Unterm Lyrikmond

Gedichte lesen und hören, schreiben und interpretieren

Traurige Liebesgedichte 1

Wo Glück ist, da muss es Unglück geben, und wo großes Glück ist, wie in der Liebe, na ja, da gibt es auch das Andere im großen Maße. Hier soll es um die Schattenseiten der Liebe gehen: Paare, die nicht zueinander finden. Die Gründe für ein trauriges Liebesgedicht können sehr verschieden sein. Mal liegt es bei den Liebenden selbst, mal gibt es zerstörende Einflüsse von außen, nur traurig ist es immer.

 

Das große Schweigen

Dieses traurige Liebesgedicht beschreibt das seltsame Phänomen, dass jemand mit jedermann reden kann, doch die Liebe ihn zum Schweigen bringt.

Hans Böhm · 1876-1946

Arm

Mit anderen sprech ich
Und schweige vor dir.
Zu anderen lach ich,
Starr bin ich bei dir.

Den anderen geb ich,
Nichts hab ich für dich.
Mit anderen leb ich,
Und sterb um dich.

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Liebesmonolog

Der folgende Dialog scheint eher ein Monolog der inneren Stimme zu sein, die einem einfachen Patentrezept aus der Politik folgt: Man muss eine Lüge nur oft genug aussprechen, dann wird sie als Wahrheit geglaubt.

Georgi Kratochwil · geb. 1979

Lächerlich

Ich sag es ihr.
      Du machst dich lächerlich.
Nein, ich sag es ihr.
      Du machst dich lächerlich.
Aber ich liebe sie.
      Du machst dich lächerlich.
Aber ich muss es ihr sagen.
      Du machst dich lächerlich.
Aber irgendwann muss es doch sein.
      Du machst dich lächerlich.
Ich will doch auch ...
      Du machst dich lächerlich.
Ich möchte ...
      Du machst dich lächerlich.
Ich ...
      Du machst dich lächerlich.
O.K., ich lass es.

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Vergangen, vergeblich, verliebt

Mit einem sehr eindringlichen Bild erinnert Max Dauthendey an eine traurige Liebesgeschichte.

Dauthendey: Einst kniete ein Mensch vor dir nieder ...

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Kommentar:
Max Dauthendey arbeitet hier mit Halbreimen, Assonanzen genannt. Um als Assonanz durchzugehen, müssen die Vokale gleich sein, nicht aber die Konsonanten. Daher erzeugt die Kette nieder-Liedern-vorüber trotzdem einen Gleichklang, der in diesem Fall etwas irritierend wirkt.

 

Gedicht über eine strahlende Liebe

Was zunächst daherkommt wie ein Werbespot der Fünfziger Jahre zerfällt am Schluss strahlend in die bittere Realität einer Liebe

Samira Schogofa · geb. 1958

Liebe

Strahlend möchtest du mich seh’n.
Strahlend findest du mich schön.
Strahlend reich’ ich dir die Speisen.
Strahlend muss ich stets beweisen,
dass ich deiner würdig bin.
Strahlen ist mein Lebenssinn.
Strahlend zeig’ ich, dass ich tauge,
und ich kaschier’ mein blaues Auge.

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Die eine Frage

Die Frage in diesem traurigen Liebesgedicht sollte man sich, sollte man dem anderen besser nicht stellen. Zu lieben heißt auch vergessen.

Leo Sternberg · 1876-1937

So glücklich wir waren –

So glücklich wir waren, es kommt nachher
eine Frage, die macht mir das Herz so schwer:
Wie war es mit dem andern?

Dem andern, des Liebe sie erst verhehlt
und dann gezwungen, nur halb erzählt. –
Wie war es mit dem andern?

Ich will sie nicht fragen. Es quält sie so,
und ich würde der Wahrheit auch nimmer froh,
wie es war mit dem andern.

Ja, hätte sie treu mir auch alles erzählt,
dächte doch: wer weiß, ob nicht noch was fehlt!
Wie war es mit dem andern?

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Schlechter Anfang

In diesem traurigen Liebesgedicht offenbart sich, dass von Anfang an der Wurm drin war, auch am sparsamen Reimschema.

Samira Schogofa · geb. 1958

Immer da

Ich weiß noch, wie der Anfang war.
Schon damals war er sonderbar.
Allmählich wurde mir dann klar,
im Anfang schon das Ende war.
Das klingt vielleicht recht undankbar.
So vieles war recht annehmbar.
Wenngleich ein Schmerz, zwar unsichtbar
war immer da.

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Kurz vor Schluss

In einem traurigen Zustand befindet sich die Liebe in diesem Gedicht, die letzte Nacht scheint angebrochen.

Karl Schloß · 1876-1944

Die Sonne ist die Sonne nicht mehr

Die Sonne ist die Sonne nicht mehr,
Die Luft ist wie Blei so schwer,
Die Sonne ist nur noch ein roter Flecken,
Die Sonne bleibt im Nebel stecken.

Die Winde werden alle kalt,
Die Winde machen nie mehr halt,
Und wenn sich unsre Blicke nicht finden,
Müssen auf ewig wir erblinden.

Wir haben nur noch drei Tropfen Blut,
Wir haben nur noch drei Funken Glut,
Das Blut will ich für deinen Mund bewahren,
Die Glut will ich für deine Fingerchen sparen.

Wir haben nur noch eine einzige Nacht,
Dann wird kein Mund mehr sein, der lacht,
Dann sind alle Sterne heruntergefallen,
Dann sind wir die Allerärmsten von allen.

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Traurige Vorstellung

Man muss sich das Ende einer Liebe nur intensiv genug vorstellen, dann kommt es auch ganz bestimmt und man kann ein trauriges Liebesgedichte darüber schreiben. Beweis:

Mackay: So wird es kommen ...

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Trauriges Gedankenspiel

Zu viel Glück in der Liebe tut manchem nicht gut, so dass er sich sein Unglück zumindest in Gedanken ausmalen muss, wie dieses Gedicht einer eingebildeten Trennung zeigt.

Dauthendey: Wie Tote liegen aufgebahrt im Tag die Tage

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Entschuldigungsgedicht

Im Überschwang der Gefühle Grenzen zu überschreiten mag in einem Augenblick eine gute Idee sein, aber dieses Gedicht zeigt, der Wahn ist kurz, die Reu ist lang.

Klabund: Vergib mir

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Hinweis: Gedichte von Liebe und Tod zielen in die gleiche Richtung wie die Texte auf dieser Seite.

Und noch ein Hinweis: Die passende traurige Musik zum Thema bietet Claude Chalhoub: