Unterm Lyrikmond

Gedichte lesen und hören, schreiben und interpretieren

April-Gedichte

Wenn man sich das Wetter in den letzten Jahren anschaut, dann scheint langsam jeder Monat aprilverdächtig, aber noch hält der April seinen Ruf als die große launische Diva, wie einige der folgenden Gedichte bestätigen. Doch auch die Frühlingsgefühle kommen in den April-Gedichten nicht zu kurz.

 

Froh in den April

Die vielleicht bester Art, den April zu nehmen, wird gleich am ersten April demonstriert: Man nehme ihn nicht ernst.

Albert Sergel · 1876-1946

Erster April

Unterm Windstoß rauscht der Regen
schärfer in die grünen Blätter;
auf den aufgeweichten Wegen,
Kragen hoch, ins tollste Wetter
spring ich mit verwegenem Mute.
Und der Segen will nicht enden,
und mit Munde und mit Händen
hasch’ ich nach den Himmelsspenden.

Sorglos pfeif’ ich, frechvermessen,
eine Schelmenweis; indessen
lacht die helle Sonne wieder
warmen Gruß, die Liebe, Gute,
von dem blauen Himmel nieder,
trocknet schnell die nassen Kleider,
Hut und Mantel und so weiter,
lässt an Gras und Blätterspitzen
tausend Diamanten blitzen,
und ich fühle mich so reich:
Bin ich nicht dem König gleich?

Das sind meine Kronjuwelen,
und die kann kein Diebesvolk stehlen.
Alle schenk ich meinem Schatze,
der soll sie am Busenlatze,
soll am Hals, im Haar sie tragen,
wenn ich in den nächsten Tagen
sie als holde Königin
führe durch mein Reich dahin.

Ach! was wird sie lustig lachen,
tausend tolle Sachen machen!
Wird die schönsten Brillanten,
die im Sonnenlichte glühen,
Kronrubine und Demanten,
mit den kecken Fingerspitzen
– dieses Glitzern! dieses Sprühen! –
juchzend in die Lüfte spritzen;
wird an allen Zweigen rütteln,
die Smaragde und Topase
kichernd von den Bäumen schütteln
und ein süßes Mäulchen ziehen,
pitscht ihr einer auf die Nase.

Und an einem abgelegnen
mir und einzig meinem Schätzchen,
meinem wilden Schmeichelkätzchen,
wohlvertrauten stillen Plätzchen
wird es Küsse, Küsse regnen,
und ich halte duldsam still ...
Aus dem Wald wie süße Geigen
wird ein seltsam Flüstern steigen,
und man weiß nicht, was es will ...

Ssst ...! Da plirrt es in den Zweigen,
Regentropfen fallen dichter;
durch des Waldes Dämmerschweigen
plustert elfisches Gelächter,
dass sich alle Büsche neigen,
und es lacht: „Verliebter Dichter!“
Ferner noch: „April! April!“

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Ein launischer Herr

Zu Beginn ein Gedicht über die April-Launen. Das Gedicht selbst ist auch etwas launisch geschrieben, wenn man sich das Reimschema und die unterschiedlich langen Zeilen anschaut.

Jacobi: April

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April-Doppel

Gleich doppelt-gemoppelt kommt der April in diesem Gedicht daher. Was jedoch nichts an seiner berühmten Launenhaftigkeit ändert.

Hans Retep · geb. 1956

Der April-April

Wenn ganz stille Schnee auf Blüten rieselt,
wenn es aus wolkenlosem Himmel nieselt,
wenn die Natur herumtollt wie ein Kind,
dann ist wieder mal bewiesen:
Der April-April, der spinnt.

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Der Hin-und-her-April

Auch Detlev von Liliencron besingt den launischen April im Gedicht, findet aber ein versöhnliches Ende.

Liliencron: April

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Ein vorletztes launisches April-Gedicht

Und noch mal die beiden Pole des April zu Gedicht gebracht, aber am Schluss mit einem Schuss Zuneigung zum schönen, stürmischen April.

Rodenberg: April

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Ein letztes Gedicht zum launischen April

In diesem Gedicht wird noch mal die ganze Wetterpalette des Aprils aufgeboten, doch ist die Lektüre nicht vergeblich, denn am Schluss gibt es als Zugabe ein Stückchen Lebensphilosophie.

Olivér Meiser · geb. 1970

Aprilwetter

In unheilschwangrer Schwärze Wolken schwimmen
im blankgeputzten Himmel, gläsern-blauen,
zitronengelbe Schlüsselblumen glimmen,
und Schatten wandern, seltsam anzuschauen.

Da, plötzlich, staubt wie Schleier fein ein Regen
in warmen, leuchtend, schillernd-bunten Schauern:
wie frisch nun spiegelt es auf allen Wegen,
wie froh nun glänzet es auf allen Mauern!

Und wieder streicheln süße Sonnenstrahlen
wie sanfte Hände Wiesen, Felder, Raine,
und in der Gärten Grün sich freundlich malen
die Tulpen mit Narzissen im Vereine.

Doch schon erneut verfinstert sich’s von hinten
und Schnee fällt dicht und ungeheuer still,
bedeckt die Veilchen und die Hyazinthen,
als wär’s Dezember noch und nicht April.

So wie die zarten Blumen, die da sprießen,
stehn wir im wilden Wetter dieses Lebens,
und alle Sonnenstrahlen zu genießen
sei Ziel dies unsres menschlichen Bestrebens!

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Kein Gedicht über den launischen April

Nein, dies ist kein Gedicht über den launischen April. Alles läuft wie erwartet, nur eine Kleinigkeit wurde vergessen.

Hans-Peter Kraus · geb. 1965

Wie kann man nur!

Als ich losging, schien plötzlich die Sonne.
Nun, es war April, ich war vorbereitet
und setzte die Sonnenbrille auf.
Dann verschwand die Sonne, es begann zu regnen.
Nun, es war April, ich war vorbereitet
und spannte den Regenschirm auf.
Dann verschwand der Regen und –
ich schaute zum Himmel hinauf,
zum Boden hinunter,
zum Himmel hinauf,
zum Boden hinunter …
Wie kann man nur
im April die Skier vergessen!

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Ein Rilke-Gedicht über den April

Rilke schreibt etwas differenzierter über den April, doch der Frühling im Gedicht überwiegt.

Rilke: Aus einem April

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Ein April-Gedicht zum Frühling

Theodor Storm ignoriert in seinem April-Gedicht die Launenhaftigkeit des Monats und konzentriert sich ganz auf schöne Frühlingsgefühle.

Storm: April

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Die Schönheit des Aprils

Emanuel Geibel streckt gar die Feder ob der Schönheiten eines feuchten Frühlingsabends im April.

Geibel: Im April

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