Unterm Lyrikmond

Gedichte lesen und hören, schreiben und interpretieren

Allgemeine Tipps für die Wettbewerbsteilnahme

Einiges vom dem, was ich auf dieser Seite aufführe, sollte selbstverständlich sein, einiges ist aber auch den speziellen Anforderungen für Gedichtveröffentlichungen beim Lyrikmond geschuldet. Ich will Ihnen jedoch nicht vorschreiben, wie Sie Gedichte zu verfassen haben, ich will nur fairerweise vorher sagen, womit Sie Ihre Chancen bei diesem Wettbewerb verbessern oder ruinieren können. Eins sollten Sie sich von Anfang an klarmachen: Sie konkurrieren mit mehreren hundert Gedichten, da fällt ein Text schnell durchs Raster.

Lesen Sie die Ausschreibung

Das hört sich wie ein völlig überflüssiger, schulmeisterlicher Tipp an. Glauben Sie mir, er ist es nicht. In der Ausschreibung werden gewisse Erwartungen an den Inhalt formuliert. Wer das nicht sehr bewusst zur Kenntnis nimmt, füttert nur die Teilnehmerstatistik.

Rechtschreibung und Interpunktion

Nobody is perfect. Das gestehe ich jedem zu, aber bitte bemühen Sie sich, Fehler zu vermeiden. Lesen Sie Ihr Gedicht rückwärts, nutzen Sie die Rechtschreibkorrektur Ihrer Textverarbeitung, konsultieren Sie in Zweifelsfällen die Nachschlagwerke der Herren Duden und Co. Wenn Sie Ihre eigenen Regeln aufstellen, wie z.B. Kleinschreibung oder nur rudimentäre Zeichensetzung, dann sollten Sie bei diesen Regeln konsequent sein.

Länge

Beim letzten Wettbewerb schwankte die Bandbreite der Preisträgergedichte von sechs bis vierzig Verse. Sehr kurze Gedichte laufen Gefahr bei der inhaltlichen Beurteilung als „zu dünn“ angesehen zu werden, bei längeren Gedichten ist es schwer, das Niveau zu halten. Bei der Feinwertung könnten sich Minuspunkte ansammeln. Die „goldene Mitte“ dürfte bei zehn bis zwanzig Versen liegen.

Freie Verse

Meine Arbeitsdefinition für ein Gedicht ist: Ein Text in Versen (Dieter Lamping, siehe auch: Was ist ein Gedicht?). Vergessen Sie lyrische Prosa, selbst mit schriftlichen Versen haben Sie keine guten Karten. Ausnahmen bestätigen die Regel, aber Ausnahmen haben den Nachteil äußerst selten zu sein. Bei der formalen Beurteilung von freien Versen ist die Behandlung der Versschlüsse, also der Pausen, ein wichtiges Kriterium.

Metrum und Reim

Wenn Sie mit Metrum und Reim arbeiten, also an Traditionen anknüpfen, dann halten Sie sich auch bitte daran. Es gibt z.B. keine Tradition, Vierzeilerstrophen mit Kreuz- oder Paarreim zu schreiben, bei denen die Versanfänge beliebig mit oder ohne Betonung starten, also wild zwischen Jambus und Trochäus wechseln. Im Konkurrenzsinne wäre es sicher auch nicht verkehrt, mal an etwas Anderes als Vierzeiler zu denken (siehe kurze Strophen und lange Strophen).

Einsendung

Tun Sie sich selbst einen Gefallen und schicken Ihre Gedichte eher früh als spät ein, vermeiden Sie vor allem die letzten zwei Tage. Warum? Es wird bereits während des laufenden Wettbewerbs vorgesiebt. Mit der Zeit tritt unvermeidlicherweise ein Sättigungseffekt ein. Erfahrungsgemäß kommt an den letzten beiden Tagen noch mal ein richtiger Einsendungsschub. Da kann es nur zu Ungerechtigkeiten in der Beurteilung kommen, weil die Vorauswahl zeitnah abgewickelt werden muss.

Kriterien der Beurteilung

Inhaltlich wird erst die Stimmigkeit und dann die Originalität beurteilt und was übrig bleibt vom Inhalt, wenn man die sprachlichen Verkleidungsversuche abstreift. Bei der Sprache wird zuerst auf Einheitlichkeit des Stils geachtet und dann, ob sprachliche Besonderheiten dem Inhalt dienen. Bei der Form wird bei traditionellen Gedichten das Metrum abgeklopft und geschaut, in wie weit sprachliche Opfer dafür gebracht werden mussten. Bei freien Versen werden besonders die Zeilenumbrüche und ihre Sinnhaftigkeit betrachtet sowie versucht nachzuvollziehen, ob der Text einen eigenen sprachlichen Rhythmus entwickelt. Am Schluss wird noch mal das gesamte Zusammenspiel von Inhalt, Sprache und Form beurteilt.

Zum Schluss

Sie sind noch da?-) Dann vergessen Sie erstmal alle Hinweise und werden Sie kreativ. Aber bevor Sie Ihr Gedicht einschicken, sollten Sie noch mal diese Seite lesen und Ihr eigenes Gedicht kritisch betrachten. Ist es dann immer noch gut, her damit.