Unterm Lyrikmond

Gedichte lesen und hören, schreiben und interpretieren

März-Gedichte

Wenn nicht jetzt, wann dann soll es Frühling werden? Der März hat durchaus noch seine harten Tage, aber die Natur lässt sich nicht irre machen: Es muss Frühling werden. Dies spiegelt sich auch in den März-Gedichten wider.

 

Bayerischer März

Den Aufbruch in den Frühling schildert Ludwig Thoma auf bayerische Art, zum Glück auf Hochdeutsch. Der in der letzten Strophe erwähnte Hertling war ein bayerischer Politiker.

Thoma: März

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Kommentar:
Bei der Bauweise dieses März-Gedichts ist interessant, dass Thoma in der ersten Strophe gleich zweimal zur Akzentverschiebung gegriffen hat. Aus den beiden Jamben zu Beginn (xXxX), die eigentlich fast das gesamte Gedicht über durchgehalten werden, wurde ein Trochäus-Jambus-Gemisch (XxxX). Die Erregung durch den Frühling wird also auch im Metrum durch Unregelmäßigkeit wiedergegeben.

 

Ein März-Gedicht von Theodor Fontane

Eher zögerlich, dem Frühling nicht ganz trauend, ist der Tenor dieses März-Gedichtes.

Fontane: Frühling

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Der März zwischen Schnee und Glück

In einfachen, aber eindrücklichen Versen beschreibt Georg Stolzenberg den Übergang im März vom Winter zum Frühling.

Georg Stolzenberg · 1857-1941

Lauer Märzwind ...

Lauer Märzwind
jagt verspätete Flocken.

Von unten
gegen die schwarze Erddecke
drücken lebendige Finger.

Unruhig laufen die Menschen,
die Tiere.

Fern,
immer näher rauscht
die Springflut
von Licht
und Glück.

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Ende des Winters

Des einen Freud, des anderen Leid: Auch das sollte nicht vergessen werden. Der März ist ein Abschied von Schneelandschaften, die doch auch mal ihren eigenen Zauber hatten.

Mühsam: März

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März ohne Kalender

In diesem Gedicht wird ein seltsames Phänomen beschrieben: das Zeitgefühl der Tier- und Pflanzenwelt. Das lässt sich sicher leicht erklären, aber Dichter sind mehr für Geheimnisse als für Erklärungen.

Georgi Kratochwil · geb. 1979

Ohne Kalender

Haben
die Blumen, die Bäume, die Vögel
einen Kalender?
Nein.
Die Blumen, die Bäume, die Vögel
haben
keinen Kalender.
Doch egal wie das Wetter:
Alles zwitschert, alles blüht, alles treibt.
Ist das nicht ein Scherz?
Die Blumen, die Bäume, die Vögel
haben keinen Kalender,
doch alle wissen:
Es ist März.

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Schneeschmelze im März

Der Titel ist eindeutig ausgeliehen und ansonsten kommt dieses Märzgedicht etwas einhebig daher.

Hans-Peter Kraus · geb. 1965

Im Märzen die Flocken

Schneeflocken
sie fallen
und fallen
und fallen
und keine
ist wie eine
andere

am Boden
die Flocken
sie schmelzen
sie schmelzen
und das
war alles

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Kommentar Hans-Peter Kraus:
Die Zutaten zu diesem Text: Schnee im März nach einem viel zu schneereichen Winter, der sehr hübsch in dichten Flocken zu Boden schwebte und dort zu meiner Befriedigung schmolz. Und zwei Gedichte, die mir im Ohr geblieben waren: Detlev von Liliencron Der Handkuss und Charles Cros Der Bückling. Das eine hat extrem kurze Zeilen, das andere ein Übermaß an Wiederholungen. Letzte Zutat: Der Amphibrachys, ein Versmaß, bei dem von drei Silben immer die mittlere betont wird. Abweichungen davon sind genauestens kalkuliert.

 

Der März als Übergangsmonat

Obwohl die erste Zeile etwas Anderes sagt, geht es in diesem Gedicht um den März, der bekanntlich nach dem Februar, aber vor April und Mai kommt, was dem Dichter nicht unwichtig erscheint.

Flaischlen: Februarschnee ...

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Gedicht über einen Märztag

Von der bläulich-frühlingshaften Art zeigt sich der Märztag in diesem Gedicht, obwohl der Schluss ein wenig nach Regen klingt.

Liliencron: Märztag

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Märzgedicht, Schmerzgedicht

Dass der frühlingshafte März die Lebensgeister wieder weckt, ist ja ganz schön, aber anscheinend werden auch merkwürdige Gestalten mit einem teerfarbenen Humor wieder lebendig.

Hans Retep · geb. 1956

Märzgedanken

Frühling, Frühling, komm herbei,
mach die Seelen wieder frei.

Endlich ist der Winter vorüber.
Immer nur die Vögel vergiften.
Langweilig.
Kinder auf dem Spielplatz verhauen
und die fit-fit Jogger abschießen:
Das macht Spaß!

Frühling, Frühling, kamst herbei,
ließest Seelen wieder frei.

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März-Volkslied

Zum Schluss ein klassisches Volkslied als März-Gedicht. Früher in einer von Landwirtschaft geprägten Gesellschaft war der März mit viel Arbeit verbunden.

Unbekannt: Im Märzen der Bauer

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