Unterm Lyrikmond

Gedichte lesen und hören, schreiben und interpretieren

Trostgedichte

Ein paar gute Worte zur rechten Zeit können Wunder wirken, weil sie den Gedanken eine andere Richtung geben als immer tiefer ins dunkle Loch. Gedichte verfügen über eine Sprachmagie, die gerade recht kommt, wenn Trost gefragt ist. Also hoffe ich, dass hier für die verschiedensten Fälle das richtige Gedicht dabei ist.

 

Humorvolles Trostgedicht

Die einfachste Grundregel des Trostes zu Beginn: Nie den Humor verlieren.

Scheerbart: Heiter sei mein Abendessen ...

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Ein Trostgedicht von Lessing

Dieses Trostgedicht ist ein Appell ans „Trotz alledem“.

Lessing: Lied aus dem Spanischen

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Ein Trostgedicht von Fontane

Fontane sieht den Trost im steten Auf-und-ab: Das Leben geht weiter, was auch passiert sein mag.

Fontane: Tröste dich, die Stunden eilen ...

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Trostgedicht für ein Kind

Was heute schwer noch drückt, ist morgen wieder vergessen, so lautet die Trostbotschaft dieses Gedichts.

Flaischlen: Einem Kinde

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Trost im Schlaf

Das Vergessen im Schlaf preist Arno Holz als Trost an, wobei er trotz der modern erscheinenden Versstruktur Reime einsetzt, um dem Text die notwendige tröstende Harmonie zu geben.

Arno Holz · 1863-1929

Nachts ...

Nachts,
Punkt zwölf Uhr,
strecke ich mich
nieder.

Auf
acht Stunden
sterbe ich wieder.

Oder
wird es
für „ewig“ sein?

Über meine Lider
blaublütentauperlt Paradiesesschein!

Nichts ... mehr hören! Nichts ... mehr wissen!

Sanft
betten mich
die weichen Kissen!
Komm, o komm,
du
süßer Schlaf!

Mach mich wieder ... „gut und brav“ ... Mach mich wieder ... „froh und jung“!

Lösch aus in mir
die
Erinnerung!

Tröstend
sänftigen mich
die Kissen,
nichts mehr ... hören, nichts mehr ... wissen!

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Trost in der Zweisamkeit

Von den Pferden lernen, heißt trösten lernen, so könnte man dieses Trostgedicht zusammenfassen.

Herrmann-Neiße: Trostlied der bangen Regennacht

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Zum Trost einige Ratschläge

Einige gute Ratschläge als Trost in Gedichtform für verschiedene Lebenslagen liefert Friedrich Rückert.

Rückert: Wenn es dir übel geht ...

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Noch ein Trostgedicht von Friedrich Rückert

Und hier als Nachschlag ein Trostgedicht Rückerts zum Umgang mit dem Tod.

Rückert: Wem ein Geliebtes stirbt ...

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Kommentar:
Rückert nutzt in beiden Gedichten als Vers den Alexandriner, d.h. sechs Hebungen pro Vers, wobei nach der dritten eine Pause eingesetzt wird. Diese Versform wurde im Barock viel genutzt, weil sie sich hervorragend für antithetische Aussagen nutzen lässt, wie z.B. Was dieser heute baut, reißt jener morgen ein.

 

Wo Licht ist, da ist auch Trost

Licht als Symbol der Hoffnung und des des Trostes mag keine neue Idee sein, aber in diesem Gedicht wird sie interessant und neu verkleidet.

Wolfgang Rinn · geb. 1936

Weggefährtin

Eine kleine Trauer
hat sich auf den Weg gemacht
und bei mir angeklopft,
an mich gedacht.

„Komm, lass uns miteinander
so wie Freunde gehen,
dann werden wir
am Ende unseres Dunkels sehen
ein helles Licht,
das ernsthaft Suchende
auch fernerhin begleitet
und unbemerkt
in ihrer Einsamkeit geleitet.“

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Ein Trostgedicht aus dem Barock

Dieses Trostgedicht sucht die Kräfte im Innern zu wecken. Sie sind da, zum Suchen muss man nur das Licht anknipsen.

Hoffmannswaldau: Ermahnung

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Trost von oben

Wahrscheinlich an Frau Luna, die Göttin des Mondes, gerichtet ist dieses dankbare Trostgedicht.

Rolf Wolfgang Martens · 1868-1928

Wenn Weh mich drückt ...

Wenn Weh mich drückt,
wenn um meine Seele drohend die schwarzen Wasser steigen,
kommst du herab.

Du,
Ewige,
mit allen deinen Sternen!

Sanft
rührst du die Harfe.

Jede Last wird leicht.

Ich weiß:
auch aus dem Schlimmsten sprießen zuletzt doch Rosen!

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Fließen lassen!

Nikolaus Lenau empfiehlt als Kummerkur, den Kummer auf eine bestimmte Art auszuleben.

Lenau: Blick in den Strom

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Grüner Wassertrost

Er braucht etwas, doch er kommt: der Trost aus dem Wasser. Wobei er erstaunlicherweise die Farbe Grün annimmt.

Mereau: In Tränen geh ich nun allein ...

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Trostgedicht für eine Mutter

Wie man den Lebensdaten entnehmen kann, ist dieses Trostgedicht keine Fiktion, sondern der Versuch einer sterbenden Tochter, ihre Mutter zu trösten.

Kulmann: Gekämpft hat meine Barke ...

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Trostgedicht eines Vaters

Mit einem einzigen Reim – also ganz auf kindliche Art und Weise aufgebaut – kommt dieses Trostgedicht eines Vaters an sich selbst aus.

Rückert: An die Kleingebliebenen

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Ententrostgedicht

Es gibt so Tage, an denen einem die ganze Welt zuwider ist. Trost kann man jedoch finden, wo man ihn wahrscheinlich nie vermuten würde.

Georg Stolzenberg · 1857-1941

Ich schlendre den Kanal entlang ...

Ich schlendre den Kanal entlang,
die Lippen zusammengekniffen.

Bande! Alle! Ich, du, er, sie, es!
Automaten, gefüllt mit Bosheit.

Auf dem Wasser
in jedem Wellenring eine wilde Ente.

Sie schwimmen heran.

Ich füttre sie.

Wir schließen Freundschaft.

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Ein Aufmunterungsgedicht

Manchmal sind es Winzigkeiten im Erdenrummel, die plötzlich für den Umschwung sorgen, behauptet zumindest dieses Trostgedicht.

Flaischlen: Graue Tage

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Himmlischer Trost

Dieses Gedicht versucht durch eine naiv scheinende Sicht auf den Tod zu trösten. Fast könnte man denken, es wäre von Matthias Claudius.

Rückert: Oft denk’ ich, sie sind nur ausgegangen ...

Dieses Gedicht im TextformatZur Interpretation des Gedichts Oft denk’ ich, sie sind nur ausgegangen ...Gedicht per E-Mail versenden

 

Trost und Trauer

Einige Überlegungen zum Wechsel von Trauer und Trost bietet dieses Gedicht mit tröstlicher Tendenz.

Otto zur Linde · 1873-1938

Trauer

Wolle nicht die Trauer bannen,
Aber zwing sie nicht zum Stehn.
Geht sie, lass sie frei von dannen,
Steht sie, heiße sie nicht gehn.

Lade nicht die Trauer ein,
Sie zu zeigen im Salon.
Will sie aber bei dir sein,
Bleib – und eile nicht davon.

Trauer ist ein müder Gast,
Gib ihr Labung, gib ihr Pflege.
Neu gestärkt nach sanfter Rast
Zieht sie dankend Ihrer Wege.

Trost und Trauer sind ja Schwestern,
Teilen ihre Arbeitszeit.
Ist vorbei der Trauer Gestern,
ist Trosts Morgen schon bereit.

Wetter oder Sonnenschein,
Beide kamen himmelwärts.
Trauer brennt das Herz dir rein,
Trost heilt deiner Wunde Schmerz.

So der Balsam wie die Wunde
Sind dir Zeichen der Genesung.
Ist dir Trauer Krankheits Kunde,
Naht der Trost dir als Erlösung.

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Der alte Trost

Die Gefahren von Trauer und Kummer führt dieses Gedicht an, um den Trost schließlich bei höheren Gewalten finden zu lassen.

Langbein: Trostlied an Amalien

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