Unterm Lyrikmond

Gedichte lesen und hören, schreiben und interpretieren

Gedichte über Träume

Traumhaft geht es bei den Gedichten dieser Seite zu. Mit dabei sind alle Traumfacetten: Alpträume und Tagträume, schöne und ernüchternde Träume. Auffällig bei den Gedichten über Träume ist, dass diese zur Länge neigen. Manchmal wäre es eben schön, wenn ein Traum nie zu Ende ginge.

 

Gedicht über einen Alptraum

Gleich im ersten Gedicht geht es richtig zur Sache: Ein Alptraum hat seine lyrischen Spuren hinterlassen.

Lenau: Traumgewalten

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Wie ein Traum

Bis zum Schluss lässt der Autor den Leser im Unklaren, ob in diesem Gedicht ein Traum geschildert wird. Am Schluss bleibt jedoch keine Frage offen.

Hans Leybold · 1892-1914

Traum der Sehnsucht

Wie oft hab ich meine Arme ausgebreitet
In der Nacht
Und hab gelegen
Und hab gewacht
Und hab gewartet auf dich ...

Du musstest einmal kommen,
Und du kamst!
Du musstest kommen
Und du nahmst
All dies einsamgraue, öde Elend fort ...

Du kamst wie ein Rosenhauch
In den Raum
Und knietest an meinem Bette –
Mir war’s wie ein Traum ...
Und meine Arme schlossen sich
Sanft um deine gebeugte Gestalt.
Ich küsste Stirn dir und Haar,
Wieder und wieder ... und mir war,
Als entzöge dich mir eine sanfte Gewalt ...

Wo bliebst du ... wo ...?
Hart und roh
Schlägt mein Kopf an den Boden –!

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Wer träumt denn da?

Das Spiel von Traum und Wirklichkeit beherrschten schon die alten Chinesen, denn dieses Traumgedicht beruht auf einer über 2000 Jahre alten chinesischen Geschichte.

Georgi Kratochwil · geb. 1979

Schmetterlings-Ich

Ich träumte …
Wer träumte?
Ich träumte …
Wer träumte?
Träumte ich, dass ich ein
Schmetterling sei und flog
von Blume zu Blume und es war
ewiger Sommer?
Ich wachte auf …
Wer wachte auf?
Ich wachte auf …
Wer wachte auf?
Wachte ich auf oder träumt
ein Schmetterling ein Mensch
zu sein und wird aufwachen, um von
Blume zu Blume zu fliegen im
ewigen Sommer?

(Nach Dschuang Dse, Der Schmetterlingstraum, in: Das wahre Buch vom südlichen Blütenland)

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Ein Traumgedicht von Wilhelm Busch

Einen merkwürdigen Traum erzählt Wilhelm Busch in diesem Gedicht. Er fängt schön an, doch „Wehe, wehe, wehe ...“.

Busch: Der Traum

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Noch ein Traumgedicht von Wilhelm Busch

Ein Tagträumer wird bei diesem Gedicht von Wilhelm Busch vorgeführt. Wie so oft beim ollen Busch ist das Ende ernüchternd.

Busch: Gestört

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Gedicht über einen erfüllten Traum

Wenn ein Tagtraum in Erfüllung geht, kommt es doch anders als gedacht, so anders, dass dem Sonett vor der letzten Strophe die Puste ausgeht.

Karl Röttger · 1877-1942

Und plötzlich bin ich aufgewacht ...

Und plötzlich bin ich aufgewacht.
Und in der Kammer war ein Licht.
Und, mir zum Schrecken und Gericht,
Stand da, was ich am Tag gedacht;

Was ich am Tag erhofft, erträumt,
So tatenscheu wie müden Sinns.
Es nickte mir: „Sieh her, ich bin’s –
Wie viel hast du um mich versäumt –“

„Um mich verrietest du die Tat,
Um die dein Leben leise bat –,
Du kannst nur blühn, du trägst nie Saat –“

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Traum und Leben

Geht es im folgenden Gedicht um einen Traum oder ums Leben oder ist das Leben ein Traum oder heißt träumen leben?

Leo Greiner · 1876-1928

Im Traumhaus

Wir sind des Traumes Gäste,
wir feiern stille Feste
in seinem goldnen Haus:
Die Tische stehn voll Früchte,
die Wände stehn im Lichte,
die Fenster im Gebraus.

Willst du die Früchte essen,
die du so nah besessen,
zerfallen sie zu Staub.
Die hellen Wände weichen,
und alle Lichter bleichen
und blättern ab wie Laub.

Der blaue Mond verwittert,
der Wein ist dir verbittert,
das Gold des Bechers blind.
Und du begehrst, wir fänden
den Schlaf, in dessen Händen
die ewigen Träumer sind.

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Von einer Frau geträumt

Das kommt schon mal vor, dass ein Mann nicht nur von einer Frau träumt, sie also seine Traumfrau ist, sondern dass er tatsächlich von einer Frau träumt. Wie so oft im Traum gibt es auch hier einen kleinen Realitätsfehler.

Georgi Kratochwil · geb. 1979

Traumfrau

Ich habe heut Nacht von dir geträumt.

dein mann war gestorben du hieltest mir die rechte wange hin und ich küsste sie du hieltest mir die linke wange hin und ich küsste sie dann umarmten wir uns und küssten uns

Es fühlte sich so überaus wirklich an.
Meine Lippen auf deiner Haut,
der Kuss.
Seltsam,
ich habe so etwas nie geträumt,
als du noch lebtest.

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Gedicht über einen ritterlichen Traum

Ist es ein Traum oder eine Halluzination? Die Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit verschwimmen bei diesem Gedicht, was vielleicht durch den Schluss erklärlich wird.

Heine: Es war mal ein Ritter ...

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Ein Traum weckt eine Erinnerung

Ein Gedicht über einen Traum, in dem ein Fluss namens Lethe eine besondere Rolle spielt. Wer diesen Fluss nicht kennt, dürfte am Ende überrascht werden.

Meyer: Lethe

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Noch ein Traumgedicht von Conrad Ferdinand Meyer

In diesem Gedicht scheint es eher um einen Tagtraum zu gehen, man könnte es auch eine Vision oder Fata Morgana nennen oder doch eiskalt analytisch Symbol?

Meyer: Begegnung

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Traum und Wirklichkeit

Wo fängt der Traum an? Wo hört er auf? Ist es ein Tag- oder Nachttraum? Ein guter, ein schlechter? Mir fällt es nicht im Traum ein, irgend etwas vorher zu verraten.

Hans-Peter Kraus · geb. 1965

Die Überwindung

Die Hände an die Wand gepresst
stehen wir.
Hinter uns
die Wächter;
Waffengeschepper,
Marschtritte,
höhnisches Gelächter,
Kommandos unverständlich.
Ich schwitze.
Warte auf die Einschläge in meinem Körper.
Deine Hand
ist von meiner
einen Mauerstein
entfernt.
Ohne den Kopf zu bewegen
starre ich hinauf
zu deiner Hand.
Schmale Finger,
zarte Haut;
nichts ist schöner auf dieser Welt
als diese Hand.
Ich möchte sie berühren
nur ein einziges Mal.
Doch ich rege mich nicht,
jede Regung ist der Tod.
Hinter uns
wird es still.
Ist es so weit?
Mit dem Rücken
suche ich die Welt hinter mir zu fühlen.
Mein Atem geht schneller.
Ich presse die Hände gegen die Wand,
als ob ich sie eindrücken wollte,
und dann –
ist mir alles egal.
Ich will nur noch deine Hand berühren.
Langsam
schiebe ich die meine
die Wand entlang
mit dem Gedanken,
die deine
blitzschnell zu ergreifen,
wenn die Schüsse fallen.
Meine Hand kommt näher,
keine Schüsse,
statt dessen das Wunder:
Deine Hand bewegt sich auf meine zu!
Ich schaue hinüber zu dir:
Du lächelst!
Verwirrt
steige ich an der falschen Station aus.

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Traum-Warnung

Wenn man der Regenbogenpresse glauben darf, gibt es nichts Schöneres als Träume, die in Erfüllung gehen. Wenn man diesem Traum-Gedicht glauben darf, darf man der Regenbogenpresse eben nicht alles glauben.

Emanuel Mireau · geb. 1974

Träume, die in Erfüllung gehen

Hüte dich vor Träumen, die in Erfüllung gehen.
Realität mag Quelle der Träume sein
und die Träume Quelle der Realität,
doch im Traum fließt Wasser aufwärts,
in der Realität fließt es hinab
und versickert im Sand
oder mündet ins gestaltlose Meer,
um die Wolken zu nähren und du
wirst vergeblich nach der Sonne sehen.
Hüte dich vor Träumen, die in Erfüllung gehen.

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Gedicht über Traumdeutung

Wo Träume sind, das sind die Traumdeuter nicht fern, und so wird in diesem Gedicht ein schöner Traum blitzgedeutet.

Hans Retep · geb. 1956

Traumdeutung

Du schaust, als leuchte deine Seele.
Ich hatte einen schönen Traum.
Ja dann: erzähle!

Die Sonne schien und Schäfchenwolken
schmückten den blauen Himmel.
Ein schmaler Pfad wand sich
durch eine Blumenwiese,
wo Bienen, Hummeln und Schmetterlinge
geschäftig von Blüte zu Blüte flogen.
Er führte zu einem gluckernden Bach,
in dem ein Fels stand, besonnt
vom Wasser umflossen.
Die Welt, sie war so schön,
als könne sie nie vergehn,
und so bin ich erwacht.

Ja, das war eine gute Nacht.
Den Traum, den deut ich dir im Nu:
Der Fels bin ich –
die Welt bist du.

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Schwarz-Weiß-Traum

Bevor es Farbfernsehen gab, hat man anscheinend auch in Schwarz-Weiß geträumt, wobei unklar bleibt, ob es sich hier um einen Tag- oder Nacht- oder Wunschtraum, eine Vision oder Halluzination handelt. Auf jeden Fall ist ein Gedicht. Wie beruhigend.

Bierbaum: Fahl zieht der Strom in letzter Abendhelle ...

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Tagträumer

Ein etwas esoterisch angehauchter Tagtraum wird in diesem Gedicht angeboten.

Karl Röttger · 1877-1942

Mich sehnt ...

Mich sehnt: auf leichten Füßen
Und schwebender zu gehn.
Mich sehnt, als wie ein Grüßen
Über das Land zu wehn –
Mich sehnt, ganz zu verfließen
Und leuchtend aufzustehn: –

Mich sollen Strahlen saugen
Wie Wasser aus dem Grund,
Ich will aus Blütenaugen
Hinscheinen ... mich soll hauchen
Ein blasser Blütenmund.

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Ein großer Traum

Bis hinauf zu den Sternen wächst dieser Traum nach Mitternacht. Interessant ist, dass der Dichter allein sieben Verse mit „Ich“ beginnt, doch weil die Verse unbetont beginnen, wird das „Ich“ tatsächlich etwas „gedrückt“, wie in einem Traum, in dem das „Ich“ die Geschehnisse ja auch nicht mehr kontrolliert.

Walter Calé · 1881-1904

Die Nacht winkt vor dem Fenster ...

Die Nacht winkt vor dem Fenster,
der Mond schwimmt seine Bahn
auf meiner Seele Fluten
gemessen, wie ein Schwan.

Der Schnee schläft auf den Dächern,
darüber schläft ein Schein.
Zwölf Glockentöne kommen
wie Gäste mir herein.

In mir nun sind die Glocken
und diese Mondesglut;
ich werde weinen müssen,
doch das ist immer gut.

Ich bin nicht mehr hier drinnen,
ich hab’ mich aufgemacht,
ich trage dunkle Schwingen,
ich gleite durch die Nacht.

Ich werde wachsen, schwellen,
schon ist mir nichts mehr fern,
die Sterne sind mir Brüder,
ich selber bin ein Stern.

Auf Riesenflügeln brausend,
nun aller Welten Geist,
einschlürf’ ich Nacht und Räume,
von Stern und Stern umkreist.

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Ein langes, langes Traumgedicht

Die Romantiker, hier eine Romantikerin, hatten noch viel Zeit zum Träumen und noch mehr Zeit zum Schreiben, nur zum Leben blieb manch einem nicht viel Zeit.

Günderrode: Einstens lebt ich süßes Leben ...

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