Unterm Lyrikmond

Gedichte lesen und hören, schreiben und interpretieren

Praxislexikon Lyrik

Adonischer Vers

Der Adonische Vers hat das Hebungsschema XxxXx. Er besteht somit aus einem Daktylus und einem Trochäus.

Beispiele aus der Praxis

In Grenzen der Liebe von Marie Ebner-Eschenbach werden fast ausschließlich Adonische Verse benutzt. Zusammen mit Paarreimen ergibt sich ein sehr flottes Tempo. Dies funktioniert genauso in einem alten österlichen Kirchenlied. Matthias Schwincke nutzt die Adonische Hebungsstruktur für eine Zeitansage in seinem Gedicht Vorspiel. Richard Schaukal demonstriert in Wir, dass man durchaus auch einen Kadenzwechsel mit dem Adonischen Vers durchführen kann. Hölderlin setzt den Adonischen Vers in seinem berühmten Gedicht Hälfte des Lebens wiederum sehr verdeckt und gleichzeitig sehr prominent ein: im Titel und im Schlussvers.

Verwendete Literatur:
Wolfgang Kayser (1999): Kleine deutsche Versschule (26. Aufl.), Tübingen und Basel: A. Francke Verlag

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Praxislexikon Lyrik: Alle Begriffe von A-Z
Autor: Hans-Peter Kraus, Version vom 12.08.2016