Unterm Lyrikmond

Gedichte lesen und hören, schreiben und interpretieren

Besinnliche Gedichte

Besinnlichkeit gehört angeblich zur Weihnachtszeit, ein Blick in die Stadtzentren belehrt jeden schnell eines Besseren. Die Gedichte auf dieser Seite sind hingegen von besinnlicher, nachdenklicher Gestimmtheit. Sie laut oder halblaut zu lesen vertieft ihre Wirkung.

 

Ein besinnliches Gedicht über Geduld

Zu Beginn eine kleine Abhandlung über das Thema Geduld, die bei manchen engelsgleich ist.

Spitta: Geduld

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Ein besinnliches Erntegedicht

Ein sehr stimmungsvoll kurzes Gedicht liefert Martin Greif und fordert zur Besinnung auf grundlegende Themen auf.

Greif: Vor der Ernte

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Ein besinnliches Gedicht von Fontane

Fontanes besinnliches Gedicht zur Morgenzeit stellt eine Frage, die philosophischer Natur ist.

Fontane: Würd’ es mir fehlen, würd’ ich’s vermissen?

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Kommentar:
Diese unregelmäßigen, paargereimten Verse mit stets vier Hebungen heißen Knittelverse. Trotz des etwas unrespektablen Namens kann man auch ernste Themen damit bearbeiten.

 

Ringelnatz besinnlich

Auch das gibt es: ein philosophisch-nachdenkliches Gedicht von Ringelnatz, bei dem sich „Schein“ auf „sein“ reimt.

Joachim Ringelnatz · 1883-1934

Mut, Gesang und Gaunerei

Wir wissen alle von nichts.
Wir tappen im Dunkeln.
Wir sehen den Schimmer des Lichts
Im Fernen nur funkeln.

Wir wollen nicht fragen,
Die Antwort macht kühl.
Wir lassen uns tragen
Von unsrem Gefühl.

Wir lassen uns treiben
Im Schein und vom Schein.
Wir können nicht bleiben.
Doch wollen wir sein.

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Regen besinnlich

Die Stimmung eines trüben Regentags beschreibt Gottfried Keller in diesem besinnlichen Gedicht. Am Schluss jedoch versackt das lyrische Ich nicht, sondern geht gestärkt aus der mauen Stimmung hervor.

Keller: Trübes Wetter

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Wilhelm Busch in besinnlicher Stimmung

Sieh einer an: Auch der sonst so lustige Wilhelm Busch konnte besinnlich im Gedicht sein. Hier thematisiert er das Einssein mit der Welt.

Busch: Vertraut

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Ein besinnliches Gedicht von Rilke

Rainer Maria Rilke steht ja schon in seiner Art zu dichten für Besinnliches. Hier ist auf der Suche nach einem stillen Moment, um dann zu handeln.

Rilke: Wenn es nur einmal so ganz stille wäre ...

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Noch ein besinnliches Gedicht von Rilke

Worum geht es in diesem Gedicht? In einem sehr besinnlichen Tonfall rührt Rilke vielleicht an einigen sehr grundsätzlichen Fragen von Leben und Tod, vielleicht ...

Rilke: Eingang

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Besinnliches auf dem See

Das Zusammenspiel von Sonne und Wasser führt in diesem Gedicht zu einer besinnlichen, träumerischen Stimmung.

Dehmel: Blick ins Licht

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Kommentar:
Das nächtliche Gegenstück zu Dehmels Gedicht ist Schwüle von Conrad Ferdinand Meyer, in dem ein Ich auf dem Wasser sich am Rande des Nervenzusammenbruchs bewegt.

 

Gedicht über ein Haus

Ein besinnliches Gedicht über ein Haus, dem es nicht gut geht. So ein Haus gibt es bestimmt auch in Ihrer Nähe.

Monika Piller · geb. 1957

Altes Haus

Hinter dichten Brombeerhecken
und vor aller Welt versteckt
konnte ich es einst entdecken.
Doch es hat mich sehr erschreckt.

Staubbedeckte Fensterscheiben,
leere Zimmer, trübes Licht.
Blicke sollen draußen bleiben,
wenn es innerlich zerbricht.

Müde neigt es sich zur Erde,
findet seine letzte Ruh,
dass es bald vergessen werde.
Efeu deckt es langsam zu.

Wenn der Wind an Türen rüttelt,
wildes Donnergrollen dröhnt,
wird es heftig durchgeschüttelt,
meint man, dass es leise stöhnt.

Nur in mondscheinhellen Nächten,
zieht ein Lichtschweif um das Haus.
Unterliegt es andren Mächten.
Sieht es fast wie früher aus.

Schau nur, eine rote Winde
schiebt sich hoffnungsvoll hinaus!
Dass sich doch noch jemand finde,
rettet dieses alte Haus.

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Eine Frage zum Nachsinnen

Dieses Gedicht beginnt vom Tonfall her nicht besonders besinnlich, sondern wie ein barocker Bilderüberfall. Durch die Strophen hinweg stellt sich die Besinnlichkeit jedoch nach und nach ein.

Hofmannsthal: Was ist die Welt?

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Besinnliches zur Nacht

In sehr eindrucksvollen Bildern kommt in diesem besinnlichen Gedicht die Welt zur Ruh. Das isoliert stehende „Mondnacht“ lädt gleich zum Weiterlesen ein bei Eichendorff.

Robert Ress · 1871-1935

Eine goldne Spinne ...

Eine goldne Spinne
zieht ihre Fäden von Stern zu Stern.

Milliarden Schmetterlinge
kommen zur Ruh.

Leises Flügelatmen.

Mondnacht.

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In der Fremde

Dies ist eines der Gedichte, das man so nehmen kann, wie es geschrieben steht, bei dem man aber auch symbolische Elemente vermuten darf.

Karl Röttger · 1877-1942

Die Glocke in der fremden Stadt

Die Glocke in der fremden Stadt,
Die fremde Glocke in der Nacht
Schlug hoch vom Turme Mitternacht.

Der Wanderer, der im Dunkeln stand,
Sah hoch hinauf, sah unverwandt
Den Turm und sah die Glocke an ...

Die Glocke schlug wohl schönen Ton,
So vollen, tiefen, dunklen Ton –
Hörte er den wohl einmal schon?

Vor Ewigkeiten mocht es sein. –
Die Glocke schlug; schlief wieder ein.
Der Wanderer blieb ganz allein.

Der Platz lag vor ihm, blass und leer,
Späte Lichter schienen von Fenstern her,
Von kleinen Fenstern. – Da waren Menschen. – – Wer?

Ein Nachtwind, der durch die Bäume schlich,
Dass sie aufrauschten, ward still, entwich –
Der Wanderer sann einem Gedanken nach und fasste ihn nicht.

Er sann der fremden Glocke nach,
Die so schön klang über der fremden Stadt,
In die schöne, versehnte Sommernacht ...
– – –
Dann ging er wieder ... Sein Schritt erklang
Auf den Steinen laut durch die Stille, die Straße entlang,
Lang – –, wurde leise; bis er in der Stille versank.

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Ein leises Gedicht

Ganz leise durch die Dämmerung geht das folgende Gedicht und doch ist darin auch ein Wissen ums Licht.

Karl Röttger · 1877-1942

Park

Leise musst du gehen,
Dass du die Stille nicht schreckst
Und das schlafende Wehen
In den Kronen nicht weckst.

Fühl’s auf die Augen sich legen
Wie dunkle Hand.
Es dunkeln alle Wege,
Und der Park wird ein weites, weites Dämmerland.

Zeit steht nun still. Alle Welt ist vergangen.
Dein Sinnen ist müde, dunkel – weit, kühl.
Traumwandelnd in Kühle kommt dir ein Bangen,
Kommt ein süß-trauriges, verlorenes Gefühl.

Da draußen, da oben
Über den Kronen ist Licht, viel Licht;
Hier leise hingehnd in Parkes Dämmer
Weißt du es wohl und fühlst es doch nicht.

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Wer bei Beisinnlichkeit trotzdem nicht auf Weihnachten verzichten möchte, könnte sein Glück bei den besinnlichen Weihnachtsgedichten versuchen.