Unterm Lyrikmond

Gedichte lesen und hören, schreiben und interpretieren

Gedichte über das Leben

Gedichte über das Leben erlauben eine große Vielfalt an Themen und Gedanken, eigentlich enthält fast jedes Gedicht einen Aspekt des menschlichen Lebens. So ist die Spannweite der Themen hier recht groß, wobei der Schwerpunkt Gedichte sind, die das Leben als Ganzes betrachten, ergänzt um Lebensthemen, die nicht durch andere Seiten beim Lyrikmond aufgefangen werden konnten.

 

Gedicht über ein Menschenleben

Das Leben von der Wiege bis zur Bahre schildert Matthias Claudius und deutet durch die immer gleichen Reime etwas Monotonie an.

Claudius: Der Mensch

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Das menschliche Leben, zum Zweiten

Das Gedicht von Felix Dörmann erinnert in Stil und Machart etwas an die Lebensklagen aus dem Barock. Es ist also anscheinend nie zu spät, ein Barocker zu werden.

Dörmann: Menschenleben

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Gedicht übers Wollen

Man will so viel im Leben, aber was davon erreicht man wirklich? In diesem Gedicht über das Leben sind die Wünsche bescheiden bis zum Ende.

Emanuel Mireau · geb. 1974

Ich will

Ich will leben
Ich will den Wind spüren
Und den Regen

Ich will Wege gehen
Die nirgends hinführen
Oder im Kreis

Ich will nicht nehmen
Weder Geld, noch Gut, noch Ehren
Nicht plündern, nicht gieren
Alle Schätze verschwinden
Im ewigen Eis

Ich will sein
Und jeden sein lassen nach seiner Art
Dann wäre ich nie allein
Und wenn die Zeit gekommen
Könnt ich gehen ohne Spuren
Ganz leis

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Das Leben und das Ich

Die Sache mit dem Ich ist nicht so einfach. Es ändert sich ständig und das Ich eines alten Mannes hat mit dem gewesenen Kind nichts mehr gemein. Das sieht auch die Stimme dieses Gedichts über das Leben so und verschiebt die Ichfindung ins Nimmermehr.

Ernst Lissauer · 1882-1927

Besinnung

Und plötzlich dünkst du dich uralt.
Das Leben ist dahingerauscht.
Du staunst dich an so fremdgestalt,
Als sei dir Ich mit Ich vertauscht.

Du bist’s, aus Glück und Gram gewebt,
Unlösbar du aus Fleisch und Geist!
Du bist das Kind, du hast’s gelebt,
Ob du dich selbst auch nicht mehr weißt.

Du bist es nicht. Längst starb dem Mann
Das Kind, das dumpf gebunden lag.
Er fängt mit jedem Tag sich an,
Aus Wirken baut er seinen Tag.

Du Ewigeins, du Mannigfalt!
Der stets sich fand, sich stets verlor!
Warst nie Gestalt, bist nie Gestalt,
Du stehst dir selber erst bevor.

Du glänzt dir fern, ein Luftgebild,
Schon nahst du, schon berührst du dich,
Allein es löst sich und zerquillt,
Du schreitest weiter gen das Ich.

Und all dies Wandern auf dich zu,
Und was du rastest, was du irrst, –
Der du dich nie erreichen wirst,
Bist du.

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Das Leben nach Wilhelm Busch

Für Wilhelm Busch ist das Leben nur eine kurze Unterbrechung der Ewigkeit, in Anbetracht des durchkommerzialisierten Lebens heute würde man es wahrscheinlich eine Werbepause nennen.

Busch: Mein Lebenslauf

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Über das Leben: expressionistisch

Die expressionistische Variante der Vorgedichte liefert August Stramm mit einem „Raum-Zeit-Raum“-Refrain, wobei der Titel den Schwerpunkt eigentlich nicht beim Leben setzt.

Stramm: Urtod

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Ein handwerkliches Gedicht über das Leben

Dieser Dichter hat es mehr mit dem Handwerklichen im Leben, doch auch Handwerk liegt irgendwann unterm Boden.

Raimund: Das Hobellied

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Gedicht über gelebtes Leben

Eine etwas distanzierte Haltung zum Leben wird in diesem Gedicht präsentiert: Das Leben lebt sich selbst.

Karl Röttger · 1877-1942

So lebt sich das Leben ...

So lebt sich das Leben – die vielen
Leben. Es gleitet; es schwebt.
Es lebt sich. Wie Kinder spielen.
Und wie ein Webstuhl webt.

Wie ein Fluss fließt. Und wie Lüfte
Nah – und schon ferne sind
Wie schwebende Gartendüfte
Stark – – und verweht im Wind.

So lebt sich das Leben. Wir können
Nur stumm sein und schauend stehn
Und jedem Leben gönnen
Sein Kommen und Entfliehn.

Ist alles vollendet und schwebend;
Ist ohne Absicht und Ziel;
Und alles sich selber lebend:
Wie im Abend ein Tanz der Mücken,
Ein Lied und ein Kinderspiel ...

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Die Straße des Lebens

So richtig glücklich scheint der menschliche Weg entlang der Straße des Lebens nicht zu sein, denn die Antwort auf die entscheidende Frage ist auf der Straße nicht zu finden.

Paul Zech · 1881-1946

Straße ...

Ist eine lange Straße gesponnen
Aus der Stadt, durch den Wald, in die Welt.
Wo sie beginnt, haben wir alle begonnen:
Allein auf die Kraft unserer Schritte gestellt.

Tags wandern auf Wolken die Jahre,
Nachts bleiben bei Sternen sie stehn.
Manchmal berühren uns Dichter und manchmal die Haare
Der Tierfrau im Wald bei den zärtlichen Rehn.

Die Bäche spiegeln verstörte Gesichter
Und die Häuser am Rande spiegeln uns auch.
Und wünschen wir einmal die flüchtigen Lichter
Uns näher, verschluckt sie ein eisgrauer Rauch.

Die Straße will nirgends verweilen,
Bewegung wird Schwärze und Stein,
Und wir lesen zwischen den schwarzen Zeilen
Auch unser verfluchtes Allein.

Da wandern wir mutlos die Straße im Kreise
Auf falschen Geleisen herum
Und fragen am Ende der Reise
Mit leergewanderten Augen –: Warum?

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Das erstaunliche Leben

Betrachtet man das Leben durch eine annahmelose Brille, bleibt nur das Staunen und das Staunen über das Staunen, das zumindest behauptet dies erstaunliche Gedicht über das Leben.

Werfel: Ich staune

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Lebensentwürfe

Dies ist ein Gedicht über zwei Leben, die im Versuch nach Höherem zu streben ganz unterschiedlich verlaufen.

Eichendorff: Frühlingsfahrt (Die zwei Gesellen)

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Kommentar:
Verstehen Sie dieses Gedicht? Ich verstehe es nicht so ganz und habe daraus eine Interpretation gemacht.

 

Gedicht über das Leben eines Bachs?

Paul Heyse schreibt über das Leben eines Bachs und doch liegt der Verdacht nahe, dass Paul Heyse nicht über das Leben eines Bachs schreibt. Zu kompliziert? Eigentlich ganz einfach:

Heyse: Mit Sausen und Brausen ...

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Ein Gedicht über das Leben von Heine

Heine nimmt hier die Perspektive eines sichtbar Unzufriedenen ein.

Heine: Lass die heilgen Parabolen ...

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Baumeln und baumeln lassen

Die einen hängen an Markt und Geld, die anderen lassen die Seele baumeln. Zu welcher Seite ein Dichter gerne gehörte, lässt sich dem folgenden Gedicht über das Leben entnehmen.

Herwegh: Die Geschäftigen

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Ein Gedicht über uns

Warum passieren so viele schreckliche Dinge auf dieser Welt? Die Erklärung ist ganz einfach, sie sind gar nicht schrecklich, sondern werden begangen nach bestem Wissen und Gewissen. So ist das Leben.

Hans-Peter Kraus · geb. 1965

Worin wir wirklich gut sind

Man kann über uns sagen, was man will,
und es lässt sich
in Anbetracht des Zustands dieser Welt
viel Schlechtes über uns sagen,
aber eins,
das können wir:

Egal
ob wir jemanden belügen
oder Tiere industriell töten,
egal
ob wir jemanden mobben
oder ganze Völker in Not und Elend stürzen,
egal
ob wir jemanden foltern
oder einen Vernichtungskrieg führen,
am nächsten Morgen
können wir immer noch vor dem Spiegel stehen
und sagen:

Ich sehe
die Welt auf die richtige Art und Weise.
Ich tue,
was recht und billig ist.
Ich bin
ein guter Mensch.

Darin
sind wir wirklich gut.

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Gedicht über eine Lebenseinstellung

Eine bittere Lebenseinstellung wird in diesem Gedicht zelebriert. Das Ich schwankt zwischen Verachtung und Gleichgültigkeit.

Valeri Brjussow · 1873-1924

Verachtung

Verachtung zu mir selbst und zu der ganzen Erde
ist meine einzige und bittere Gebärde.
Wie hätte ich geliebt! ... – Nun suche ich nicht mehr ...,
denn jeder Traum ist falsch und jeder Wunsch ist leer ...
Ob mir die Wahrheit einst ihr Antlitz ganz enthüllt,
ob einst mein Name klingt, ob einst bekannt mein Bild,
ob viele Jahre noch ein Gott mir Leben gibt,
ob die, die mich erfüllt, mich wirklich wiederliebt, –
mir ist das alles gleich und ferner Schatten Spiel.
Das Leben kenne ich, doch nicht des Lebens Ziel.
Ich treibe wie ein Blatt, das in den Strom gefallen ...
Verachtung fühle ich, zu mir, zur Welt, zu allen ...

Aus dem Russischen übertragen von Karl Roellinghoff

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Gedicht über Zukunftsängste

Eine besondere menschliche Spezies nimmt Gustav Falke aufs Korn: die ewigen Pessimisten.

Falke: Die Sorglichen

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Das Leben geht weiter

Wie man eine einfache Lebensweisheit mit der Bibel gewaltig und gewalttätig aufmotzt, demonstriert Fontane in diesem Gedicht über das Leben.

Fontane: Es kribbelt und wibbelt weiter

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