Unterm Lyrikmond

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Praxislexikon Lyrik

Terzine

Die Terzine ist eine dreizeilige gereimte Strophe, deren mittlerer Vers auf die Rahmenverse der folgende Strophe reimt, Reimschema: aba bcb cdc. Ihren Abschluss findet die beliebig lange Terzinenkette durch einen Einzeiler, der mit dem mittleren Vers der letzten Strophe reimt.

Die Terzine in der Praxis

Die Terzine ist die meistverwendete dreizeilige Strophenform [vgl. Frank 1993: 64]. Das Metrum ist in der deutschsprachigen Lyrik wie beim Sonett ein fünfhebiger Jambus. Zwei besonders bekannte Gedichte in Terzinen stammen von Hugo von Hofmannsthal:

Ballade des äußeren Lebens – klassisches Versmaß mit durchgehend weiblichen Kadenzen, aber kleinere Variationen beim Reimschema.

Über Vergänglichkeit – Hier wird kurioserweise das Reimschema rückwärts angewandt.

Fürs Interpretieren ist zunächst mal das Erkennen der Terzinen wichtig und dann, inwiefern sich der Dichter Abweichungen vom Standard erlaubt hat und was diese Abweichungen mit dem Inhalt zu tun haben.

Terzinen zu schreiben ist wegen des verschachtelten Reimschema nicht so leicht, zudem braucht man Wörter, die für Dreifachreime geeignet sind. Und letztlich müssen Form und Inhalt zueinander passen, sonst bleibt die Form eine leblose Stilübung.

Eine moderne Variation ist die Terzine mit Assonanzen statt Reimen, was eine wesentlich größere Auswahl bei den Wörtern am Versende lässt, und einem vom fünfhebigen Jambus abweichenden Metrum: Emanuel Mireau Vergeblich.

Verwendete Literatur:
Horst J. Frank (1993): Handbuch der deutschen Strophenformen, Stuttgart: Francke Verlag 1993
Otto Knörrich (2005): Lexikon lyrischer Formen (2. überarb. Aufl.), Stuttgart: Alfred Kröner Verlag

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Praxislexikon Lyrik: Alle Begriffe von A-Z
Autor: Hans-Peter Kraus, Version vom 13.08.2016