Unterm Lyrikmond

Gedichte lesen und hören, schreiben und interpretieren

Guten-Morgen-Gedichte 1

Gibt’s etwas Schöneres für Schlafmützen als am Morgen gleich mit einem aufmunternden Gedicht begrüßt zu werden? Wahrscheinlich ja, nämlich weiterschlafen. Das habe ich hier nicht im Angebot, sondern Guten-Morgen-Gedichte als Muntermacher.

 

Ein Guten-Morgen-Gedicht von Ringelnatz

So einen Morgen, wie Ringelnatz ihn in seinem Gedicht schildert, möchte ich auch mal erleben. Hier in meiner Gegend stimmt irgendwas mit der Schwerkraft nicht, sie ist morgens viel stärker als sonst.

Ringelnatz: Morgenwonne

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Ein königlicher Morgen

Das Aufwachen am königlichen Hofe muss ein ganz besonderes Vergnügen sein, dass allerdings jetzt auch für jedermann zu haben ist, vorausgesetzt man hat eine Prinzessin an Bord:

Hans Retep · geb. 1956

Prinzessin am Morgen

Prinzessin am Morgen vertreibt alle Sorgen,
Prinzessin am Morgen bringt Sonne und Licht.
Wer will sich noch um morgen sorgen,
sieht er am Morgen der Prinzess’ Gesicht.

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Ein Guten-Morgen-Gedicht für den Schatz

Bei diesem Guten-Morgen-Gedicht wird eine spektakuläre Tagesplanung gleich mitgeliefert. Wer die verschlafen will, ist kein Gold-, sondern ein Bleischatz.

Emanuel Mireau · geb. 1974

Auf, auf, mein Schatz

Auf, auf, mein Schatz, der Morgen ist da!

Lass uns die Perlen von Gräsern stibitzen
und von der warmen Sonne trinken.

Lass uns den blauen Himmel verschlingen
und ihn mit Blütenfarben schminken.

Auf, auf! Lass uns lieben den ganzen Tag.

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Kinder am Morgen

Kinder am Morgen vertreiben Kummer und Sorgen. Das reimt sich und muss deshalb wahr sein und wenn nicht, dann ist zumindest wahr im folgenden Gedicht:

Richard von Schaukal · 1874-1942

Früh

Wenn die Morgensonne in die Fenster scheint
Und in ihren Betten sich die Kinder heben,
Ausgeschlafen, lächelnd: O du segnendes Leben,
So, so hab ich’s gemeint.

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Vom Schlaf zur Tat

Ein richtiger Wachschüttler ist dieses Guten-Morgen-Gedicht, das in Motivationstrainermanier zu großen Taten anregen soll, wie z.B. ein Auge zu öffnen.

Gustav Schüler · 1868-1938

Wach auf

Wach auf, da schon der Morgen
Die Wolken überflammt.
Lass, was in Nacht verborgen,
Und üb des Tages Amt.

Das ist: In Höhen greifen,
So hoch es nur gelingt.
Das ist: In Welten streifen,
So weit der Fuß nur dringt.

Das ist: Zum Guten halten
Die ungewohnte Hand.
Das ist: In Werken walten,
Was nur die Kraft umspannt.

Das ist: Zum Großen dringen,
So weit es heute geht,
Und alles niederzwingen,
Was klein im Wege steht!

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Ein Guten-Morgen-Gedicht von Rilke

Auch Rilke hat ein paar liebevolle Worte zum Morgen parat und liefert am Schluss eine sehr moralische Spruchweisheit.

Rilke: Tagelied

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Frühlingsmorgen zu zweit

Man könnte glauben, in diesem Gedicht ist jemand im Paradies aufgewacht, dabei ist es nur ein Morgen auf der guten, alten Erde.

Karl Röttger · 1877-1942

Nun lächle du ...

Nun lächle du – und sieh mich an –
Wir wollen in den Morgen gehen,
In Frühlingsmorgen, wo nun schon
Die Kirschen ganz in Blüten stehen.

Und Mandeln stehen wo auf Beeten
Und scheinen rötlich in den Glanz
Des Morgens; der hüllt unsrer Seelen
Tauschschwere und nachtdunkle Trauer
Mit einem Silberlächeln ganz.

Dies ist die süße Gegenwart,
Die gleitet sacht, die gleitet leise,
Man merkt es kaum, man lächelt hin,
Und man vergisst so Fahrt und Reise ...

Wir wollen in den Garten gehen,
Da blühen Kirschen, Mandeln schön
Wir sind schon heim. Die Bäume stehen
In Glanz. – Wir sehn uns lächelnd an. –

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Morgensonnenstrahl

Dies ist ein Gedicht über einen Morgensonnenstrahl, der nur einen Augenblick nicht aufpasste und da war’s um ihn geschehen.

Albert Sergel · 1876-1946

In unser Blütenzimmer sich stahl ...

In unser Blütenzimmer sich stahl
ein goldener Morgensonnenstrahl.

Ob er dich weckte, ich weiß es nicht ...
verschlafen blinzelst du ins Licht.

Er hat sich in deinen Augen gefangen
und blieb tagsüber darinnen hangen.

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Schlafen und Wachen

Er wacht, sie schläft, und beide sind glücklich am Morgen. Was will man mehr?

Hugo Salus · 1866-1929

Morgentraum

Der Morgenstrahl küsst dein geschlossnes Lid,
Ich liege wach und grüß’ zu dir hinüber,
Beseligt durch den Blick auf deinen Frieden.
Da wird ein göttlich Glück mir sanft beschieden:
Ich schau’, wie deinen Mund der Schlummer flieht,
Ein Augenblickchen nur, und seh’ ihn süß
Schon weiterschlummernd meinen Namen hauchen.
Wie drängt’s mich, zärtlich da hinabzutauchen
In deine Zärtlichkeit! Und was bewies
Ich da für Liebe, meiner Glut zu wehren!
Ich atme kaum, dein Traumglück nicht zu stören ...

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Amsellied am Morgen

Was die Amseln am frühen Morgen singen, hat wohl noch niemand entschlüsselt, und das ist beste Voraussetzung dafür, nach Dichterart wilde Behauptungen in die Welt zu setzen.

Hans-Peter Kraus · geb. 1965

Ich bin

Grauer Morgenregen;
nur eine Amsel
singt das Lied
„Ich bin“:

Ob Nassherab, ob Trockenöd:
Ich bin.
Ob Luftgekreisch, ob Ästestill:
Ich bin.
Ob Weißerstarrt, ob Flimmerhitz:
Ich bin.

Es ist heller geworden.
Der Regen hat aufgehört.
Die Amsel ist
wo auch immer.

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Aufstehn oder nicht Aufstehn - das ist hier das Gedicht

Schlafmütze und Morgenhummel liefern sich in diesem Gedicht ein Duell ums Aufstehn oder Liegenbleiben.

Georgi Kratochwil · geb. 1979

Duell im Morgengrauen

Aufstehn! Aufstehn!
Die Sonne schon am Himmel lacht.
Geh weg! Geh weg!
In meinem Kopf ist tiefste Nacht.

Aufstehn! Aufstehn!
Es gibt auch heute viel zu tun.
Geh weg! Geh weg!
Ich leg kein Ei, ich bin kein Huhn.

Aufstehn! Aufstehn!
Wer fleißig ist, der kann gut ruhn.
Geh weg! Geh weg!
Ich lieg ja schon, ich muss nichts tun.

Aufstehn! Aufstehn!
Den Tag vergammeln ist nicht nett.
Ach was, ach was,
so richtig nett ist’s nur im Bett.

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Ein Morgen auf Expressionistisch

Jakob van Hoddis als Vorzeige-Expressionist braucht etwas Anlauf, um von einem grauen Großstadtmorgen zu einem Guten-Morgen-Fünfzeiler zu kommen.

Hoddis: Morgens

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Vom Morgengrauen zum Licht

Den morgendlichen Prozess vom ersten Grauen bis zum sich rot färbenden Himmel beschreibt dieses Gedicht.

Otto zur Linde · 1873-1938

Oh Morgengraun ...

Oh Morgengraun!
Wie aus dem Dunklen drängt
Der Himmel doch herein!
Als flösse Luft mit trübem Licht
Von fernher in die dumpfe Welt;
Das Dunkel dämpft, ist Rauch, und zieht wie Nebelruß
In eine andre Welt – – nun ist zu atmen
Der Raum schon leerer, Licht strömt ein
In immer klarern Bächen; nun die Flut
Ganz nah an meinem Herzen ...
Licht ist leuchtend!
Und dann erst brennt der Morgen wie ein Rosenstrauch.

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