im Verdacht stehen, sich zu reimen, sind Gedichte für Mütter also genau richtig. Eine Umarmung reimt sich jedoch auch sehr schön.

 

Kurzes Muttergedicht

Zu Beginn eine kurze Erklärung, wie das mit der Mutterschaft funktioniert. Die letzte Zeile des Gedichts ist die entscheidende.

Logau: Mütterliche Liebe

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Gedicht über Nestwärme

Hier nimmt der Dichter die kindliche Perspektive ein, um die berühmte Nestwärme im Gedicht aufzuwärmen.

Güll: Meine Mutter

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Gedicht über eine kluge Mutter

Des Tages Probleme lassen sich mit mütterlicher Weisheit in nichts auflösen, wie das folgende Gedicht an eine Mutter eindrücklich demonstriert.

Ilse Frapan-Akunian · 1849-1908

An meine Mutter

Es war dein Wort in unsrer Kinderzeit,
und nie hab’ ich vergessen dran zu denken;
ich lernte drein mich immer mehr zu versenken,
es wuchs sein Sinn so tief, so weltenweit,
noch heute lenkt es, was ich streb’ und tu.
„Kommt, Kinder, seht die Sterne“, sprachest du,
eh’ wir zur Ruh,
zur süßen Kinderruh uns niederlegten;
und wenn wir Streit gehabt, wenn Groll wir hegten,
dann weiß ich, sprachst du es besonders gerne:
„Was zankt ihr doch! Da, geht und seht die Sterne!“

 

Sprüche für Muttertagskarten

Dieses Gedicht für eine Mutter ist ein bisschen länger geworden. Die ersten zwei Strophen eigenen sich auch als Sprüche für Muttertagskarten.

Kempner: Einst. An meine Mutter

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Muttertagsgedicht

Das folgende Muttertagsgedicht mütterlicherseits zu überreichen geschieht auf eigene Gefahr, Dichter und Redaktion übernehmen keinerlei Haftung für Folgeschäden.

Hans Retep · geb. 1956

Muttertagsgruß

Die berühmteste Mutter der Welt,
die uns Kindern so wohlgefällt,
hat heute ihren Feiertag
Die berühmteste Mutter bist du,
und wir reden bestimmt keinen Schmu,
da ist kein Kind, das dich nicht mag.
Wir die deinen sind nun schon groß,
doch dein Vorbild lässt uns nicht los,
wir grüßen dich zum Muttertag.

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Wenn Worte versagen

Auch das gibt es: Jemandem, der viel geübt im Umgang mit dem poetischen Wort ist, versagen gerade bei der Mutter die Kräfte. Aber: „Unbeschreiblich“ ist ja auch ein Kompliment.

Droste-Hülshoff: An meine Mutter

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Gedicht für eine Berliner Mutter

Auch Berliner haben Mütter, wie Tucholsky in seinem Gedicht aus alten Zeiten zeigt.

Tucholsky: Mutterns Hände

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Kommentar:
Bei diesem Gedicht ist das Reimschema interessant. Die erste Strophe hat nur einen Reim, die zweite hat zwei, in der dritten geht zum ersten Mal der Schweifreim auf, d.h. die dritte und sechste Zeile reimen sich. Dafür steht die Refrainzeile aber nur als Änhängsel da. Und erst am Schluss liefert Tucholsky für den Refrain eine „perfekte“ Schweifreim-Strophe mit dem üblichen Reimschema aabccb. Wobei hier der Schweifreim weiblich endet, also mit einer Senkung am Schluss, was einen eher offenen Charakter hat. Üblicherweise schließt ein Schweifreim männlich ab, also mit einer Hebung.

 

Eine gute Nachricht für Mütter

Das folgende Gedicht hat eine durchaus gute Nachricht für geplagte Mütter zu bieten. Ob diese Nachricht wirklich ein Trost ist, sei dahingestellt.

Otto Haendler · 1851-1929

Trost für Bubenmütter

Dass der Engel mit der Zeit
Sich entengelt,
Ja verbengelt,
Macht euch Sorgen? Seid gescheit!

Wo sich treffen Bub und Hund,
Und Fritz schmeißt nicht,
Und Spitz beißt nicht,
Da sind beide nicht gesund!

 

Erdrückende Mutterliebe

Und hier ein Fall von zu viel Mutterliebe im Gedicht. Das soll in den besten Familien vorkommen.

Lichtenstein: Der Sohn

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Gedicht an eine Mutter

Man lasse sich nicht vom Titel dieses Gedichts täuschen. Dies ist kein Schönwetter-Gedicht, sondern eines, das sehr authentisch mit der Realität des Todes umgeht.

Veronika Bauer · geb. 1978

Muttertag

Schon lange seh ich dich nicht mehr,
auch in mir nicht.
Du bist verblasst, verblichen.
Mein Auge spiegelt dich nicht mehr,
und wo du warst, ist’s heut nicht leer:
Dort sagen andre Münder andre Worte
und andre Hände nehmen, geben.
Bald fließt, bald plätschert unser Leben
und du bist fort. Und wir sind hier -
und lachen.
All deine Kleider, deine Sachen,
verstaubt, verpackt, verschenkt, verräumt.
Nur da im Eck dein Bild,
auch blass - vergilbt, verblichen.
Du bist dem Lebenden gewichen,
so still und unbemerkt.
Ich hab heut Nacht nicht mal von dir geträumt.
So geht die Zeit, so fliegt das Leben.
Und du bist fort.
Und ich bin hier.

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Hinweis: Mehr mütterliche Gedichte finden Sie bei den Geburtstagsgedichten für Mama.