Unterm Lyrikmond

Gedichte lesen und hören, schreiben und interpretieren

Gedichte als Mutmacher 1

Das Leben ist nun mal kein ewiger Sonnenschein. Da gibt es dunkle Stunden, Nebel verhüllt die Sicht, doch dann hilft möglicherweise ein Gedicht, neue Perspektiven zu eröffnen, alles Trübe zu erhellen, kurz gesagt: Mut zu machen, sich wieder dem Kampf zu stellen. Und wer weiß, vielleicht ist gar kein Kampf nötig, sondern nur ein aufrechter Gang.

 

Gedicht über einen Neubeginn

Dieses Gedicht propagiert, jeden neuen Tag als Chance für einen neuen Beginn zu verstehen. Also eigentlich setzt der Dichter auf die Heilkraft des Schlafes, ohne ihn jedoch zu erwähnen.

Hans Retep · geb. 1956

Ein neuer Tag

Ein neuer Tag heißt neu beginnen:
So viel, das gestern wichtig,
das gestern schmerzhaft,
das gestern drückend war,
ist heute schon vergessen.
Der neue Tag, er sei dein Star.
Drum lass ihn singen, lass ihn tanzen,
mit Freude um das Gute ringen
und Sterne in den Himmel stanzen.
Begeh den Tag mit allen Sinnen!
Ein neuer Tag heißt neu beginnen.

UrheberrechtshinweisGedicht per E-Mail versenden

 

Mut zum Tanz

Die Leichtigkeit des Tanzes preist dieses Gedicht als Mutmacher, denn schon vor hundert Jahren wusste der Dichter: Bewegen bringt Segen.

Dehmel: Verklärung

Dieses Gedicht im TextformatGedicht per E-Mail versenden

 

Gedicht über ein mutmachendes Wunder

Wunder, welches Wunder? Darüber sagt das Gedicht nichts. Trotzdem kann man dieses Gedicht auch ohne den Zusammenhang zu kennen als Aufputschmittel nutzen.

Toller: Das Wunder ist da ...

Dieses Gedicht im TextformatGedicht per E-Mail versenden

Kommentar:
Das Wunder sind Schwalben, die in der Zelle des Festungsgefangenen Toller nisten, ausführlich beschrieben im Schwalbenbuch.

 

Aufruf zum Kampf

Was dieses Gedicht sympathisch macht, ist der Aufruf an sich selbst – und nicht an andere – zum Kampf, wobei die Süße des sich Ergebens nicht verschwiegen wird.

Mühsam: Die Pflicht

Dieses Gedicht im TextformatGedicht per E-Mail versenden

 

Die Erde erinnert sich

Wenn man glaubt von allen vergessen zu sein, dann hat dieses Gedicht doch noch eine frohe Botschaft, die Mut macht.

Lissauer: Qual hatte ausgelöscht mein jauchzendes Angesicht

Dieses Gedicht im TextformatGedicht per E-Mail versenden

 

Eine mutmachende Schachpartie

Schachspieler reden eigentlich während der Partie nicht miteinander. Von daher muss man sich das Gedicht als stummen Dialog vorstellen, der mit Schachzügen durchgeführt wird.

Georgi Kratochwil · geb. 1979

Die Schachpartie

Du verlierst.
Nein, nein.
Du verlierst.
Nein, nein.
Du verlierst.
Lass sehn.
Du verlierst.
Lass sehn.
Du verlierst.
OK.
Du verlierst.
OK.
Du verlierst.
Ja und?
Du verlierst.
Ja und?
Du verlierst.
Trotzdem.
Du verlierst.
Trotzdem.
Du verlierst.
Mal sehn.
Du verlierst.
Mal sehn.
Du verlierst.
Ach ja?
Du verlierst.
Ach ja?
Du …
Ja was?
Du …
Ja was?
Oh.

UrheberrechtshinweisGedicht per E-Mail versenden

 

Mutmacher-Nacht

Erstaunlicherweise holt das lyrische Ich in diesem Gedicht den Mut aus einer Sternennacht, die doch die Erde so klein und unbedeutend erscheinen lässt.

Oskar Wöhrle · 1890-1946

Nacht unter freiem Himmel

O lieber Atem lieber Nacht!
O Lust am Leben! Herz, wie schlägt
Mein Sein mit unerhörter Macht!
Wie springt die Woge, die mich trägt!
Wie ist die Erde eng und klein
Für all die Lust, die mich umhüllt!
Ich möchte Gott, der Trinker, sein,
Der sich sein Glas mit Sternen füllt!

Gedicht per E-Mail versenden

 

Der Mut zur Geduld

Eigentlich ist es trivial, was in diesem Gedicht beschrieben wird: Aus einem Kleinen wird etwas Großes. Und doch sollte man sich immer wieder daran erinnern, wenn die grauen Tage gar nicht enden wollen.

Rolf Wolfgang Martens · 1868-1928

Schwarze Zweige ...

Schwarze Zweige
starren in den grauen Himmel.

Mich friert!
Ich gehe schneller.

Da, kuck, unter den dürren Blättern eine Eichel.

Ich hebe sie auf; alle, die ich finde.

Sie einpflanzen!

Nach Jahren
rauschen sie in meinem Garten.

In ihren prangenden Kronen
jubeln die Vögel.

In ihrem Schatten
träumt ein Liebespaar.

Aus ihrem Holz
bauen sich die Menschen Häuser.

Mein Herz ist voll Wärme!

Gedicht per E-Mail versenden

 

Fruchtbare Psychologie

Der Dichter-Psychologe empfiehlt, sich eine harte Schale zuzulegen und in aller Stille die Gedanken reifen zu lassen. Die Natur macht’s vor.

Karl Röttger · 1877-1942

Und wie die Blüte allen Glanz abtut ...

Und wie die Blüte allen Glanz abtut,
Und Farbenglühn – und wird bescheidne Frucht
In fester Hülle, die die Welt abschließt –,
Will ich mich auch verschließen. Dass die Wucht
Der Dinge um mich mir den frommen Mut
Zum Reifen in der Stille nicht mehr nimmt.

Gedicht per E-Mail versenden

 

Mutmacher-Laute

Dieses Gedicht setzt ganz auf die Kraft der Verhohnepiepelung des tristen Wortes „grau“.

Hans-Peter Kraus · geb. 1965

Kasperle und Joe Cocker schauen aus dem Fenster

Dieser Tag ist grau
gri gra gragga grau
gri gra gragga grau
grau hau hauuuu
graaaaaaaaaaaraaaauuu
gri gra gragga grau
gri gra gragga grau
graaaaauuuuuuuuuuuuu
hauhauuuuu
gri gra gragga grau
grau hau hau
Dieser Tag ist grau?

UrheberrechtshinweisGedicht per E-Mail versenden

Kommentar:
Falls jemand nicht weiß, welchen Beitrag Joe Cocker zu diesem Gedicht liefert, dann möge er sich folgendes Video ab 4:50 angucken.

 

Humor macht Mut

Man sollte es nicht zu laut sagen, aber: Auch Schadenfreude hat einen überaus befreienden Effekt.

Hans Retep · geb. 1956

Der Traurigkeit tönern Gesicht

Der Traurigkeit tönern Gesicht
zerbricht
an einer Bananenschale,
die auf den Weg gefallen,
denn eine Bananenschale,
die auf den Weg gefallen,
ist glitschig-rutschig
der größte Witz von allen.

UrheberrechtshinweisGedicht per E-Mail versenden

 

Von Drachen und Lämmern

Dieses Mutmachergedicht preist den Aufstieg vom hilflosen Lämmchen zum giftigen Drachen. Auch wenn es so ganz ernst der Dichter nicht meint, ein bisschen Drachenkraft kann einem Lämmchen gut tun.

Martens: Einst ...

Dieses Gedicht im TextformatGedicht per E-Mail versenden

 

Ein Rache-Gedicht

Den Mut zum Zurückschlagen will dieses Gedicht vermitteln, wobei eine gute Panzerung besonders wichtig scheint.

Georgi Kratochwil · geb. 1979

Kaltes Metall

Sie stehlen deine Gedanken
und schauen unschuldig drein,
und du darfst keifen und zanken,
sie wahren lässig den Schein.

Schlägst du mit eisernen Waffen,
verschreckt sie klirrender Hall.
Zu spät, ihr kreischenden Affen!
Dein Herz ist kaltes Metall.

UrheberrechtshinweisGedicht per E-Mail versenden