Unterm Lyrikmond

Gedichte lesen und hören, schreiben und interpretieren

Abschiedsgedichte 2

Auch wenn früher alles besser war, Abschied musste doch genommen werden und so finden sich natürlich bei den alten Meistern der Dichtkunst einige Gedichte zum Thema Abschied. Schwerpunkt dieser Seite sind Gedichte aus dem 19. Jahrhundert bis zum Ersten Weltkrieg.

 

Abschied am Morgen

In kurzen Versen, sozusagen auf der Schwelle geschrieben, verabschiedet sich hier jemand am frühen Morgen von der Liebsten.

Mörike: Früh im Wagen

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Verwelkt

Einen Abschied mit verwelkten Blumen und in Reimmonotonie zelebriert Hermann Löns in diesem Gedicht.

Löns: Totenblumen

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Gedicht über einen stillen Abschied

Dieses Abschiedsgedicht, in dem sich jemand nächtlich aus dem Staub macht, steht am Anfang des Gedichtzyklus Winterreise, die von Franz Schubert vertont wurde.

Müller: Gute Nacht

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Abschied und Auszug

Hier zieht ein Liebender aus, aber wenn man ans Sterben denkt, scheint der Schnitt sehr tief zu gehen.

Müller: Der Lindenbaum

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Gedicht vom Weggehen

Auch in diesem Abschiedsgedicht zieht einer aus der Stadt. Der Abschied von der Stadt fällt nicht schwer, aber ...

Uhland: Abreise

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Abschied auf Probe

Wie es sein sollte, wenn er nicht mehr wäre, probiert jemand in diesem Abschiedsgedicht aus.

Stephan Milow · 1836-1912

Vermächtnis

Ich habe Sonnentage froh gelebt!
Ob viele, wenige – wer fragte bang?
Unmessbar bleibt, was, flüchtend, still verschwebt
In die Vergangenheit; da ist nichts lang,
Nichts kurz: es war! dies Wort verkündet alles.
Ich habe Sonnentage froh gelebt!
Ist das kein Trost, trotz jeglichen Zerfalles,
Vor dem die Seele banggeängstigt bebt?
Und mehr: ich lebe! lebe, lichtumflossen,
Die Gegenwart; es liegt vor mir die Welt,
Rings wallt und wogt es, tausend Triebe sprossen,
Und wie die Brust mir stiller Jubel schwellt,
Dünkt dieses Feuer mir der Lebensfunken,
Der alles nährt, und wie ich, angefacht
Von innen, in der Runde Bild versunken,
Strahlt alles hell in bunter Farbenpracht.
Und du bist mir geschenkt! Das schönste Band
Verknüpft uns fest zu seligstem Entzücken,
Und was ich je Beglückendes empfand,
Es will durch dich mich doppelt tief beglücken.
Ich bange süß erglüht an deinem Munde
Und fühle ganz die Lust: ich bin bei dir!
Gib einen Kuss für tausend, eine Stunde
Der Seligkeit gib für Äonen mir!
Und müsst’ ich morgen sterben, weine nicht!
Erfülle einen Augenblick nur ganz:
Das ist die Ewigkeit! Mein Auge bricht,
Doch du bewahr’ in deinem feinen Glanz,
Du spiegle fort das goldne Licht der Sonne,
Du trage weiter, was in mir entschlief,
Und hüte treu im Herzen all die Wonne,
Die ich mit dir gefühlt so voll, so tief!
Wenn ich dann war, so denke nicht, wie lang,
Und dass ich allzufrüh geschieden – nein!
Du weißt, ich lebte, voll von Himmelsdrang,
An Stunden reich, die schon ein ganzes Sein.
Am schönsten feierst du mein Angedenken,
Da, lächelnd du, wie sonst, die Welt entzückst,
Und selber, was dir hold die Götter schenken,
Mit sanfter Rührung an den Busen drückst.

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Abschied mit Geschrei

Ein herzzerreißendes Abschiedsgedicht liefert Paul Scheerbart, denn es ist sicher alles nicht so gemeint, oder?

Scheerbart: Abschiedslied

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Abschied und Rückkehr

Das ist mal ein Gedicht, wo das Versprechen auf Rückkehr wichtiger ist als der Abschied.

Robert Burns · 1759-1796

Das Lied von der roten, roten Rose

Gleich einer roten, roten Rose
Ist meine Liebe frisch erblüht:
Als ob die Melodie erklänge
von einem unvergess’nen Lied.

Du bist so schön, mein feines Mädchen,
Dass meine Liebe nie verrinnt:
Und dich, mein Schatz, werd’ ich noch lieben,
Bis alle Meere trocken sind.

Bis alle Meere trocken sind
Und in der Sonne Steine sieden:
Und dich hab’ ich noch immer lieb,
So lang dem Leben Zeit beschieden.

Und nun leb wohl, mein liebster Schatz,
Ich muss so fern von dir verweilen!
Doch komme ich gewiss zurück
Und müsst’ ich gehn zehntausend Meilen.

(Übertragen aus dem Englischen von Hans-Peter Kraus)

UrheberrechtshinweisGedicht per E-Mail versendenGedicht in Anthologie

Kommentar von Hans-Peter Kraus zur Übertragung:
Die Originalversion finden Sie bei poetsgraves. Der erste Vers des Originals „My love is like a red, red rose“ zeigt sehr schön, welche Probleme eine Gedichtübertragung vom Englischen ins Deutsche haben kann. Der Vers hat im Original acht Silben, übersetzt man ihn wörtlich (Meine Liebe ist wie eine rote, rote Rose) ergeben sich 14 Silben. Eine wörtliche englisch-deutsche Übertragung hat oft wesentlich mehr Silben. Da ich aber auf jeden Fall die „red, red rose“ retten wollte, musste ich ein bisschen improvisieren.

Aufgrund dieser Probleme habe ich gar nicht erst versucht, die Chevy-Chase-Strophen nachzubilden mit abwechselnd vier und drei Hebungen und ausschließlich männlichen Kadenzen, also Hebungsabschluss. Dadurch hat sich ein Dreheffekt in der Mitte des Gedichtes ergeben, was auch ganz nett ist, aber im Original nicht so deutlich herauskommt.

Bei der Liedersammlung Recmusic gibt es eine Übertragung aus dem 19. Jahrhundert. Dort hat der Übersetzer das Chevy-Chase-Schema eingehalten. Dafür musste er dann andere Eigenständigkeiten einbauen.