Unterm Lyrikmond

Gedichte lesen und hören, schreiben und interpretieren

Gedichte für Verliebte 1

Verliebtsein ist ein derart euphorischer Zustand, bei dem es vielleicht ganz gut tut zu entdecken, dass man nicht der oder die einzige im Rausch ist. Dichter haben zu allen Zeiten diese Phase beschrieben, mal durchlebt, mal phantasiert. Und keine Bange, es gibt eine Heilung fürs Verliebtsein: Man nennt sie Liebe.
PS: Verliebte Klassiker der Dichterbranche gibt es auf Seite 2 der Gedichte für Verliebte.

 

Abendlieb’

Sehr eindrucksvoll wird in diesem Liebesgedicht die Erwartung beschrieben, dass die Liebste bald zurückkehrt. Formal ist interessant, wie lange der dritte Vers warten muss, bis er einen Reimpartner findet.

Schickele: Wenn es Abend wird

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Komplett verliebt

Die Macht der Wiederholung wird in diesem Gedicht übers Verliebtsein durch den parallelen Satzbau demonstriert.

Klabund: Liebeslied

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Göttliches Kompliment

Mit viel Anlauf und göttlichem Beistand preist die Stimme dieses Gedichts die Geliebte.

Paul Remer · 1867-1943

Gottes schönstes Kleid

Gott hüllt sich in vielerlei Pracht und viele Gewänder,
in Berg und Strom, in große Meere und Länder,
in rauschende Wälder, in hellauf springende Bronnen,
in wogende Felder, in steigende – sinkende Sonnen,
in Sommergewitter voll blitzedurchfurchtem Dunkel,
in Winternächte voll Klarheit und Sterngefunkel –
Doch von allen Gewändern sein schönstes Kleid
ist deiner Nacktheit atmende Herrlichkeit!

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Verliebt im Wald

Den Wald als stillen Rückzugsort für Verliebte preist hier der Dichter, wo selbst Gedichte nichts Anderes mehr sind als im Wind treibende Blätter.

Hans Benzmann · 1869-1926

Unterm dunkelgrünen Dache einer Eiche ...

Unterm dunkelgrünen Dache einer Eiche.
Über uns der seidenweiche, sommerbleiche,
Blaue Himmel, duftend um uns rötlich-braune
Harzige Fichtenstämme. Leises Grasgeraune.
Flügelschlagen zweier Dohlen hoch im Neste.
Raschelnd weht der laue, weiche Wind die Reste
Vom vergangnen Herbste übers flockige Moos.
Still in Frieden liegt mein Haupt in deinem Schoß,
Liegt auf meiner Stirn deine Mädchenhand,
Liegen unsre Augen liebend unverwandt
Ineinander; still in Frieden ziehen Lieder
Sommersinnig, liebesinnig hin und wieder
Durch die sonnige Seele mir ...
Mit grauem Stifte
Schreib’ ich eines nieder, lass es in die Lüfte
Laufen mit den dürren Blättern um die Wette ...
„Grüß die Welt vom Glück!“ An deiner goldnen Kette
Zieh’ ich küssend nieder deinen blonden Zopf ...
Durch den Wald klingt leises Spechtgeklopf ...

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Liebe ist Nervensache

Die Beatles wussten schon, warum sie „I wanna hold your hand“ sangen. Schon eine solch unaufdringliche Verbindung bringt die Nerven in Schwung, wie dieses Gedicht für Verliebte zeigt.

Georg Stolzenberg · 1857-1941

Schon ruht deine kleine fremde Hand ...

Schon ruht deine kleine fremde Hand
in meiner.

Ich fühle, wie dein warmes Leben
in mich strömt.

Durch alle Nerven!

Über ihre feinen Silbersaiten
schauern
Angst und Seligkeit.

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Liebestraum

Einer wacht, eine schläft, beide träumen den uralten Traum von „Ich hab dich lieb“.

Albert Sergel · 1876-1946

Im Traum

Du bist so müde ... Komm, wir gehn zur Ruh,
Dir fallen langsam schon die Augen zu.

Nun schläfst du wohl. Mir kommt es in den Sinn,
Ein Wörtchen Liebes sag ich vor mich hin:

„Ich hab dich lieb ...“ Mög es dich warm umwehn
Und dich behütend dir zur Seite stehn!

Ganz leise war’s. Ich hört es selber kaum.
Da sprichst du’s nach und lächelst froh im Traum.

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Liebe als Befreiung

Als einen Akt der Befreiung schildert das nächste Gedicht den Beginn einer Liebe.

Ernst Lissauer · 1882-1927

Du hast’s vollbracht

Du hast’s vollbracht,
Verwandelt ward ich über Nacht,
Du streiftest mich mit leichtem Zauberzweige.

Lag ich nicht gestern felsicht zugeschlossen,
Der ich heut, steil emporgegossen,
Ein Springbrunn, schäume, leuchte, steige?

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Märchenhafte Liebe

Ein märchenhafte Stimmung sucht dieses Gedicht für Verliebte zu verbreiten. Und wenn sie nicht gestorben sind ...

Albert Sergel · 1876-1946

Komm, gib mir die Hand ...

Komm, gib mir die Hand,
auf blühenden Wegen
gehn wir dem Glück entgegen,
wie Kinder im Märchenland.
Weiter, immer weiter ...

Bis über uns die Sterne stehn,
bis der Abendwind
uns einholt über die Heide
und Märchenschleier uns umwehn
von zarter dunkler Seide ...

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Ringelnatz für Verliebte

Wenn kein Weg zu weit, kein Hindernis zu hoch, dann wird man entweder von einer Horde Orks verfolgt oder ist verliebt. Ich würde beim folgenden Gedicht von Ringelnatz, trotz Ringelnatz, auf Letzteres tippen.

Ringelnatz: Zu dir

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Ein Gedicht für Verliebte von Rilke

Auf Rilke ist Verlass. Er kleidet auf seine Art das Verliebtsein in Bilder und Vergleiche.

Rilke: Das Leben ist gut und licht ...

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Liebe und Heilung

Die heilende Kraft der Liebe beschwört Karl Röttger in diesem Liebesgedicht. Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihre oder Ihren Ex.

Karl Röttger · 1877-1942

Ich will die Hände auf dich legen ...

Ich will die Hände auf dich legen,
Und meine Treue soll dich fest umschließen.
Du sollst den Kopf an meine Schulter legen,
Da soll die Ruhe schneeweich dich umschmiegen.
Da soll die Freude blumenhaft in dir aufsprießen.
Kein Zwiespalt soll sich nun mehr in dir regen.
– –
Und gar kein Fürchten wird mehr sein,
Und dies Gequältsein löst sich nun in Schweigen.
Mach zu die Augen. Sink in Träumen ein,
Hör: meine Lieder tanzen um dich ihren Reigen.

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Die Liebe in Gedanken

Dieses Liebesgedicht offenbart recht spät, dass es überhaupt ein Liebesgedicht ist. Dafür zeigt sich, wie wenig es braucht bei einem Verliebten, um all die Schönheiten der Welt in den Schatten zu stellen.

Emanuel Mireau · geb. 1974

Winterliebe

Und wieder
eine sternenlose Winternacht.
Und wieder
klatscht der Regen an die Fenster.

Ich denke an Berge,
die in majestätischer Ruhe vor blauem Himmel thronen.
– Es hilft nicht.

Ich denke ans Meer,
das bis zum Horizont in der Sonne glitzert.
– Es hilft nicht.

Ich denke an eine Blumenwiese,
die im Blütenrausch des Frühlings glüht.
– Es hilft nicht.

Ich denke an deine Telefonnummer
und bin erfüllt vom Klang deiner Stimme.
Das hilft.

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Alltagsliebe

Manchmal braucht die Liebe nicht viele Worte und so fällt auch dieses Liebesgedicht recht kurz aus.

Pauline Gümpel · geb. 1997

Alltag

Und feierlich
wollten wir ein bisschen
Zukunft zum Abendbrot essen.

Aber dann kamen
die Augen und die Herzen
und aßen uns.

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Die unmögliche Ferne

Wer liebt, ist nie dem anderen fern, egal wie weit entfernt der oder die Geliebte sein mag. Das ist die Quintessenz des folgenden Gedichts.

Ernst Lissauer · 1882-1927

Gebunden

Manche Menschen sind getrennt über Meilen,
Sie sind einander gebunden mit Seilen.

Sie sind getrennt über Jahr und Jahr
Und sind verwachsen mit Haut und Haar.

Und ob sie sich meiden nach allen Winden,
Es sind Segen gesprochen, welche sie binden.

Und wie Flüsse, vom Quellort hergezogen,
Werden sie ineinander gesogen.

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Gedicht an den Liebsten

Dass dieses Liebesgedicht schon etwas älter ist, erkennt man an der Art der Fortbewegung. Heutzutage würde man eben ins Auto, wenn man jemanden überraschen wollte.

Hans Böhm · 1876-1946

Liebster, heut bin ich den langen, langen Weg ...

Liebster, heut bin ich den langen,
Langen Weg zu dir gegangen.
Und ich traf dich nicht zu Haus.
Hab mich rasch darein gefunden,
Ging zurück die vielen Stunden
Und ich fand und kostet’s aus:
Wie das süß ist, für den andern –
Nein, nur für dich! – so zu wandern
Ohne Nutzen oder Dank;
Ein klein wenig Opferwehmut
Und viel Seligkeit und Demut ...
Schön war dieser Liebesgang.

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Liebesphantasie

Ist frau verliebt, kommt sie auf verrückte Ideen, z.B. gemeinsam sehr alt zu werden;-)

Walter Calé · 1881-1904

Und weißt du, Liebster ...

Beatrix spricht:
Und weißt du, Liebster, manchmal dacht’ ich heute
und dachte, wenn wir Kinder beide wären
und dann auf eine schöne Wiese gingen,
so gar nicht groß und voller Lieblichkeit,
und wenn wir Blumen pflückten dann und Halme,
die höher sind als wir und vieles schlanker
und du mir dann die schönen Blumen nähmest
und lachend liefst mit allen meinen Blumen
– ein böser Bube und ein kleines Mädchen –
und ich, ich säße da und weinte sehr,
verlassen auf der weiten, weiten Wiese,
um diese ganze, große, schlechte Welt:

Das wäre wunderschön, o Liebster, nicht?

Und weißt du, Liebster, manches dacht’ ich heute
und dachte, wenn wir alte Leute wären
und dann vor unserm kleinen Hause säßen,
so auf der lieben Bank am Feierabend,
und da die Menschen ab und zu spazieren
am Feierabend in der trauten Straße
– wir kennen alle längst und alle uns –
und grüßen dann und einer stehen bleibt,
ein Alterchen, und nickt und spricht und nickt:
„Vor dreißig Jahren, ja, das waren Zeiten –“
und wir dann nicken und die Köpfen schütteln:
„Ja, ja, Herr Nachbar, wie die Zeit vergeht!“
und viele Kinder spielen laut um uns:

Das wäre wunderschön, o Liebster, nicht?

Und weißt du, Liebster, manches dacht’ ich heute
und dachte ganz zuletzt ein Törichtes,
und ich getrau’ es kaum zu sagen, Liebster,
so töricht dacht’ ich; weißt du, was ich dachte?
„Wir wollen alle beide nimmer sterben!“

Das wäre wunderschön, o Liebster, nicht?

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