Unterm Lyrikmond

Gedichte lesen und hören, schreiben und interpretieren

Traurige Liebesgedichte

Wo Glück ist, da muss es Unglück geben, und wo großes Glück ist, wie in der Liebe, na ja, da gibt es auch das Andere im großen Maße. Hier soll es um die Schattenseiten der Liebe gehen: Paare, die nicht zueinander finden. Die Gründe für ein trauriges Liebesgedicht können sehr verschieden sein. Mal liegt es bei den Liebenden selbst, mal gibt es zerstörende Einflüsse von außen, nur traurig ist es immer.

 

Erwartung und Wirklichkeit

Hohe Erwartungen, triste Wirklichkeit, traurig die Liebe, die nicht ausgesprochen werden kann. Ob’s wirklich nur der Regen war?

Löns: Verregnete Liebe

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Kein Glück in der Liebe

Ein Pechvogel in der Liebe zu sein, das ist ein altbekanntes Phänomen, wie das folgende traurige Liebesgedicht aus lang vergangenen Zeiten zeigt.

Louise Labé · 1524-1566

Ich lebe sterbend ...

Ich lebe sterbend, ich ertrink in Flammen;
Von Glut verzehrt, bin ich vor Frost erstarrt.
Zu weich ist mir das Leben und zu hart;
Aus großem Weh muss meine Freude stammen.

Ich lach mit Augen, die in Tränen schwimmen,
Noch bin ich froh und schon von Gram genarrt.
Mein flüchtig Wohl ist ohne Gegenwart,
Mein Grünen geht mit Welken stets zusammen.

So treibt mich Liebe launenhaft umher;
Und wenn ich mein’, ich könnt vor Schmerz nicht weiter,
Ist es vorbei, und nichts bedrückt mich mehr.

Doch wenn ich meiner Freude sicher schein
Und oben steh auf meiner Sehnsucht Leiter,
Dann stürzt sie mich hinab in meine Pein.

Aus dem Französischen übertragen von Richard von Schaukal

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Kommentar:
Zum Vergleich die französische Version und eine Übertragung von Rilke (Das achte Sonett).

 

Das große Schweigen

Dieses traurige Liebesgedicht beschreibt das seltsame Phänomen, dass jemand mit jedermann reden kann, doch die Liebe ihn zum Schweigen bringt.

Hans Böhm · 1876-1946

Arm

Mit anderen sprech ich
Und schweige vor dir.
Zu anderen lach ich,
Starr bin ich bei dir.

Den anderen geb ich,
Nichts hab ich für dich.
Mit anderen leb ich,
Und sterb um dich.

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Vergangen, vergeblich, verliebt

Mit einem sehr eindringlichen Bild erinnert Max Dauthendey an eine traurige Liebesgeschichte.

Dauthendey: Einst kniete ein Mensch vor dir nieder ...

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Kommentar:
Max Dauthendey arbeitet hier mit Halbreimen, Assonanzen genannt. Um als Assonanz durchzugehen, müssen die Vokale gleich sein, nicht aber die Konsonanten. Daher erzeugt die Kette nieder-Liedern-vorüber trotzdem einen Gleichklang, der in diesem Fall etwas irritierend wirkt.

 

Erinnerungen

Die Liebe in Erinnerungen eingeholt von der traurigen Realität, das ist das Thema dieses Liebesgedichts.

Liliencron: Das Kornfeld

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Kommentar:
Ganz ohne Reime geht es auch. An diesem Beispiel zeigt sich die lyrische Kraft des Trochäus (=Hebung-Senkung im Wechsel), der durch den stets gehobenen Versanfang und das ausklingende Senkungsende zum Ton des Gedichtes beiträgt. Wichtig ist hier auch die fünfte Kurzzeile einer jeden Strophe, die dem Gedicht die notwendige Abwechslung von den ersten vier Zeilen bringt und dadurch einen Rhythmus erzeugt.

 

Aufstieg und Fall einer Liebe

In diesem Gedicht wird der ganze Zyklus einer Liebe vom aufregenden Anfang bis zum Ende in Höflichkeit rekapituliert.

Chamisso: Lebewohl

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Kommentar:
Dass es in diesem Gedicht um eine gescheiterte Liebe geht, wird auch formal ausgedrückt. Alle Verse enden mit einer Hebung (männliche Kadenz), was die Tendenz hat, Verse stärker zu trennen, Pausen zu verlängern. Und es gibt nur zwei Zeilensprünge im gesamten Gedicht: zu Beginn der zweiten Strophe und am Schluss der dritten. Der Rest ist a href="lexikon/zeilenstil.php">Zeilenstil: Jeder Vers steht für sich allein.

 

Das traurige Gedicht von der Liebeslüge

Wenn Dialoge nur noch Monologe werden und einer nicht mehr glaubt, was der andere sagt, dann muss die Liebe traurigerweise dran glauben.

Bierbaum: Er merkt etwas

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Über die Traurigkeit einer geheimen Liebe

Warum diese Liebe geheim sein muss, verrät der Dichter nicht. Vielleicht nur des Gedichtes wegen? Wie dem auch sei, traurig ist der Fall allemal.

Brentano: Geheime Liebe

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Die traurige Seite der Liebe

Spioniert er ihr hinterher oder ist es ein Fall von nicht offenbarter Liebe? Das wird im Gedicht nicht ausdrücklich gesagt, nur eines ist klar: Diese Liebe ist ein trauriger Fall.

Walter Calé · 1881-1904

So schrittest du vorüber diese Nacht ...

So schrittest du vorüber diese Nacht,
da mich die Schatten bargen deinen Blicken:
im Schwarme kehrtest du von lautem Feste,
und alle Straßen hallten eure Tritte,
und nahtest du und lächelst und wiegend
und Wechselreden tauschend in dem Schwarme,
und deine weißen Kleider blinken auf
und blinken durch die Nacht und winken ferner
und sinken alle und versinken dunkel,
und klang ein Lachen noch und irrt’ und schwand.
So schrittest du vorüber diese Nacht,
da mich die Schatten bargen deinen Blicken.

Worauf ich tiefen Sinnes heimwärts lenkte;
und alsbald – des Schlummers harrte ich –
erhub es sich wie neben meinem Lager
und war wie eine Stimme, welche klagte
und klagte laut die ganze schwere Nacht.

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Trauriges Liebesalter

So geht’s im Alter. Was früher das Herz gehoben hätte, ist jetzt nur noch Anlass für wehmütige Gedanken. Es geht allerdings auch anders, wie manch ein prominenter älterer Herr bewiesen hat, dem 30 bis 40 Jahre Altersunterschied nichts waren.

Geibel: O sieh mich nicht so lächelnd an

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Noch ein trauriges Liebesgedicht von Emanuel Geibel

Hier wird noch mal das alte Lied von der unerwiderte Liebe gesungen. Selbst das Metrum ist hin- und hergerissen.

Geibel: Wolle keiner mich fragen

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Ein trauriges Liebesgedicht von Wilhelm Busch!

Ja, kein Witz. Es dürfte nicht leicht sein, in diesem Gedicht noch Spuren von Humor zu entdecken. Ein bisschen was liegt schon noch drunter, aber eine Ratte, die jemanden ins Herz beißt? Das ist nicht lustig, sondern tieftraurig.

Busch: Schreckhaft

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Liebesmonolog

Der folgende Dialog scheint eher ein Monolog der inneren Stimme zu sein, die einem einfachen Patentrezept aus der Politik folgt: Man muss eine Lüge nur oft genug aussprechen, dann wird sie als Wahrheit geglaubt.

Georgi Kratochwil · geb. 1979

Lächerlich

Ich sag es ihr.
      Du machst dich lächerlich.
Nein, ich sag es ihr.
      Du machst dich lächerlich.
Aber ich liebe sie.
      Du machst dich lächerlich.
Aber ich muss es ihr sagen.
      Du machst dich lächerlich.
Aber irgendwann muss es doch sein.
      Du machst dich lächerlich.
Ich will doch auch ...
      Du machst dich lächerlich.
Ich möchte ...
      Du machst dich lächerlich.
Ich ...
      Du machst dich lächerlich.
O.K., ich lass es.

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Kurz vor Schluss

In einem traurigen Zustand befindet sich die Liebe in diesem Gedicht, die letzte Nacht scheint angebrochen.

Karl Schloß · 1876-1944

Die Sonne ist die Sonne nicht mehr

Die Sonne ist die Sonne nicht mehr,
Die Luft ist wie Blei so schwer,
Die Sonne ist nur noch ein roter Flecken,
Die Sonne bleibt im Nebel stecken.

Die Winde werden alle kalt,
Die Winde machen nie mehr halt,
Und wenn sich unsre Blicke nicht finden,
Müssen auf ewig wir erblinden.

Wir haben nur noch drei Tropfen Blut,
Wir haben nur noch drei Funken Glut,
Das Blut will ich für deinen Mund bewahren,
Die Glut will ich für deine Fingerchen sparen.

Wir haben nur noch eine einzige Nacht,
Dann wird kein Mund mehr sein, der lacht,
Dann sind alle Sterne heruntergefallen,
Dann sind wir die Allerärmsten von allen.

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Trauriges Gedankenspiel

Zu viel Glück in der Liebe tut manchem nicht gut, so dass er sich sein Unglück zumindest in Gedanken ausmalen muss, wie dieses Gedicht einer eingebildeten Trennung zeigt.

Dauthendey: Wie Tote liegen aufgebahrt im Tag die Tage

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Entschuldigungsgedicht

Im Überschwang der Gefühle Grenzen zu überschreiten mag in einem Augenblick eine gute Idee sein, aber dieses Gedicht zeigt, der Wahn ist kurz, die Reu ist lang.

Klabund: Vergib mir

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Eine traurige Gesellschaft

Hier liegen die Probleme nicht bei den Liebenden, sondern in der Missbilligung der Außenwelt. Man sollte das nicht als Problem vergangener Jahrhunderte abtun. Mit ein bisschen Nachdenken findet sicher jeder eine Paarkonstellation, bei der er zumindest erst mal komisch gucken würde.

Bürger: An die Menschengesichter

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Hinweis: Gedichte von Liebe und Tod zielen in die gleiche Richtung wie die Texte auf dieser Seite.