Unterm Lyrikmond

Gedichte lesen und hören, schreiben und interpretieren

Gedichte von Liebe und Tod 1

Die Liebe und der Tod sind zweifellos die gewaltigsten Themen der Lyrik. Doch was passiert, wenn sie in einem Gedicht zusammenprallen? Es zeigt sich, dass der Tod eine dämpfende Wirkung hat. Es kommt zwar zu ausschweifenden Phantasien, aber letztlich werden diese immer von der Realität des Todes eingeholt.

 

Letzter Wunsch

Eines will das lyrische Ich in diesem Gedicht von Liebe und Tod noch mitnehmen, wenn es seine letzte Reise antritt.

Albert Sergel · 1876-1946

Wunsch

Wenn des Todes dunkle Schatten nahn,
eh mein Herz den letzten Schlag getan,

tritt heran, dass mir dein holdes Bild
noch einmal der Seele Tiefen füllt,

dass ich auf den unbekannten Wegen
nicht so einsam geh dem Licht entgegen.

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Rückblick im Garten

Ein Garten als Ort der Liebe und nun des Erinnerns steht im Mittelpunkt dieses Gedichts über Liebe und Tod.

Emanuel von Bodman · 1874-1946

Der Garten

Das rote Weinlaub hängt von Sonne voll,
Ich trete ohne Schmerz in deinen Garten,
Nach langer Zeit. Auf dieser Holzbank schwoll
Einst unser junges Sehnen, und wir starrten
In manche blaue Nacht. Nun bist du tot
Drei bunte Jahre. Die Kastanien fallen.
Nun ist mir, fühle ich ihr braunes Rot,
Es müssten deine leichten Tritte hallen.
Noch fließt der alte Tropfsteinquell so klar,
Und mächtig drückt mich eine süße Schwere,
Als ob der irre Duft von deinem Haar
Noch irgendwo in diesen Büschen wäre.

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Ein Traumgedicht von Liebe und Tod

Dass es bei diesem Gedicht um eine Illusion geht, wird gleich zu Beginn verraten. Lethe ist übrigens der Fluss des Vergessens.

Meyer: Lethe

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Übers Leben hinaus

Ein altes Thema: Wenn Liebe über den Tod hinaus geht, heißt das, man muss dem geliebten Menschen in den Tod folgen?

Schack: Von dunklem Schleier umsponnen ...

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Wilhelm Busch über Liebe und Tod

Wer bei diesem Busch-Gedicht auf eine Pointe wartet, wird enttäuscht. Nein, Wilhelm Busch hat hier ein Gedicht über Liebe und Tod geschrieben, das möglicherweise einen persönlichen Hintergrund hatte.

Busch: O du, die mir die Liebste war ...

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Ein Verlustgedicht

Storm beschreibt in seinem Gedicht die lähmende Wirkung, die vom Tod eines geliebten Menschen ausgeht.

Storm: Mitunter weicht von meiner Brust ...

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Trennung oder Tod

In diesem Gedicht wird das Thema Liebe und Tod durch eine Trennungsahnung kurz vor Mitternacht umspielt.

Albert Sergel · 1876-1946

Eine Stunde vor Mitternacht ...

Eine Stunde vor Mitternacht ...
Es kam durch Hof und Türe,
mir war’s, als ob eine kalte Hand
nach meinem Herzen führe.

Mir war’s, als ob ein kalter Mund
meine zuckenden Lippen berühre,
eine Stunde vor Mitternacht ...
und lautlos ging die Türe.

War das der Tod, der gekommen war
sich bräutlich anzutragen?
Oder, Liebster, kamest du
dich von mir loszusagen?

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Ein letztes Lied der Liebe

Interessant an diesem Liebesgedicht im Angesicht des Todes ist, dass sich das lyrische Ich nicht auf ein Wiedersehen mit dem Geliebten im Jenseits vertröstet, wie es eigentlich im 19. Jahrhundert üblich war, sondern ganz dem Irdischen verhaftet bleibt.

Lingg: Lied

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Die Mathematik von Liebe und Tod

In der Mathematik nach Bindiung sind eins und eins eins, d.h. stirbt eins, fehlt keins, die Summe bleibt eins. Aber der Dichter kann das viel besser erklären:

Binding: Gleichung

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Kommentar:
Dies ist eins der wenigen Gedichte, in dem das Metrum komplett regelmäßig ist, aber nicht gleich. Binding nutzt zuerst einen Jambus (abwechselnd Senkung und Hebung), doch ab Strophe drei beginnt jede Zeile mit einer Hebung, die sich über eine Akzentverschiebung ergibt. Bei den ersten beiden Silben wird das Hebungsschema umgedreht. Schaut man auf die inhaltliche Struktur, passt dies zur Frage- und Antwortfolge.

 

Herausforderung an den Tod

Noch voller Leben ist dieses Liebespaar und fordert frechweg den Tod heraus, es als eines zu nehmen.

Hans Böhm · 1876-1946

Nachtstück

Aus Träumen erwachen
Wunderlich wirren
Und plötzlich zur Seite
Der Liebsten sein –
Welch frohes Erschrecken!
Auch sie blickt herüber:
Wo warst du so lange!
Und nun bist du mein!

Und seid ihr’s noch immer
Liebglänzende Augen
Ihr zärtlichen Arme
Atmender Mund?
So stumm ist die Erde
Als wär sie gestorben.
Du lebst mir alleine
Lieblicher Fund.

Und still von einem
Willen durchdrungen –
Süßes Erglühen
Süßestes Ruhn.
O Tod suchst du Eines,
Als Eins nimm uns Beide!
Ein Leib ein Atem
Entschlummern wir nun.

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Liebe und Tod sind unvergänglich

Der Tod mag auf alle Ewigkeit die Sense schwingen, die Liebe wächst trotzdem immer wieder und für alle Zeiten nach, wenn man dem folgenden Gedicht glauben darf.

Dehmel: Verewigung

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