Unterm Lyrikmond

Gedichte lesen und hören, schreiben und interpretieren

Ostergedichte

Seitdem goldene Osterhäschen die Macht übernommen haben, ist es mit den christlichen Gedanken rund ums Osterfest nicht mehr weit her. Das spiegelt sich auch in dieser Auswahl von Gedichten zu Ostern wider, die kaum noch religiöse Bezüge hat.

Ein Ostergedicht von Goethe

Aus dem Drama Faust stammt diese österliche Szenerie mit einem Schlussvers, der sich vom Drama aus als geflügeltes Wort selbständig gemacht hat.

Goethe: Vom Eise befreit ...

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Osterstimmung

Ganz der Natur gewidmet ist die Osterstimmung in diesem Gedicht. Die Zeichen stehen passend zu Ostern auf Aufbruch.

Richard von Schaukal · 1874-1942

Ostersonntag

Wo an schattenfeuchter Stelle
schmutzige Reste Schnee noch starrten,
haucht mit schüchtern flüchtiger Schnelle
durch den dünn begrünten Garten
hin und wieder auf ein Weilchen,
eine wonnevolle Welle,
der verschwiegne Duft der Veilchen.

Leicht in sanft ergossner Helle
schwebt die Luft. An schwarzen harten
Ästen funkelt Blütenflimmer.
Auf dem Hügel überm Tale
wölbt sich weicher schon der kahle
Wald in silbergrauem Schimmer.

Ostergedicht für Kinder

Dies ist eindeutig ein Gedicht zu Ostern, sogar für Kinder geeignet und dennoch muss ich dabei immer an die 68er-Demonstrationen denken, als die Studenten „Ho! Ho! Ho Chi Minh!“ skandierten.

Dehmel: Osterlied

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Natur vs. Ostern

Wenn das natürliche Leben und das künstliche der Religion aufeinander prallen, dann ... gibt’s lautes Gezwitscher.

Hans Retep · geb. 1956

Krach zu Ostern

Das Spatzenpaar, es ist empört:
Nicht nur, dass man der Hühner Opfer aberkannt
und dumme Hasen nennt als Eierlieferant,
ihr schönes Nest, es wurd zerstört.
In ihren Ohren klingt das Wort wie blanker Hohn,
wenn angeblich ihr Nestbau in der Dornenkron
den religiösen Frieden stört.
Denn zeigt nicht Leben geben wahrlich Glauben pur?
Der Vorrang für den Schutz der alten Holzfigur
erscheint dagegen unerhört.

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Ein Ostergedicht aus dem 21. Jahrhundert

Ganz auf dem Stand der Technik präsentiert sich der Osterhase in diesem Gedicht – auch bei den Problemen, die das mit sich bringt.

Jana E. Hentzschel · geb. 1973

Moderne Zeiten

Der Osterhase ist gescheit,
er lebt modern, geht mit der Zeit
und schaut am Bildschirm ganz in Ruh
der Osterei-Entwicklung zu.

Seit Jahren läuft das maschinell,
das schont die Nerven und geht schnell.
Bei keinem Huhn muss er mehr betteln,
es soll beim Zähl’n sich nicht verzetteln.

Die Witterung ist ihm egal.
Was früher oftmals eine Qual,
kann heute ganz bequem gelingen,
weil Drohnen seine Gaben bringen.

Auch dieses Jahr läuft’s wie geschmiert,
bis eine Fehlermeldung ihn schockiert.
Und als er das Problem nicht findet,
er panisch zu den Hühnern sprintet.

Urheberrechtshinweis

Kommentar:
Mehr Gedichte von Jana E. Hentzschel hält ihre eigene Website bereit.

Ein Ostergedicht für alle Religionen

Das Kunststück, eine Osterpredigt für Menschen aller Religionen zu verfassen, hat Otto Julius Bierbaum in diesem Gedicht vollbracht.

Bierbaum: Osterpredigt in Reimen

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Ein christliches Ostergedicht

Kurz vor Schluss dann doch ein Gedicht zu Ostern, das erahnen lässt, was das Osterfest für Gläubige bedeutet. Man beachte vor allem den Schwung, den dieses Gedicht hat. Mit schuld daran ist ein seltenes Versmaß namens Amphibrachys, bei dem von drei Silben jeweils die mittlere betont wird. Versschema: xXx|xX(x)

Sturm: Ostern

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Ein altes Kirchenlied zu Ostern

Aus dem Lateinischen wurde der Text dieses Osterlieds ausgegraben. Seinen Schwung erhält es durch die zweihebigen Adonisverse, eine Versart mit dem Hebungsmuster XxxXx.

Unbekannt

Osterlied

Jubelt, ihr Himmel,
Lächelt, ihr Lüfte,
Jauchzet der Erde
Höhen und Grüfte!
Dräuende Schauer
Schwanden der Trauer:
Schauet da droben
Palmen erhoben.

Blumen des Frühlings,
Dringt aus dem Boden
Sprießet, ihr Keime,
Wachset, ihr Lohden;
Rosen, die zarten
Veilchen sich paarten,
Nelken, die frischen
Lilien dazwischen.

Herzen erschwellet,
Lieder entquellet!
Fröhliche Feier
Töne die Leier:
Christ ist erstanden
Aus Todesbanden;
Was er gelehret,
hat er bewähret!

Berge lobsinget,
Quellen erklinget,
Hügel hallt wider,
Täler, die Lieder:
Christ hat bewähret,
Was er gelehret,
Aus Todesbanden
Ist er erstanden.

Aus dem Lateinischen von Karl Simrock

Kommentar:
Die in Strophe zwei erwähnten Lohden (auch Loden geschrieben) sind junge Laubholzpflanzen.

Ein Osterei als Gedicht

Kurt Tucholsky serviert in diesem Ostergedicht ein historisches Osterei aus dem Jahr 1919.

Tucholsky: Fröhliche Ostern

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