Unterm Lyrikmond

Gedichte lesen und hören, schreiben und interpretieren

Traurige Liebesgedichte 2

Liebe gibt es schon lange und vermutliche ebenso lang Fälle von trauriger Liebe. Auf dieser Seite finden sich die etwas älteren Liebesgedichte der traurigen Art, soll heißen Anfang des 20. Jahrhunderts ist hier Schluss mit traurig. Neueres hat dann Seite 1 der traurigen Liebesgedichte.

 

Erwartung und Wirklichkeit

Hohe Erwartungen, triste Wirklichkeit, traurig die Liebe, die nicht ausgesprochen werden kann. Ob’s wirklich nur der Regen war?

Löns: Verregnete Liebe

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Kein Glück in der Liebe

Ein Pechvogel in der Liebe zu sein, das ist ein altbekanntes Phänomen, wie das folgende traurige Liebesgedicht aus lang vergangenen Zeiten zeigt.

Louise Labé · 1524-1566

Ich lebe sterbend ...

Ich lebe sterbend, ich ertrink in Flammen;
Von Glut verzehrt, bin ich vor Frost erstarrt.
Zu weich ist mir das Leben und zu hart;
Aus großem Weh muss meine Freude stammen.

Ich lach mit Augen, die in Tränen schwimmen,
Noch bin ich froh und schon von Gram genarrt.
Mein flüchtig Wohl ist ohne Gegenwart,
Mein Grünen geht mit Welken stets zusammen.

So treibt mich Liebe launenhaft umher;
Und wenn ich mein’, ich könnt vor Schmerz nicht weiter,
Ist es vorbei, und nichts bedrückt mich mehr.

Doch wenn ich meiner Freude sicher schein
Und oben steh auf meiner Sehnsucht Leiter,
Dann stürzt sie mich hinab in meine Pein.

Aus dem Französischen übertragen von Richard von Schaukal

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Kommentar:
Zum Vergleich die französische Version und eine Übertragung von Rilke (Das achte Sonett).

 

Erinnerungen

Die Liebe in Erinnerungen eingeholt von der traurigen Realität, das ist das Thema dieses Liebesgedichts.

Liliencron: Das Kornfeld

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Kommentar:
Ganz ohne Reime geht es auch. An diesem Beispiel zeigt sich die lyrische Kraft des Trochäus (=Hebung-Senkung im Wechsel), der durch den stets gehobenen Versanfang und das ausklingende Senkungsende zum Ton des Gedichtes beiträgt. Wichtig ist hier auch die fünfte Kurzzeile einer jeden Strophe, die dem Gedicht die notwendige Abwechslung von den ersten vier Zeilen bringt und dadurch einen Rhythmus erzeugt.

 

Aufstieg und Fall einer Liebe

In diesem Gedicht wird der ganze Zyklus einer Liebe vom aufregenden Anfang bis zum Ende in Höflichkeit rekapituliert.

Chamisso: Lebewohl

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Kommentar:
Dass es in diesem Gedicht um eine gescheiterte Liebe geht, wird auch formal ausgedrückt. Alle Verse enden mit einer Hebung (männliche Kadenz), was die Tendenz hat, Verse stärker zu trennen, Pausen zu verlängern. Und es gibt nur zwei Zeilensprünge im gesamten Gedicht: zu Beginn der zweiten Strophe und am Schluss der dritten. Der Rest ist a href="lexikon/zeilenstil.php">Zeilenstil: Jeder Vers steht für sich allein.

 

Das traurige Gedicht von der Liebeslüge

Wenn Dialoge nur noch Monologe werden und einer nicht mehr glaubt, was der andere sagt, dann muss die Liebe traurigerweise dran glauben.

Bierbaum: Er merkt etwas

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Über die Traurigkeit einer geheimen Liebe

Warum diese Liebe geheim sein muss, verrät der Dichter nicht. Vielleicht nur des Gedichtes wegen? Wie dem auch sei, traurig ist der Fall allemal.

Brentano: Geheime Liebe

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Die traurige Seite der Liebe

Spioniert er ihr hinterher oder ist es ein Fall von nicht offenbarter Liebe? Das wird im Gedicht nicht ausdrücklich gesagt, nur eines ist klar: Diese Liebe ist ein trauriger Fall.

Walter Calé · 1881-1904

So schrittest du vorüber diese Nacht ...

So schrittest du vorüber diese Nacht,
da mich die Schatten bargen deinen Blicken:
im Schwarme kehrtest du von lautem Feste,
und alle Straßen hallten eure Tritte,
und nahtest du und lächelst und wiegend
und Wechselreden tauschend in dem Schwarme,
und deine weißen Kleider blinken auf
und blinken durch die Nacht und winken ferner
und sinken alle und versinken dunkel,
und klang ein Lachen noch und irrt’ und schwand.
So schrittest du vorüber diese Nacht,
da mich die Schatten bargen deinen Blicken.

Worauf ich tiefen Sinnes heimwärts lenkte;
und alsbald – des Schlummers harrte ich –
erhub es sich wie neben meinem Lager
und war wie eine Stimme, welche klagte
und klagte laut die ganze schwere Nacht.

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Trauriges Liebesalter

So geht’s im Alter. Was früher das Herz gehoben hätte, ist jetzt nur noch Anlass für wehmütige Gedanken. Es geht allerdings auch anders, wie manch ein prominenter älterer Herr bewiesen hat, dem 30 bis 40 Jahre Altersunterschied nichts waren.

Geibel: O sieh mich nicht so lächelnd an

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Noch ein trauriges Liebesgedicht von Emanuel Geibel

Hier wird noch mal das alte Lied von der unerwiderte Liebe gesungen. Selbst das Metrum ist hin- und hergerissen.

Geibel: Wolle keiner mich fragen

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Und am Schluss der Wein ...

Konjunktivisch vielsprechend und gar nicht so traurig fängt dieses Gedicht an, doch dann bekommt das Präsens die Überhand, und am Schluss bleibt nur Wein und Weinen.

Adam Asynk · 1838-1897

O, würd ich jünger sein!

O Mädel, würd ich jünger sein,
O welch ein Glück!
Dann würd ich niemals trinken Wein,
Nur Nektar bloß aus deinem Blick
O, jünger sein!

Du wärest mir vielleicht dann gut,
O goldnes Ziel!
Dies Wort allein macht glühn mein Blut,
Denn ach, es wär des Glücks zu viel:
Wärst du mir gut!

Dann wären nichts die Sterne mir
Und auch der Mond;
Ich würde alles weihen dir,
Von Glück durchstrahlt, durchglüht, durchsonnt,
Ja, alles dir!

Die Sonne würd ich dann verschmähn;
Des Frühlings Pracht
Sogar könnt nicht vor dir bestehn;
Vor deiner zauberreichen Macht ...
Könnt nicht bestehn.

Doch leider bin ich schon zu alt,
Dass fordern ich sollt,
Dass mir dein Herz entgegenwallt.
Drum spiel ich mit des Liedes Gold ...
Ich bin zu alt.

Und deshalb meide ich dich weit,
O Engel du!
Mein Stolz verschmäht der Liebe Leid ...
Und voller Sehnen, ohne Ruh
Entflieh ich weit.

Ich lächle still und trinke Wein,
Mit Tränen vermengt.
Vergangnes hüllt mich leise ein,
Von grauen Nebeln eng umdrängt ...
Ich trinke Wein ...

(Aus dem Polnischen übertragen von Lorenz Scherlag)

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Ein trauriges Liebesgedicht von Wilhelm Busch!

Ja, kein Witz. Es dürfte nicht leicht sein, in diesem Gedicht noch Spuren von Humor zu entdecken. Ein bisschen was liegt schon noch drunter, aber eine Ratte, die jemanden ins Herz beißt? Das ist nicht lustig, sondern tieftraurig.

Busch: Schreckhaft

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Eine traurige Gesellschaft

Hier liegen die Probleme nicht bei den Liebenden, sondern in der Missbilligung der Außenwelt. Man sollte das nicht als Problem vergangener Jahrhunderte abtun. Mit ein bisschen Nachdenken findet sicher jeder eine Paarkonstellation, bei der er zumindest erst mal komisch gucken würde.

Bürger: An die Menschengesichter

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