Unterm Lyrikmond

Gedichte lesen und hören, schreiben und interpretieren

Gedichte über Schule

Ich weiß nicht, was sich Internetnutzer erhoffen, wenn sie Gedichte über die Schule suchen. Einen verklärenden Blick in die gute, alte Schulzeit? Einen Glückwunsch zur Gehirnwäsche? Oder vielleicht ein paar kritische Worte über ein antiquiertes System? Was auch immer, gelernt ist gelernt: Ich habe bei der Auswahl der Gedichte über Schule versucht, es keinem recht zu machen.

 

Ein Gedicht zum Schulanfang

Ganz harmlos gibt sich Wilhelm Busch beim Thema Schule. Einzig das Wörtchen „muss“ im letzten Vers könnte etwas Kritik andeuten.

Busch: Also lautet ein Beschluss ...

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Gedicht über den ersten Schultag

Das folgende Gedicht dürfte so ziemlich das erschütterndste zum Wechsel von der unbeschwerten Kindheit zur langjährigen Schulzeit sein.

Jakob Julius David · 1859-1906

Erster Schulgang

Heut hab ich mein Mädel zur Schule gebracht.
Gar schlimme Gedanken hab ich gedacht:
Mein Herzenskleinchen, mein Sonnenscheinchen,
Nun tust du auf deinen flinken Beinchen
Aus unsrer überängstlichen Mitte
In die schlimme Welt deine ersten Schritten,
Und bist für immer hingegeben
Dem bösen Feinde – ich meine das Leben.
Lernst früh aufstehn und tausend Pflichten
Unnütz als nötig Ding zu verrichten.
Wir haben dir jede Lüge verwehrt;
Nun siehst du, wie sie die Welt durchfährt.
Wir zogen dich auf zu Wahrheit und Reinheit.
Wer aber siegt? Wahr dich! Die Gemeinheit.
So ziehen dir ins Herzelein
Denn Gram und Neid und Argwohn ein.
Und endlich wirst du, mein liebes Kind,
Wie sie, wir wir, wie alle sind ...

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Einschulung im Gymnasium

Da will die Schulleitung und der Lehrkörper alles richtig machen am ersten Tag, und was kommt dabei heraus? Ein Gedicht über die Schule.

Hans-Peter Kraus · geb. 1965

Sonnenblumenkinder

Hoffnungsfroh
ziehen die neuen Fünftklässler
mit ihren Eltern die Straße hinauf
zum Gymnasium.
Gymnasium!
Als sie die mit Sonnenblumen geschmückte Aula
betreten, werden die Blicke der ersten Neuschüler
unruhig.
Als die Direktorin ihre enthusiastische Willkommensrede
mit einem Vortrag über das Wunder der Sonnenblumen
verknüpft,
deren Blüten in vollständiger Harmonie dem Lauf
der Sonne gehorchen, senken
die Kinder die Blicke zu Boden.
Als dann die neuen Klassenlehrerinnen ihren
Schützlingen Sonnenblumen überreichen, erbleichen
ihre kindlichen Wangen.
Fröhlich plaudernd ziehen die Eltern gen Mittag
die Straße hinunter.
Die Kinder
gehen still hinterher,
starren mit Bangen
ihre Sonnenblumen an.

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Gedicht aus Schülersicht

Scheinbar schlägt sich dieses Gedicht über die Schule ganz auf die Schülerseite, aber eben nur scheinbar.

Hans-Peter Kraus · geb. 1965

Was uns an der Schule stört

Bei Mathe stören die Zahlen,
bei Deutsch die Wörter,
bei Englisch die Vokabeln,
bei Erdkunde die Länder
und bei den Pausen die Enden.

Was gar nicht geht, sind Lehrer,
die uns das Leben leeren,
die Zeit minutenweise absaugen,
bis sie rote Bäckchen kriegen
und wir blass und leblos
auf den Stühlen gammeln.

Das einzige, was an der Schule nicht stört,
ist der Schlussgong,
der zwar Stunden zu spät kommt,
doch er kommt.
Darauf ist Verlass.

Dann können wir endlich
unsere geleerten Hirne
mit all dem Zeug füllen,
das uns so viel Spaß macht
und vor dem die Lehrer warnen.

Vielleicht haben sie recht,
aber das werden wir erst wissen, wenn’s zu spät ist,
und dann können wir immer noch die Schuld
der bescheuerten Schulzeit in die Schuhe schieben.

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Gedicht über die Schule

Dieses Gedicht über Schule stammt immerhin vom ersten deutschen Literaturnobelpreisträger. Wahrscheinlich ist der Mann so gut vergessen, weil er nicht mehr in der Schule behandelt wird.

Heyse: Die Bildung, die wir den Kindern erteilen ...

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Gedicht über schlechte Schüler

Auch wenn es zur Standardargumentation in Sachen Schule gehört, dass man sich durch schlechte Leistungen dort das Leben vermurkst, zeigt dieses Gedicht kurz und knackig, dass das Leben nach der Schule nicht unbedingt eine Einbahnstraße ohne Abbiegemöglichkeit sein muss.

Dennis Boysen · geb. 1990

Wer sich will erdreisten ...

Wer sich will erdreisten,
in der Schule nichts zu leisten,
zeigt auf des Lebens Reise,
ob er töricht oder weise.

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Mehr Schule!

Den Humor dieses schrägen Gedichtes werden wohl weder Lehrer noch Schüler zu schätzen wissen. Manche Eltern hingegen würde eine Petition in dieser Sache sofort unterschreiben. Diese Raben!

Hans Retep · geb. 1956

Flaneurs Lamento

Die Schule ist geschlossen.
Hier liegt die Zukunft unsrer Kinder brach!
Was soll aus ihnen werden,
wenn sie noch niemals nie genossen
den Unterricht am Samstagnachmittag?

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Rückblick auf die Schulzeit

Ein Blick zurück im Zorn richtet dieses Gedicht auf die verflossene Schulzeit. Der letztendliche Grund für diesen Zorn ist allerdings etwas eigenartig.

Hans-Peter Kraus · geb. 1965

Schulzeit

Schüler auf dem Weg zur Schule.
Erinnerungen
an ein Klassenzimmer, sonnendurchflutet,
Holztische, -stühle, die grüne Tafel,
Gerenne und Geschrei;
an den Geruch
einer geöffneten Schultasche,
Leder, Bücher, Pausenbrot.
War das nicht eine schöne Zeit?
Nein.
Sie haben uns gezwungen,
Dinge zu lernen,
die wir nicht lernen wollten.
Sie haben uns gezwungen,
Dinge zu lernen,
die uns nichts nutzten.
Sie haben nicht einmal versucht,
uns beizubringen,
wie man ein Gedicht schreibt.

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Kommentar Hans-Peter Kraus:
Es gibt eine gelungene Verfilmung des Textes von Schülern am Franziskanergymnasium Kreuzburg in Großkrotzenburg: Schulzeit - der Film.

 

Gedicht über den Schulweg

Es wird alles besser, der Fortschritt ist unaufhaltsam, auch beim Weg zur Schule:

Hans-Peter Kraus · geb. 1965

Schulgang

19. Jahrhundert:
Den langen, langen Weg zur Schule
gingen die Kinder zu Fuß hin
und etwas freudiger
wieder zurück.

20. Jahrhundert:
Der lange Weg zur Schule
war mit dem Rad flott geschafft
und zurück gab’s Rückenwind.

21. Jahrhundert:
Den Weg zur Schule
mit dem Auto gebracht,
mit dem Auto abgeholt.

22. Jahrhundert:
Kein Weg zur Schule.
Die Schule ist im Netz,
die Wohnung barrierefrei.

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Erinnerung an einen Lehrer

Ich hoffe, beim folgenden Gedicht werden keine üblen Erinnerungen wach, aber solche Lehrer gibt es bestimmt nicht mehr, oder?

Klabund: Der Lehrer

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Andere Erinnerungen an einen Lehrer

Und siehe da: Der Ringelnatz tanzt mal wieder aus der Reihe. Ein Loblied auf den Lehrer. Ich glaube, ich werde mein Abo der Ringelnatzschen Neuesten Nachrichten abbestellen.

Ringelnatz: An meinen Lehrer

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Die Schule des Lebens

An diesem Gedicht über die Schule des Lebens sind zwei Dinge bemerkenswert: Obwohl es ein altes Stück ist, hat es keine Reime, und weil es ein altes Stück ist, lässt man ihm den Schluss durchgehen. Heute dürfte man so etwas wohl nicht mehr schreiben, ohne sich verdächtig zu machen.

Gleim: Die Schule

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Gedicht über den Schulabschluss

Was bei uns das Abitur, ist in Österreich die Matura oder Maturität. Wie das Kind auch heißen mag, danach beginnt die große Freiheit und die wird am Schluss dieses Gedichts eingehend besichtigt.

Richard von Schaukal · 1874-1942

Maturitätsfeier

Als wir in kahlem Gemach bei Bier und wölkendem Rauche
sattsam den Tag des Austritts aus der Schule gefeiert,
Reden gehalten hatten und schlechte Gedichte verlesen,
auch zu wiederholten Malen das Gaudeamus gesungen,
und als endlich der Morgen die bleichen Gesichter beglänzte,
erhob man sich müde schwankend von den durchsessenen Rohrstühlen,
und der zögernde Vorschlag ward zum Beschlusse gefestigt,
einen gemeinsamen Gang vor die Stadt zu tun ins Grüne.
Und so zogen wir denn, vom verschlafenen Kellner mit Grollen
wegen des knappen Trinkgelds aus dem Gasthof entlassen,
leere Gassen entlang in fremder einsamer Sonne
schweigend an Gärten vorbei, die taublitzend schlummerten,
bis wir zum Flusse kamen, der gelbe Wogen wälzte.
Und wir standen am Ufer und sahen die Wellen wandern,
und die Freiheit war öde, traurig, grenzen- und trostlos.

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Tipp: Grußkarten mit etwas merkwürdigen Sprüchen über die Schule bietet Gruß an dich.