Unterm Lyrikmond

Gedichte lesen und hören, schreiben und interpretieren

Trauergedichte

Trauergedichte sind in der Lyrik oftmals eine sehr persönliche Angelegenheit. Hier verarbeitet der Dichter häufig eigene Schicksalsschläge. Doch die Balance zwischen Kunst und eigenen Gefühlen muss gewahrt werden. Mit diesem Gedanken im Hinterkopf sind Trauergedichte eine besondere Lektüre.

 

Ein Trauergedicht von Matthias Claudius

Das erste Trauergedicht soll zum Tode der Schwester des Dichters verfasst worden sein. So ganz genau wissen’s die Biographen nicht. Es ist in jedem Fall ein ungewöhnliches Gedicht aus dem Frühwerk von Matthias Claudius. Bekannt ist vor allem die letzte Strophe, die schon einige Todesanzeigen geziert hat.

Claudius: An – als ihm die – starb

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Ein weiteres Trauergedicht von Matthias Claudius

Bei diesem Trauergedicht hingegen ist der Hintergrund eindeutig. Matthias Claudius betrauerte den Tod seiner 20-jährigen Tochter. Da war es auch kein Trost, dass die anderen neun Kinder ihn überlebt haben.

Claudius: Christiane

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Ein Trauergedicht von Wilhelm Busch

Auch hier nehme ich einen biographischen Hintergrund an, denn das ist nun wirklich kein Gedicht von der Sorte, die man bei Wilhelm Busch erwarten würde.

Busch: Nun, da die Frühlingsblumen wieder blühen ...

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Fragen ohne Antworten

Hier hat mir der Dichter versichert, dass kein aktueller Todesfall mit dem Gedicht verbunden war.

Hans Retep · geb. 1956

Diese eine Nacht währt ewig

Als der Tod sprach: Folge mir,
warst du aller Sorgen ledig,
hinter dir schlug zu die Tür.

Tief betroffen fragten wir:
War das Schicksal dir nun gnädig?
Riss es dich zu früh von hier?

Und wir starren an die Tür
und sind allem Wissen ledig;
diese eine Nacht währt ewig.

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Ein Trauergedicht von Friedrich Rückert

Friedrich Rückert setzt in seiner Trauerklage auf Wiederholungen, um die Eindringlichkeit zu steigern. Zählt man durch, besteht das Gedicht eigentlich nur aus acht Versen.

Rückert: Du bist ein Schatten am Tage ...

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Noch ein Trauergedicht von Friedrich Rückert

Hier schildert das lyrische Ich des Gedichts die veränderte Weltsicht aufgrund seiner Trauer. Plötzlich ist viel mehr Tod im Leben.

Rückert: Ihr nicht seid mir gestorben allein ...

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Abschied in die Ewigkeit

Die alte Hoffnung, dass das Leben nur eine kurze Zwischenstation für die Reise durch die Ewigkeit ist, wird in diesem Trauergedicht aufgegriffen.

Johanna Wolff-Hamburg · 1858-1943

Das ist der Tod?

Hier ruht das stille Kleid,
das eine große Seele hielt gefangen;
den lautren Tropfen hat die Ewigkeit
des ewgen Lebens wert zurück empfangen.

Es gibt kein Sterben! Dieses Erden-Haus
baut weit ins Unerforschte sich hinaus.
Was hier gewesen, wird sich selbst erwecken,
den goldnen Grund der Dinge aufzudecken,

und Kräfte, die sich schaffend hier gefunden,
im Kranz des Werdens bleiben sie verbunden.
Geheimnisvolle Fernen werden Licht:
Tod entschleiert nur des Lebens Angesicht.

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Trauer und Reue

Die Reue, nicht das gesagt zu haben, was gesagt werden sollte, thematisiert dieses Trauergedicht.

Vischer: Zu spät

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Erkenntnis

Der Tod eines geliebten Menschen ist nur schwer zu akzeptieren. In diesem Trauergedicht kämpft das lyrische Ich mit der Erkenntnis des „Nirgends nie wieder“.

Christen: Maryna

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Trauer und Weiterleben

Wie ein Todesfall auf die Überlebenden wirkt, schildert Rilke in diesem Trauergedicht auf seine unnachahmliche Art.

Rilke: Todes-Erfahrung

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Trauerkreislauf

Im Kreise dreht sich das folgende Trauergedicht und spiegelt damit sicher auch wider, wie die Gedanken nach einem Todesfall sich im Kreise drehen.

Hans Böhm · 1876-1946

Litanei

Mit deinen sinkenden Augen
Erlosch die strahlende Welt.
Mit deinen sterbenden Pulsen
Brach mein eigenes Herz.

Mit deinen liebenden Armen
Du gäbst mir Vergessen und Glück.
Mit deinem stillen Gesichte
Wohnst du über dem Leid.

Mit deinem stillen Gesichte
Du wohnst nun über dem Leid.
Mit deinen liebenden Armen
Gäbst du Vergessen und Glück.

Mit deinen sterbenden Pulsen
Zerbrach mein eigenes Herz.
Mit deinen sinkenden Augen
Losch die strahlende Welt.

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Nicht-Akzeptanz

Eine sehr widersprüchliche Art der Trauer ist die Nicht-Akzeptanz des Todes. Besonders deutlich wird das am Schluss der zweiten Strophe.

Hans Böhm · 1876-1946

Der Witwer

Fast erschrickst du lieber Schwager
Weil hier alles ist wie einst?
Still, ich weiß schon wie du’s meinst,
Doch das muss so bleiben: dort ihr Lager
Neben meinem, das ist süß und schwer.
Und das Morgenkleid: kennst du’s nicht mehr?
Auf dem Wachtisch ihre Siebensachen
Um für mich sich schön zu machen.

Dann im Frühstückszimmer
An dem runden Tische immer
Ihr Besteck und Stuhl mir gegenüber.
Hier ein Stünde heller oder trüber
Dann zur Arbeit in die Stadt.
Leise geh ich weg – nur blick ich nie
Zum Balkon empor wo sie
Mir noch nachgesehen hat.

Drüben tu ich meine Arbeit dann
Weil ich mich auf etwas freuen kann,
Auf die Stunden hier
Abendlich allein mit ihr.
Manchmal steh ich vor der Türe still
Ob sich’ drinnen regen will.
Leise tret ich ein – im Dämmerlicht
Mich empfängt ein unsichtbar Gesicht.

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