Unterm Lyrikmond

Gedichte lesen und hören, schreiben und interpretieren

Gedichte über Hoffnung

Sie ist der Menschheit einfach nicht auszutreiben: die Hoffnung. Da können Katastrophen anmarschieren, auch selbst fabrizierte, immer wieder wird aufgestanden und nach vorne geguckt mit dem Fünkchen Hoffnung. Und da die Hoffnung so kennzeichnend ist für die Menschheit, haben sich auch die Dichter Gedanken über dieses Phänomen gemacht und diese zu Papier gebracht.

 

Ein Gedicht über die Hoffnung von Schiller

Schiller findet ein paar grundsätzliche Worte zum Thema, schafft es dabei ein ganzes Leben voller Hoffnung in eine einzige Strophe zu packen.

Schiller: Hoffnung

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Die Hoffnung hat Flügel

Dies ist eine Übertragung ins Deutsche des wahrscheinlich bekanntesten englischsprachigen Gedichts über die Hoffnung.

Emily Dickinson · 1830-1886

„Hoffnung“ ist das Ding mit Federn ...

„Hoffnung“ ist das Ding mit Federn –
Das lässt sich in der Seele nieder –
Und wortlos singt es Melodien –
Und nie verstummt es – jemals wieder –

Und Süßestes erklingt – in Stürmen –
Und wund sein müssen Sturmgewalten –
Um jenes Vöglein zu beschämen,
Das viele hat schon warm gehalten –

Ich hörte es in frost’gen Ländern –
Und auf dem seltsamsten der Meere –
Doch niemals, selbst in schlimmsten Zeiten,
Hört ich, dass es ein Korn – begehre.

Übertragen aus dem Englischen von Hans-Peter Kraus

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Kommentar von Hans-Peter Kraus zur Übertragung:
Die seltsame Interpunktion ist dem Original entnommen, siehe die handschriftliche Version. Obwohl die deutsche Fassung für mich rund klingt, habe ich trotzdem das dumme Gefühl dem Original nicht gerecht geworden zu sein. Z.B. haben die geraden Zeilennummer eigentlich nur drei Hebungen, aber das zu übertragen scheiterte bereits in der zweiten Zeile, wo es heißt: „That perches in the soul“. Man könnte sicher „perches“ auch anders übertragen als wörtlich „lässt sich nieder“, aber die wörtliche Übertragung ergibt für den Reim zu Zeile vier auch die Lösung, die am nächsten am Original bleibt. Und damit waren bereits zwei Abweichung festgelegt, einmal die Zahl der Hebungen und dann ein unbetonter Schluss (weibliche Kadenz) statt des immer betonten Schlusses in der englischen Version. Auf der anderen Seite würde eine wörtliche Übertragung ohne Reimschema überhaupt nicht „klingen“. Also bleibt es bei Kompromissen, die mich in diesem Fall nicht ganz zufrieden stellen.

 

Die Hoffnung am Morgen

Fontane führt in seinem Hoffnungsgedicht die Wirkung des heilsamen Schlafes vor. Kaum ist die Nacht vorbei, ist die Hoffnung wie durch Zauberei wieder da.

Fontane: Zerstoben sind die Wolkenmassen ...

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Ein Gedicht über die Hoffnung als Sonett

Den größeren Teil des Sonetts beschreibt Keller die Vergeblichkeit menschlichen Daseins, um dann doch in den Dreizeilern die gute Hoffnung auszupacken.

Keller: So manchmal werd’ ich irre an der Stunde ...

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Die Form der Hoffnung

Ein hoffnungsvolle Formspielerei ist dieses Gedicht, das - wenn der Browser mitspielt - eine grafische Darstellung des Titels bietet.

Emanuel Mireau · geb. 1974

Kelch der Hoffnung

Hoffnung sagt
Dein ist die
Ganze Welt
Hoffnung ist
Was dich am
Leben hält
Hoffnung
gibt
dir
im
mer
einen Grund

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Ein hoffnungsloser Fall

In diesem Gedicht schleppt sich die Hoffnung mit der Macht der Gewohnheit und der Kraft der Ignoranz durchs Leben.

Georg Stolzenberg · 1857-1941

Meine Hoffnung ...

Meine Hoffnung
ist ein altes Weib,
das täglich, die Gießkanne in der Hand,
an die Gräber ihrer Kinder humpelt.

Ihr zusammengeklapperter Leib
ist tief zur Erde gebeugt.

Aber sie hält sich die Ohren zu, wenn man vom Sterben spricht.

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Kommentar:
Dieses Gedicht wurde 1899 veröffentlicht. Natürlich ernteten solche „Gedichte“ damals Hohn und Spott. Und tatsächlich unterscheidet es sich nicht viel von Prosa. Interessant sind daher die Stellen, an denen der Dichter den Zeilenumbruch abweichend vom Satzbau gewählt hat. Und dabei hat sich doch tatsächlich ein Reim eingeschlichen: Weib – Leib. Wenn man dann noch sieht, dass alle Verse auf Plosivlauten enden bis auf den ersten, dann ahnt man vielleicht, dass hier mehr drin steckt als ein paar Prosasätze auf Zeilen aufzuteilen. Oder anders gesagt: Es gibt Hoffnung für dieses Gedicht.

 

Hoffnung als Selbstbetrug

Kräftig haut der Dichter anfangs auf das ewige Hoffen ein, doch der Schluss ist mindestens doppeldeutig.

Paul Ernst · 1866-1933

Du betrügst dein Leben mit Hoffen ...

Du betrügst dein Leben mit Hoffen,
Tage, Wochen und Jahre.

Und wie du sterbend Frühlings im Garten sitzt,
In Decken gehüllt,
Matt, mit lächelnden Augen,
Fällt ein Sonnenfleck durch die Baumzweige
Auf den weißen Kies.

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Der Morgen, der Abend, die Hoffnung

Der eher unbekannte Dichter Karl August Förster verbindet das Thema Hoffnung mit der Erinnerung und beides zusammen mit dem Abend- und Morgenrot, ein anspruchsvolles Programm also.

Förster: Erinnerung und Hoffnung

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