Unterm Lyrikmond

Gedichte lesen und hören, schreiben und interpretieren

Gedichte über Schnee

Schnee: Wer noch nie welchen gesehen hat, wünscht sich welchen. Wer jeden Winter eingeschneit wird, kann auch gerne mal drauf verzichten. In Gedichten entwickelt Schnee eher Zauberkräfte, zu schöne Erinnerungen und Bilder sind damit verknüpft.

 

Schneespaß

Für Kinder ist der Schnee natürlich ein Ereignis, das viel Spaß verspricht. Doch in diesem Gedicht über den Schnee wird auch die gereiftere Perspektive angedeutet.

Falke: Der erste Schnee

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Romantischer Schnee

In diesem Schneegedicht entfaltet die weiße Pracht sogar romantische Gefühle.

Goeckingk: Als der erste Schnee fiel

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Spuren im Schnee

Ein Erlebnis, das unbedingt ein Gedicht brauchte, ist das Hinterlassen der ersten Spuren im Schnee. Christian Morgenstern hat’s geschrieben:

Morgenstern: Neuschnee

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Noch mehr Spuren im Schnee

Wenn man einen Todesfall und Fußspuren im Schnee verbindet, können selbstverständliche Erwartungen ausgehebelt werden, wie das folgende Schneegedicht zeigt.

Hans-Peter Kraus · geb. 1965

Die Spur

Die Nacht durchwacht,
die plötzliche Todesnachricht
hat mich nicht schlafen lassen,
steh ich früh auf,
geh aus dem Haus
durch die noch stillen Gassen.
Es hat geschneit,
meine Spuren sind die ersten,
selbst der Zeitungsausträger
war noch nicht hier.
Ich gehe weit
und weiter,
bis ich die Häuser hinter mir gelassen.
Felder liegen unter toter, weißer Decke,
kaum auszumachen des Weges Pfad.
Es dämmert, ein grauer, heller Streifen
zeigt sich fern im Osten.
Plötzlich aus dem Feld die Spuren
– nackter Füße?
Jäh bleib ich stehen
und starre die Spuren an.
Wie kann das sein?
Wer geht nachts
in dieser gottverlassenen Gegend
barfuß durch den Schnee?
Klopfenden Herzens folge ich der Spur.
Die Spuren sind eher klein,
es mögen Frauenfüße sein.
Alte Märchen kommen mir in den Sinn.
War’s nicht Sterntaler,
die so durch die Wälder ging?
Die Spur geht weit und weiter,
schon wird es Tag.
Ich schau zurück:
Da sind nur meine und ihre Spur,
die ich sorgsam gemieden.
Ich schau nach vorn:
Ihre Spur führt zum dunklen Wald.
Gesenkten Hauptes folge ich ihr
und auf einmal –
ist sie zu Ende.
Verwirrt schau ich mich um.
Der Schnee ist jungfräulich
zur Linken, zur Rechten
und weiter vorn.
Ich sehe genau hin:
Bei der letzten Fußspur
ist die Hacke nur schwach ausgebildet,
so als ob die Frau
oder wer auch immer
gesprungen ist.
Ich schau hinauf zu den grauen Wolken,
wage nicht mal in Gedanken auszusprechen,
was hier passiert sein könnte.
Es ist nicht möglich,
es ist völlig ausgeschlossen,
es kann nicht sein
und doch
endet die Spur ganz zweifellos
hier und jetzt.
Ich greife in meine Taschen,
kein Handy dabei.
Kein Foto, kein Beweis,
nur dieser Anblick der Spuren
nackter Füße im Schnee,
die abrupt enden.
Man wird mir nicht glauben.
Man wird sagen: Ihr Tod
hat ihn zu sehr mitgenommen.
Und doch …
und doch stand ich allein an jenem kalten Morgen
und sah, was ich sah.
So war es.

(Nach einer Idee aus dem Gedicht „Die Spur im Schnee“ von Jozef Jedlicz)

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Ein Schneegedicht über Glocken und Flocken

Am Anfang war die Glocke, behauptet Morgenstern in diesem Gedicht über eine Flocke, viele Flocken und Engleinflaum.

Morgenstern: Winternacht

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Kinderschneelied

Dies ist die Originalversion des bekannten Kinderliedes vom Schnee:

Haberkern: Schneeflöckchen, Weißröckchen

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Kommentar:
Heutige Versionen beginnen schon mit „Schneeflöckchen, Weißröckchen“ und dort werden „Blümelein“ statt „Saaten“ bedeckt (siehe Wikipedia).

 

Ein Sonett über den Schnee

Aus Polen stammt das folgende sehr stimmungsvolle Gedicht über Schnee, das mit der Liebe beginnt und dem Tod endet.

Artur Schröder · 1881-1934

Schnee

In stillem Taumel, sacht und ohne Stocken,
Gleich sanften Worten, die von Liebe künden,
Gleich bangen Träumen, die in Sehnsucht münden,
So fallen still zur Erde weiße Flocken.

Wie schlummermüde sie zur Erde ziehen,
Die weich umfangen liegt von Traumesschweigen! ...
In dieser lichten Flocken wirrem Reigen
Erklingen heimlich Sehnsuchtsmelodien.

Und mit Gebeten, die die Luft durchbeben,
Ums Antlitz des Vergessens Tuch geschlagen,
Mit Seufzerflüstern, in verzücktem Schweben

Will meine Seele in die Ferne ziehen
Und dort mit bangem, sehnsuchtstiefem Klagen
An stillen Gräbern leise niederknien.

(Aus dem Polnischen übertragen von Lorenz Scherlag)

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Schneezauber im Gedicht

Sehr andächtig ist dieses kurze „Lied“ über den Schnee.

Emanuel Mireau · geb. 1974

Schneelied

Leise, sacht und schwebsam
sinken Flocken nieder;
leise, sacht und strebsam
geht ein Sehnen durch die Glieder,
formen alte Lieder
den Gesang der Seelen.

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Schnee zum Fest

Alle Welt spekuliert immer wieder, ob es für eine weiße Weihnacht reicht, und dieses Gedicht zeigt, welche Wirkung der Schnee zum Fest hat.

Richard von Schaukal · 1874-1942

Weihnachtsschnee

Das ist der alte Weihnachtsschnee
aus meiner Kinderzeit:
er liegt so weich, als hätt’ es Weh,
gelindes Weh geschneit.

Du wunderweiße weite Welt,
wie füllst du dich mit Ruh:
der langsam auf dich niederfällt,
der Himmel deckt dich zu!

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Flockenleben

Schönheit und Kürze eines Schneeflockenlebens sind Thema dieses Gedichts.

Dörmann: Schneeflocke

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Schneefall symbolisch

In diesem Gedicht wird der Schneefall nach und nach verschoben zum Fall des menschlichen Lebens.

Werfel: Der Schneefall

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Schneegedicht zum März

Im März noch Schnee? Da mögen sich Tourismusgebiete freuen, aber der Flachländler sieht mit Befriedigung, wenn solcher Schnee keine Chance mehr hat.

Hans-Peter Kraus · geb. 1965

Im Märzen die Flocken

Schneeflocken
sie fallen
und fallen
und fallen
und keine
ist wie eine
andere

am Boden
die Flocken
sie schmelzen
sie schmelzen
und das
war alles

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Ein Gedicht aus Wind und Flocken

Ein geradezu zärtliches Bild vom Zusammentreffen eines frühlingshaften Windes mit Schneeflocken zeichnet dieses Gedicht.

Adolf Bartels · 1862-1945

Blütenwind

Hörst du ihn leise schauern?
Das ist der Blütenwind.
Der schrillt nicht um die Mauern,
ist wie der Lenz so lind.

Sanft spielt er mit den Flocken:
Beim ersten Hauch und Ton,
da sind sie süß erschrocken –
der zweite löst sie schon.

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Gedicht über eine Schneedecke

Das folgende Gedicht stammt aus der berühmten Sammlung Kindertodtenlieder von Friedrich Rückert. Daher begräbt die Schneedecke nicht nur die Erde unter sich.

Rückert: Ein Winter war’s und keiner ...

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