Unterm Lyrikmond

Gedichte lesen und hören, schreiben und interpretieren

Gedichte über Glück

Glücklichsein, wer wünscht sich das nicht? Und doch ist es heikel, nach dem Glück zu jagen, so flüchtig ist es. Manchmal ist man glücklich und weiß es gar nicht. Ein spannendes Thema also, an dem sich schon einige Dichter versucht haben.

 

Gedicht über Glück und Unglück

Das erste Gedicht über Glück spart auch das Unglück nicht aus; das eine gäbe es eh nicht ohne das andere.

Heine: Das Glück ist eine leichte Dirne ...

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Überwältigt vor Glück

Geradezu wasserfallartig kommt das Glück in diesem Gedicht über einen Menschen. Merke: Gegen einen verdoppelten Paarreim hilft kein Regenschirm;-)

Ernst Lissauer · 1882-1927

Ein Neues

Ein Rieseln, ein Raunen, ein Zucken, ein Rühren,
Die Wurzeln, die Steine zittern und spüren,
Die Moose, die Brunnen in meinem Leben,
Sie wittern ein Neues, es will sich begeben,
Ein Öffnen, ein Spalten, ein Atmen, ein Beben,
Als wollte die Erde die Flügel aufheben.
Es strahlt ein Brausen, es rauscht eine Helle,
Glück kommt geschossen in großem Gefälle.

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Glückswort

Eine beschwörende Glücksformel serviert Hugo von Hofmannsthal in seinem Gedicht vom bescherten Glück.

Hofmannsthal: Das Wort

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Glück ohne Verfallsdatum

Über den rechten Umgang mit Ängsten und Glück referiert hier der Dichter. Sein Ratschlag ist einfach und einfach zu befolgen, das ist vermutlich das Schwere daran.

Hans Retep · geb. 1956

Glück und Schlaf

Alle Ängste, die der Tag gebracht,
schlaf ich fort in einer Nacht;
doch am Tag genossenes Glück
geb’ ich nimmermehr zurück.

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Ein Goethe-Gedicht über das Glück

Goethe weiß angeblich genau, wo das Glück zu suchen ist. Sein Gedicht empfiehlt sich nicht für Reiseprospekte.

Goethe: Erinnerung

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Glück im Glück

Auch Paul Heyse lässt sein Glück vorübergehn, macht aber dann doch die Tür auf, und siehe da ...

Heyse: Ich sah mein Glück vorübergehn ...

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Das Glück ist mit die Doofen

Wer schon immer mal wissen wollte, wieso ausgerechnet die Doofen so viel Glück haben, in diesem Gedicht findet er die Antwort:

Zoozmann: Das Glück

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Warten aufs Glück

Gut Ding will Weile haben, sagt der Volksmund, doch mit dem Glück scheint die Sache noch etwas komplizierter zu sein, wie dieses Gedicht auf märchenhafte Weise zeigt.

Kurz: Wegwarte

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Einsamkeit und Glück

Das Warten auf das Glück in Einsamkeit ist das Thema dieses Gedichts, verbunden mit einer bangen, aber berechtigten Frage.

Albert Sergel · 1876-1946

Einsam bin ich ...

Einsam bin ich,
und meine Seele dürstet
nach einem großen, wunderbaren Glück,
das ich in Fernen, weiten Fernen ahne.
Einst wird es kommen,
wird seine Hände auf das Haupt mir legen,
mit großen Augen leuchtend vor mir stehn ...
Bin ich dann noch so jung, das Glück zu fassen,
bin mutlos ich und müd und alt geworden?
Kommt es zu spät?
Die Einsamkeit schleicht träge um mich her,
und meine Seele dürstet
nach dem Glück ...

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Glück zu zweit

Dass ein Glück zu zweit auch ohne Worte zum Vorschein kommen kann, zeigt das folgende Gedicht.

Friedrich Adler · 1857-1938

Stilles Glück

Wie heimlich in der Lenznacht Walten
der Blumen Kelche sich entfalten,
so schließt der Stunden milder Lauf
mir immer neue Schönheit auf.

Was sich die andern mühn und regen,
den Schatz der Seele freizulegen!
Doch du verbirgst ihn, fast erschreckt,
wenn selig ihn mein Aug’ entdeckt.

So wächst der Reichtum Tag um Tag –
Ich seh’ ihn schweigend, froh und zag,
als scheuchte ein zu lautes Wort
ihn wie ein Märchenwunder fort.

(Meiner Frau.)

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Gedicht über ein kleines Glück

Die Ansprüche ans Glück sind sehr verschieden. Bei dem einen läuft unterhalb einer Million gar nichts, bei dem anderen genügt ein Stück Rasen am Morgen.

Hans-Peter Kraus · geb. 1965

Die Freuden des Lebens

Sonniger Morgen –
Mauerschatten teilt
eine bettgroße Rasenfläche längs
in eine dunkel-
und eine hellgrüne Hälfte.
Aus dem Schatten
kommen drei Männer auf die Rasenfläche zu.
Sie bleiben vor dem Grün stehen,
der Mann in der Mitte
kniet nieder.
Er streckt beide Hände aus,
streicht sanft mit den Handflächen
und weit gespreizten Fingern
über die kühlen,
noch taunassen Grashalme.
Langsam
über die Halme kreisend
nähern sich die Hände der Schattengrenze.
Der Mann hält kurz inne,
dann schiebt er die bleichen Hände
auf die Sonnenseite des Rasens.
Von den Fingerspitzen aus
durchströmt
die Sonnenwärme seinen Körper.
Der Mann schließt die Augen,
konzentriert sich ganz
auf das warme Rieseln.
Schließlich
tippt der links neben ihm Stehende
zweimal kurz
auf seine Schulter.
Der Mann öffnet die Augen,
steht steif und umständlich auf.
Er atmet einmal kräftig ein und aus
und folgt mit dem Blick der leeren,
sonnenüberfluteten Straße bis zum Hügelkamm.
Er saugt diesen Anblick in sein Gedächtnis,
dann dreht er sich abrupt um,
und die beiden Männer
eskortieren ihn zurück
zum Gefängnistor.

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