Unterm Lyrikmond

Gedichte lesen und hören, schreiben und interpretieren

Mai-Gedichte

Unter allen Monaten hat der Mai den besten Ruf: Wonnemonat. Und so ist auch die Stimmung bei den Mai-Gedichten dieser Seite mindestens euphorisch. Doch nicht alle Dichter stimmen in den Jubelchor ein und finden nicht nur ein Haar in der Suppe, sondern gleich ein ganzes Büschel. Lassen Sie sich überraschen! Muttertagsgedichtwünsche werden möglicherweise bei Gedichte für Mütter erfüllt.

 

Gedicht zum ersten Mai

Gleich zum ersten Mai gibt es eine Lobeshymne, obwohl die leicht übertriebenen Reime etwas Ironieverdacht aufkommen lassen.

Dauthendey: Erster Mai ...

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Kommentar:
Wer Gedichte zum 1. Mai als Tag der Arbeit sucht, wird möglicherweise bei den Gedichten zur Arbeit fündig.

 

Noch ein Gedicht zum ersten Mai

Mai und Liebe gehören zusammen wie Dezember und Weihnachten, also warum nicht gleich am ersten Mai damit loslegen?

Hagedorn: Der erste Mai

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Kommentar:
Die etwas merkwürdige Versstruktur hört auf den Namen Triolett. Mehr dazu gibt’s bei diesem Sommergedicht.

 

Der Mai in zwei

Kurz und knapp erfasst der für seine Sinngedichte berühmte Friedrich von Logau die Quintessenz des Monats Mai.

Friedrich von Logau · 1605-1655

Der Mai

Dieser Monat ist ein Kuss, den der Himmel gibt der Erde,
Dass sie jetzt gleich seine Braut, künftig eine Mutter werde.

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Ein Mai-Gedicht von Goethe

In kurzatmigen Versen besingt Goethe, wie es sich für einen Dichter gehört, den Frühling, die Liebe und – den Mai.

Goethe: Mailied

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Ein Mai-Gedicht von Heinrich Heine

Auch Heines Mai-Gedicht spricht von der Liebe, die nicht fehlen darf, wenn die Natur erblüht.

Heine: Im wunderschönen Monat Mai

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Der Klassiker unter den Mailiedern

Zum Mitsingen ist dieses Mai-Gedicht, aber man kann auch einfach nur Mitwandern.

Geibel: Der Mai ist gekommen ...

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Die Früchte des Mais

Was aussieht wie ein Ende, ist in Wahrheit ein Anfang, so könnte man das folgende Mai-Gedicht zusammenfassen.

Emanuel Mireau · geb. 1974

Mai-Kinder

Es geht ein Zittern durch die Blüten,
man denkt, das kommt vom Wind,
doch ist es einer dieser Tage,
an dem die Pflanze sich besinnt.
Sobald die Blütenblätter schweben,
die Arbeit an der Frucht beginnt,
und von den Früchten, die dann reifen,
ist jede auch des Maien Kind.

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Mai-Impressionen

Ganz im impressionistischen Stil tupft der Dichter mal hier, mal dort, und es entsteht eine Mai-Szene, wie man sie selbst vielleicht schon gesehen hat, aber eben nicht so.

Paul Ernst · 1866-1933

Auf dem Hof

Sonnenschein fällt in das letzte Sprühen des Mairegens.
Der neue Leiterwagen dampft in die Sonne.
Ein Tropfen blitzt.
Unter ihm, in einer kleinen Lache, blauer Himmel und weiße Wölkchen.

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Wenn der Mai nicht maien will

Ein Monat wie der Mai mit seinem wonnigen, sonnigen Ruf hat bei Gustav Falke ein gewisses Anspruchsdenken aufkommen lassen, und so ist sein Mai-Gedicht eine kleine Strafpredigt für einen enttäuschenden Monat.

Falke: An den Mai

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Ein Gedicht zu Pfingsten

Da der Heilige Geist sich nicht so recht zwischen Mai und Juni entscheiden kann, aber meist den Mai wählt, ist dieses Pfingstgedicht hier untergebracht.

Falke: Pfingstlied

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Pfingsten privat

Den heiligen Geist in der Abgeschiedenheit sucht das Ich bei diesem Pfingstgedicht.

Greif: Pfingstfeier

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Gedicht zur Konfirmation

Auch die Konfirmation schwankt bei den Monaten und trotzdem gibt es einen guten Grund dieses Gedicht im Mai zu platzieren. Welchen? Jo, mei, schau’ mer mal.

Rilke: Die Konfirmanden

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Mai-Wunsch

Hier beginnen die etwas anderen Betrachtungen des Mais im Gedicht. Dieser unbekannte Dichter denkt nicht ans Blühen und Lieben, sondern ans Sterben.

Unbekannt

Wunsch

Im Mai möcht’ ich einst sterben,
Wo ich geboren bin;
In einer stillen Mainacht
Tragt mich zum Grabe hin.

Wenn golden schaut die Sonne
Mir in das Kämmerlein
Und vor dem letzten Scheiden
Mich hüllt in ihren Schein;

Wenn mir die blauen Blümlein
Noch einmal nicken zu,
Eh’ sie die Äuglein schließen
Und gehen zu kurzer Ruh’;

Wenn durch das offne Fenster
Das Abendwehen dringt,
Und von dem Fliederbaume
Der Vöglein Lied verklingt.

Nicht möcht’ ich einstmals sterben
zu kalter Winterszeit,
Wenn raue Winde sausen,
Die Erde ist beschneit.

Im Mai möcht’ ich einst sterben,
Wo ich geboren bin;
In einer stillen Mainacht
Tragt mich zum Grabe hin.

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Mai-Ruhe

Auch in diesem Gedicht ist der Wunsch ob eines vorhergehenden Verlustes nicht typisch für den Monat Mai.

Rückert: Lass mich nur entschlafen ...

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Der Mai ist nicht für alle da

Ein bisschen auf die Euphoriebremse tritt das folgende Mai-Gedicht, denn in schwieriger Lage scheint der Mai kein Trost zu sein.

Dyrk Schreiber · geb. 1954

Grau das Grün ist

Ins Wiesenmeer springen
und Liebe besingen
ist heiter ein Frönen!
Doch wie geht es jenen,

die kalt versorgt liegen,
ihr Leblos besiegen,
dem Trost fern, nicht schaffen:
Schaurig! Ach, ihr Gaffen

zur weißen Tünche hin
dem Leben keinen Sinn
gibt auch in diesem Jahr.
Grau das Grün ist und rar

der Sonne Licht im Mai,
und schwebt er bald vorbei,
küsst seine Melodie
uns nur – das Leiden nie!

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Das etwas andere Mailied

Und dieses Mai-Gedicht ist wirklich ein Kontrastprogramm. Da ist jemand auf 180 und völlig unbeeindruckt von den Wonnen des Monats.

Herrmann-Neiße: Neues Mailied (zum Mitsingen)

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Mai macht frei

„Jo mei“ ist die bayerische Version des hochdeutschen „Kannze ma sehn“ und passt insofern zu diesem Mai-Gedicht, als es plötzlich Dinge zu sehen gibt, die vorher verhüllt waren.

Hans Retep · geb. 1956

Jo mei

Kein Wölkchen mehr die Sonne stört,
die Frauen sind davon betört
und legen ihre Brüste frei.
Geh ich hinaus als Nackedei,
dann gibt es gleich ein groß Geschrei,
man droht mir gar mit Polizei.
Ja haben diese Leute nie gehört
vom Wonnemonat namens Mai?

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Das Letzte im Mai

Das Schlimmste zum Schluss: Am 31.05. ist die Abgabe der Einkommensteuererklärung fällig. Wer kommt auf so eine Idee, diesen schönen Monat mit Bürokratie zu versauen? Vielleicht derselbe Typ, der den Text vom Steuerbogenformular geschrieben hat:

Ringelnatz: Wie mag er aussehn?

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Hinweis: Gedichte zum Frühling sind sicher eine gute Ergänzung zu den Mai-Gedichten.