Unterm Lyrikmond

Gedichte lesen und hören, schreiben und interpretieren

Gedichte über Sehnsucht

Wenn’s schon eine Sucht sein soll, dann bitte Sehnsucht, obwohl auch hier, wenn man den Dichtern glauben darf, die Nebenwirkungen nicht geringe sind. Diese Auswahl von Gedichten über die Sehnsucht reicht von Goethe und bis ins 20. Jahrhundert.

 

Goethe über Sehnsucht

Interessant in Goethes Gedicht über die Sehnsucht ist das Wechselspiel von kurzen und langen Zeilen, vor allem weil der Satzbau über die Versgrenze hinaus geht. Das erzeugt erwartungsvolle Pausen.

Goethe: Nähe des Geliebten

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Sehnsucht zu Hause

Warten ist natürlich ein ganz großes Sehnsuchtsthema, in diesem Gedicht in der Variation Warten daheim.

Dauthendey: Komm heim

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Blinde Sehnsucht

Liebe macht bekanntlich blind und die Sehnsucht scheint diese Blindheit noch zu vertiefen, wie das folgende Gedicht zeigt.

Chamisso: Seit ich ihn gesehen ...

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Sehsucht in Naturgewalten

Recht gewaltig kommt dieses Sehnsuchtsgedicht daher. Die Erde, die Sonne, der Regen, das Meer, alle müssen mithelfen das Phänomen Sehnsucht zu veranschaulichen.

Mosen: Sehnsucht

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Die beflügelnde Kraft der Sehnsucht

Nicht stilles Leiden, sondern ein Stimmungshoch am frühen Wintermorgen beschert die Sehnsucht dem Ich in diesem Gedicht. Wobei lyrisches Ich und Dichter in diesem Fall sehr nahe beieinander sind, denn dieses Sehnsuchtsgedicht stammt aus einem Brief Mörikes an seine Verlobte Luise Rau. Dass es nicht zur Heirat kam, ist wiederum eine andere Geschichte.

Mörike: Sehnsucht

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Menschenleere Sehnsucht

Kein einziger Mensch erscheint in Heines sehnsüchtigen Zeilen, oder vielleicht doch?

Heine: Ein Fichtenbaum steht einsam ...

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Gedicht über Entfernung und Sehnsucht

Eine historische Romanze enthält dieses Gedicht über Sehnsucht, denn das Problem verwelkender Rosen bei weiter Entfernung hat sich heutzutage verlagert zur Furcht vor Funklöchern. Aber als nostalgischer Liebesgruß wäre die dritte Strophe sicher auch heute noch zu gebrauchen.

Lenau: An die Entfernte

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Sehnsuchtsgesang

In Verbindung mit süßen Mächten wird hier das Objekt der Sehnsucht ans Ziel gelotst.

Albert Sergel · 1876-1946

Dies war es, was die Liebste sang:

Meine Sehnsucht machte mich matt und müd
und gab nicht Ruh;
ich war in heimlichen Ängsten krank
nach dir, o du!

Und weiter ging der Tag ins Land
dem dämmerkühlen Abend zu,
und höher schwoll die Sehnsuchtsflut
und sang ihr Lied in die Sternenglut,
bis sie mit starker süßer Macht
dich hergebracht, Geliebter du! ...

Nun ist es gut ...

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Ein Gedicht über Sehnsucht und die Zeit

Die Sehnsucht bringt nach diesem Gedicht eine Art Relativitätstheorie der Zeit mit sich: Warten und Erwartung verlangsamen die Zeit, erfüllt sich die Sehnsucht, fliegt sie davon.

Liane Romer · geb. 1969

Gestern noch, da schmacht’ ich ...

Gestern noch, da schmacht’ ich,
heute schon, da dacht’ ich,
wenn es doch bloß morgen wär.
Nun ist morgen schon gewesen,
bin gerade so genesen,
wieder fällt das Warten schwer.

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Unerfüllbare Sehnsucht

Dass die oder der Geliebte gleichzeitig sehr nah und sehr fern sein kann, ist nichts Neues, doch verstärkt die Technik der modernen Zeit die Illusion der Nähe, wie das folgende Gedicht über Sehnsucht zeigt.

Petra Gellinger · 1960-2016

Mein Traum

Mein Herz rast, wenn ich an dich denke
Ich beuge mich der Liebe Macht
Glückselig bin ich schon vor Freude
Ich seh’ dich wieder heute Nacht

Den Abend kann ich kaum erwarten
Das Wiedersehn mit dir ist nah
Zu langsam rückt er vor der Zeiger
So lang ist’s her, dass ich dich sah

Dein Anblick lässt dahin mich schmelzen
Es ist so weit, du bist bei mir
Wahr wird der Traum, den ich oft träumte
Für immer wär ich gern bei dir

Wie schön du bist, ganz ohne Zweifel
Ich bin verliebt in einen Star
Der Spielfilm, ach – er ist zu Ende
Du bleibst ein Traum und wirst nicht wahr.

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Kommentar:
Mehr Gedichte von Petra Gellinger finden Sie auf ihrer eigenen Website: www.pia-goch.de.

 

Sehnsüchtiges Warten

Ein Liebesgedicht, das sich nicht reimt, weil es sich nicht reimen darf, wenn man das Ende ernst nimmt.

Schickele: Erwartung im Garten

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Sehnsuchtswesen

Auch Max Dauthendey bietet ein interessantes Reimschema, das die Aussage seines Gedichts über die Sehnsucht unterstützt. Erst nimmt er Paarreime, dann quillt ein Paarreim zum Haufenreim über, der durch eine ungereimte Zeile unterbrochen wird.

Dauthendey: Sehnsucht gab mir ihr weites Kleid

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Sehnsucht nach dem Unmöglichen

Das alte Lied: Ein alter Herr verliebt wie ein junger Kerl in eine schier unerreichbare Frau. Die Sehnsucht ist einfach nicht tot zu kriegen.

Storm: Bettlerliebe

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Gedicht über unerfüllte Sehnsucht

Geradezu getrommelt wirkt das folgende Sehnsuchtsgedicht. Sehnsucht scheint also jung zu halten.

Löns: Abendlied

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Kommentar:
Bei der Einschätzung „getrommelt“ hatte ich auch Hubert Kahs „Rosemarie“ im Ohr. Es gibt jedoch eine ganz untrommelhafte Vertonung von Fritz Jöde. Was aber in dem Gedicht auch drin steckt, zeigt die Mischung von Gesang und Rezitation des Ensembles des deutschen Theaters in Berlin.

 

Alterssehnsucht

Ein alternder Entertainer sehnt sich in diesem Gedicht auf seine alten Tage nach Liebe und Geborgenheit.

Albert Sergel · 1876-1946

Dem Ende zu ...

Silberflocken in den Haaren
und das Herze eingeschneit ...
Ist der Tanz noch kaum zu Ende,
geh ich einsam-still beiseit.

All mein Singen gäb ich gerne,
all mein Fiedelklingen her,
wenn ich wo in kleinem Häuschen
friedlichstill zu Hause wär.

Wenn ich wo zwei Hände wüsste,
sorglich um mein Wohl und Weh,
und zwei Lippen, die mich küssten,
eh den letzten Gang ich geh.

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Endstation Sehnsucht

Hier grübelt jemand darüber nach, ob es nicht besser ist ohne Sehnsucht. Die Zwiespältigkeit kommt auch formal in dem gespaltenen Reim am Schluss zur Geltung.

Altenberg: Und endlich stirbt die Sehnsucht doch

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