Unterm Lyrikmond

Gedichte lesen und hören, schreiben und interpretieren

Kurze Abschiedsgedichte

Kurz, aber manchmal schmerzhaft sind die Abschiedsgedichte dieser Seite. In maximal acht Zeilen reicht die Palette vom Abschied am Morgen bis zum Abschied für immer, vom leichten bis zum schweren Abschied.

 

Ein kurzes Abschiedsgedicht von Ringelnatz

In diesem Abschiedsgedicht wird der Leser Zeuge eines ganz alltäglichen Abschieds, der dennoch Bände spricht.

Ringelnatz: Abglanz

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Abschied am Morgen

Hier möchte einer so gar nicht Abschied nehmen und wenn’s auch nur der morgendlichen Abschied aus dem Bett ist.

John Donne · 1573-1631

Tagesanbruch

Bleib, mein Schatz, erhebe dich nicht!
Von deinen Augen nur kommt das Licht.
Die Nacht stirbt nicht, es ist mein Herz,
Wenn wir uns trennen, bricht’s im Schmerz.
Bleib! Mein Glück ist sonst bedroht
Zu erleiden einen jungen Tod.

Übertragen aus dem Englischen von Hans-Peter Kraus

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Kommentar von Hans-Peter Kraus zur Übertragung:
Das englische Original klingt so:

Bei der Übertragung habe ich mir etwas Freiheiten bei den Senkungen erlaubt, aber sonst den Jambus (xX) benutzt bis auf die Ausnahmen, die im Gedicht vorgegeben waren im ersten und vorletzten Vers, wo das „Stay“ nach einer Hebung verlangt, so dass sich das Metrum zum Trochäus (Xx) umkehrt.

Den Herz-Schmerz-Reim habe ich nur ungern verwendet, aber wahrscheinlich ist heart-part genau so abgedroschen im Englischen wie die deutsche Variante.

Einiges Kopfzerbrechen hat mir der Schluss gemacht. Der Begriff „infancy“ bezeichnet die frühe Kindheit, also das Krabbelalter, und ist natürlich im übertragenen Sinne gemeint. Trotzdem habe ich einige Versuche unternommen, das „Glück" einen Kindestod sterben zu lassen, die aber etwas neben der Spur wirkten. Möglicherweise habe ich mich damit der Sünde schuldig gemacht, den Vers zu verharmlosen, falls die Nutzung von „to be in its infancy“ zu Lebzeiten Donnes für andere Dinge im Anfangsstadium nicht so üblich war, dass der Gedanke an ein Kind von alleine zurücktrat. Zu meiner Entlastung kann ich sagen, dass ich auf den eleganteren „frühen Tod“ verzichtet habe, der viel näher am frühen Morgen dran ist.

 

Tapferkeit beim Abschied

Die Tapferkeit eines geckernden Eichhörnchens, das auf einem Ast außerhalb der Reichweite der Katze sitzt, beweist hier die Stimme des Gedichtes bei einer kurzen Abschiedsrede.

Georgi Kratochwil · geb. 1979

Abschiedsrede

Du willst schon gehen?
Mein Gott, ich halte dich nicht auf.
Ich bleib hier stehen,
das Schicksal nehme seinen Lauf.

Ja, stimmt, die Tür ist abgeschlossen.
Der Schlüssel? Och, den hab ich hier.
Doch willst du gehen – fest entschlossen –,
ich halte dich … bestimmt nicht hier.

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Herbstlicher Abschied

Max Dauthendey verbindet einen schmerzlichen Abschied mit dem Herbst. Besondere Beachtung verdient dabei das Reimschema, das einen unregelmäßigen Eindruck macht, aber sich an den Inhalt anschmiegt.

Dauthendey: Unsere Augen so leer ...

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Die Stunde des Abschieds

Ein paar erhellende Worte zur Stunde des Abschieds findet Richard von Schaukal. Der einzige Trost dabei ist: Anderen ergeht es beim Abschiednehmen anscheinend auch nicht besser.

Richard von Schaukal · 1874-1942

Abschiednehmen

Abschiednehmen ist das Schwerste. Nie
kommt die Stunde wieder, so wie sie
dir begegnet ist, da sie begann,
die in ihrem steten Lauf verrann.

Nie verrät sie, was sie wirklich will.
Aber manchmal wendet sie sich still,
und es ist dir dann, weil sie entglitt,
so als nehme sie das Ganze mit.

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Die Stille nach dem Sturm

Schlangen und Tauben passen einfach nicht zusammen, das erkennt einsichtig das lyrische Ich in diesem Abschiedsgedicht.

Dehmel: Lebe wohl

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Ein Augenblick Abschied

Lenau konzentriert sich auf den Abschiedsaugenblick, was Raum lässt, darüber zu spekulieren, welche Hintergrundgeschichte zu dem Gedicht passen würde.

Lenau: Scheideblick

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Ein kurzes Abschiedsgedicht von Heinrich Heine

Heine steht wie immer im Verdacht, sein Gedicht zum Abschied mit einer Prise Ironie zu würzen.

Heine: Wenn zwei voneinander scheiden ...

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Versöhnlicher Abschied

Kurz und absolut schmerzlos ist dieses Abschiedsgedicht, weil es die Ansicht vertritt, dass das Gewesene nie mehr verloren geht.

Stifter: Abschied

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