Unterm Lyrikmond

Gedichte lesen und hören, schreiben und interpretieren

Abschiedsgedichte 1

So ist das halt im Leben, irgendwann muss man sich verabschieden. Die Art, wie Dichter den Abschied in Gedichten verarbeitet haben, ist sehr unterschiedlich, so wie Trennungen im Guten oder Bösen erfolgen können. Mancher resigniert und mancher sammelt neue Kräfte, denn jedes Ende ist auch wieder ein Anfang. Diese Seite bietet Gedichte seit dem Ende des 19. Jahrhunderts, die Klassiker, und darunter besonders die Romantiker, kommen auf Seite 2 zum Abschiedswort.

 

Ein Abschiedsgedicht von Tucholsky

Zu Anfang ein paar Gedichte über einvernehmliche Trennungen. Tucholsky sieht in seinem Abschiedsgedicht weiter hinaus.

Tucholsky: Aus!

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Ein Abschiedsgedicht von Ringelnatz

Ringelnatz zelebriert in seinem Gedicht einen einvernehmlichen Abschied, denn er weiß, es ist besser so.

Ringelnatz: Es ist besser so

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Gedicht über einen inneren Abschied

Wenn der eine innerlich sich schon abgelöst hat, während die andere davon nichts weiß, und die Akteure gefangen sind in der verfahrenen Situation, das ist das Thema dieses Abschiedsgedichts.

Schnitzler: Anfang vom Ende

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Der schweigsame Abschied

Obwohl in diesem Abschiedsgedicht viel wörtliche Rede drin steckt, ist es doch ein Abschied durch Schweigen.

Rolf Wolfgang Martens · 1868-1928

Tränen ...

Tränen.

„Lebe wohl!“

Plötzlich umklammert sie mich,
blickt mir ins Auge,
lange.

„Ich danke dir!
Für jedes liebe Wort, das du mir gesagt hast!“

Ich streichle ihr mit der Hand übers Haar.

„Kommst du wieder?“

Ich schweige und küsse sie.

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Die Stummheit der Worte zum Abschied

Man kann noch so viel sagen beim Abschied und bleibt doch stumm. Diese Erkenntnis trifft das lyrische Ich in diesem Abschiedsgedicht sozusagen mitten ins Herz.

Werfel: Der Mensch ist stumm

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Ein Abschiedsgedicht von Rilke

Rilke versucht wie immer mit seiner ganz eigenen bildlichen Sprache dem Ding, das Abschied heißt, in einem Gedicht auf den Grund zu gehen.

Rilke: Abschied

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Abschied eines Dichters

Wenn einem Dichter die Worte fehlen, dann muss es wahre Liebe gewesen sein. Darauf plädiert der Dichter in diesem Abschiedsgedicht.

Adam Kuckhoff · 1887-1943

Gedicht für Greta

Andern hab ich manchen Vers geschrieben,
dir nur hier und da ein kleines Wort.
Zeugt das nicht von kleinrer Kraft im Lieben?
Geh ich nicht als Schuldner von dir fort?

O Geliebte, ungemessen
war die Liebe, die uns zwei verband.
Über ihr hab ich das Wort vergessen,
weil jeder Tag uns in ihr fand.

Denkst du an das Blut in deinen Lungen?
Sprichst du von der Luft, die dich umgibt?
Nein, ich hab dich nicht besungen,
nur geliebt.

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Kommentar:
Das Gedicht Adam Kuckhoffs an seine Frau ist auf den 04.02.1943 datiert. Es entstand im Gefängnis. Noch im gleichen Monat wurde er wegen seiner Mitarbeit in der von den Nazis so genannten Roten Kapelle zum Tode verurteilt und ein halbes Jahr später hingerichtet.

 

Kein Urlaubsabschied

Auch wenn der Titel den Eindruck erzeugt, hier ginge es um Urlaub, geht es doch um das Übliche: Einer hat’s verpatzt und verloren ist das gemeinsame Paradies.

Hans Retep · geb. 1956

Abschied von der Südsee

Du bist so schön wie eine Südsee-Insel,
mit dir zusammen lebt’ ich Urlaub pur.
Und doch war ich ein rechter Einfaltspinsel,
hielt fest an schaumig-süßen Träumen stur.

Du wolltest mehr: das große, harte Leben,
um Kinder sorgen, tapfer bleiben in der Not.
Du warst bereit, dich ganz und gar zu geben,
doch schreckte ich vor meiner Träume Tod.

Ich wollte nur die Sonne, keine Qualen,
ein schattenloses Sein beherrschte wohl mein Haupt.
Den kleinsten Preis, den mochte ich nicht zahlen
und habe selbst der Südsee mich beraubt.

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Vom Weggehen

Arno Holz verabschiedet hier jemanden in Dreizeilern, bei denen sich die letzte Zeile nicht reimt – es gibt kein Zurück.

Holz: Ein Abschied

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Bitteres Abschiedsgedicht

Oh, oh, mit einem „Todeskuss“ verabschiedet sich ein ehemals Liebender. Das muss so etwas wie Hass auf den letzten Blick sein.

Georgi Kratochwil · geb. 1979

Schluss mit Kuss

Ich denk zurück
an all die Jahre,
die unser Glück,
das vormals wahre,
lag auf der Bahre.

Nun wünsch ich dir –
gar keine Frage –
schon jetzt und hier
bequeme Lage
in deinem Sarge.

Die Welt, sie wär
ganz zweifelsohne,
wenn dich träf wer
mit ’ner Kanone,
der Schöpfung Krone.

Als Philosoph
kann ich gut warten
und halt nicht doof
bereit den Spaten
zu Grabestaten.

Ganz großer Sport
zum guten Schlusse:
Ich gehe fort
befreit vom Stusse
mit einem Kusse.

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