Unterm Lyrikmond

Gedichte lesen und hören, schreiben und interpretieren

Januar-Gedichte

Sind die Feiertage endlich aus den Knochen, muss das Leben wieder gelebt werden. Der Januar ist dabei eine Mischung von Neuanfang und Wintertristesse, sozusagen was vom Neujahr übrig blieb.

 

Ins neue Jahr starten

So richtig prickelnd beginnt das Jahr rein wettermäßig betrachtet selten. Der Januar als Wintermonat kann da nichts für, also sollte man sich nicht entmutigen lassen, sondern wie der Dichter hier vorschlägt „von der Sonne lernen“.

Emanuel Mireau · geb. 1974

Von der Sonne lernen

Das Jahr ist neu, die Sorgen alt,
der Januar wie üblich kalt.
Ach, könnt es doch schon Frühling sein,
ich wünsch mir etwas Sonnenschein.
Als Mensch mag ich die Kälte nicht
und übte gern darauf Verzicht.

Doch nein, das wird kein guter Start,
gewinnt der Jammer richtig Fahrt,
dann bringt das Jahr nur mehr Verdruss.
Es sei damit für immer Schluss!

Na komm, du kalte Jahreszeit,
verlierst ja doch den ew’gen Streit
mit jener himmlisch heißen Kraft,
die alles Leben hier erschafft.
Von dir, da bleibt Erinn’rung nur,
sie gibt nie auf, ihr Licht ist pur.

Beginn das Jahr ich noch mal neu,
indem ich Hoffen mit Geduld nicht scheu,
und da ich von der Sonne lern,
scheint mir der Frühling nicht mehr fern.

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Gedicht zu den heiligen drei Königen

Ein bunter Sprengsel im Januar ist der Tag der heiligen drei Könige am sechsten. Goethe hat zum Epiphaniasfest, wie dieser Tag früher hieß, ein sehr launiges Gedicht verfasst.

Goethe: Epiphaniasfest

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Gedicht zu den heiligen drei Königen II

Eine seltsame Truppe sind diese drei Könige, wenn man dem folgenden Gedicht glauben darf.

Georg Reicke · 1863-1923

Die heiligen drei Könige

Der Wintertag liegt auf dem Dörfchen stumm,
die heiligen drei Könige gehen heut um.

Der Erste schreitet gebeugt einher,
sein Alter und Krone drücken ihn schwer.

Der Zweite führt trippelnd ein Kind an der Hand,
ihn fröstelt im Königs-Bettlergewand.

Der Dritte hebt hoch empor sein Gesicht –
er grüßt eines blinkenden Sternes Licht.

Und als sie die dörfliche Runde vollbracht,
hat jeder sich schweigend davon gemacht.

Im Armenhaus auf der Ofenbank
schlürft bald der Erste den wärmenden Trank.

Sein böses Weib trifft der Zweite an,
sie schlägt das Kind und sie schimpft den Mann.

Der Dritte hat stumm sich hinausgewandt
und schaut übern Schnee und das dunkelnde Land –

schaut lange hinauf zu den Sternenhöhn,
kann sich und ihr Leuchten doch nimmer verstehn!

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Januar-Schneegedicht

Die Winterfreuden schildert Robert Reinick in diesem Januar-Gedicht. Er war offensichtlich weder Autofahrer noch Nutzer des öffentlichen Personennahverkehrs und konnte daher die Schneefreude ungetrübt ausbreiten.

Reinick: Januar

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Warum fängt das Jahr im Januar an?

Die großen Fragen der Menschheit werden in Gedichten beantwortet und zweifellos ist die Frage, warum der erste Tag des Jahres ausgerechnet am 1. Januar stattfinden muss, äußerst weltbewegend.

Hans Retep · geb. 1956

Januar für Anfänger

Ein frohes, neues Jahr, ja, ja,
das weiß ein jedes Kind, beginnt
im Monat Januar, nicht wahr?
Doch dieser Anfang spinnt, mein Kind.

Statt frischen, neuen Düften in den Lüften
gibt’s Schnee und Eis, Nebel oder Regen wegen
dem Winter, der hat hier das Sagen. Jagen
die Winde um die Ecken, ist verstecken
zu Haus die einzige Wahl, so eine Qual
ist dieser Januar.

Und möchtest du nun wissen, wessen
Idee es war, das neue Jahr
grad dann zu beginnen, hilft sinnen
nicht weiter. Greif zum Buch, versuch
die alten Geschichten, die berichten.
Und weit zurück, mit etwas Glück,
dort findst du die Täter. Nicht die Kreter,
es ist noch schöner, es waren die Römer.

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Kommentar Hans Retep:
Dass die Römer schuld daran sind, das Jahr im Januar anfangen zu lassen, kann man bei Wikipedia nachlesen. 153 v. Chr. wurde der Jahresanfang vom 1. März auf den 1. Januar vorverlegt, weil letzteres Datum der Zeitpunkt des Amtsantritts der neuen Konsuln in Rom war. Das Echo dieser Entscheidung verfolgt uns bis heute mit grausigem Wetter zum Jahresanfang.

 

Was vom Feste übrig bleibt

Im Januar endet Weihnachten endgültig, doch nicht für jeden mit einem guten Ende, vor allem der Dichter dieses Gedichts scheint geistig etwas mitgenommen.

Hans-Peter Kraus · geb. 1965

Bilanz der ersten Januarwoche

Wir sind ein Vorbild
für die ganze Stadt!
Das Christkind
wäre stolz auf uns!
In unserer Straße
liegt nur ein einziger
Weihnachtsbaum.
Die Familie
haben wir bereits ausgeliefert.
Und dennoch:
Wenn die Todesurteile vollstreckt werden,
wird das Geschrei wieder groß sein.
Sie hätten es ja nicht bös gemeint.
Ha!
Diese Wurzelraubmörder!
Diese Lichterkettenvergewaltiger!
Nicht bös gemeint?
Wie tröstlich!

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Frühlingsgefühle im Januar

Das kann wohl nur ein Dichter: Den Frühling schon im Januar erspüren, nur weil die Tage ein bisschen länger werden.

Lissauer: Januar

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Januar-Gedicht mit Ausblick

Den Ausblick in eine Welt voll Sonnenschein wagt dieses Januar-Gedicht im Romnatikstil träumender Dinge.

Besser: Januar

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