Unterm Lyrikmond

Gedichte lesen und hören, schreiben und interpretieren

Moderne Sommergedichte

Der Sommer ist noch immer eine dankbare Jahreszeit für Gedichte. Endlich kann man stundenlang durch die Natur streifen, Eindrücke und Stimmungen sammeln oder faul herumliegen und philosophieren. Was dabei an Gedichten aus der Moderne hängen geblieben ist, soll auf dieser Seite gezeigt werden.

 

Ein Sommergedicht von Ringelnatz

Sommerzeit ist auch immer Urlaubszeit und so nimmt es nicht Wunder, dass Ringelnatz das Faulenzertum in seinem Gedicht zum Sommer predigt.

Ringelnatz: Sommerfrische

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Ein Anti-Sommergedicht

So kann’s gehen: Gleicher Titel, gleicher Sommer, aber eine ganz andere Laune, ergo ein ganz anderes Gedicht.

Lichtenstein: Sommerfrische

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Gedicht über Sommerhitze

Die Sommerhitze am Anfang des 20. Jahrhundert war auch nicht viel anders als die Sommerhitze am Anfang des 21. Jahrhunderts, wie das folge hitzige Gedichte zeigt. Nur die Pferde sind aus dem Stadtbild verschwunden.

Kanehl: Gluthitze

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Ein Sommer ohne Nietzsche

Das Phänomen von liegenden Menschenleibern am Strand ist kein besonders neues, wie das folgende Sommergedicht zeigt. Auch damals waren geistige Belebungen durch einen großen Philosophen eher weniger gefragt.

Kanehl: Am Strande

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Ein abkühlendes Sommergedicht

Eines der Sommergedichte, bei denen man ein Handtuch bereit legen sollte, um sich nach einem erfrischenden Bad abzutrocknen.

Georg Stolzenberg · 1857-1941

In die schwüle Sommernacht ...

In die schwüle Sommernacht
durch die starren Tannenstämme
schimmert der See.

Die Kleider hin!

Meine Arme treiben schwarze blanke Glaswellen vor mir hin.

Zug um Zug
in die Mitte.

Ich ruhe auf dem Rücken.

Kühle, weiche Finger fühlen meinen Leib entlang.

Meine Augen weiden in der blauen Traumwiese mit den Silberblüten.

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Gedicht um die heiße Mittagsstunde

Zunächst scheint dieses Sommergedicht in die typische Stimmung der Mittagshitze zu verfallen, doch dann passiert ... fast nichts. Fast.

Barsch: Mittag

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Bewegungsloses Sommergedicht

Einerseits ist die Sommerzeit Bewegungszeit, endlich kann man jederzeit raus in die Natur, andrerseits ist nicht nur die Hitze ein Grund sich möglichst wenig zu bewegen, wie folgendes Sommergedicht zeigt:

Hans-Peter Kraus · geb. 1965

Atemlos

An einem strahlend schönen
Sommertag
sitzt du auf der Bank
unterm Baum
und schaust über die Felder.
Ein Schmetterling flattert hierhin, dorthin,
flattert näher, entfernt sich,
flattert näher, flattert noch näher, entfernt sich,
flattert näher, flattert noch näher und nimmt Platz
auf deiner linken Brust.
Du hältst –

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Stille Nacht

Nach einem heißen, hektischen Sommertag ist jedermann froh über etwas nächtliche Stille und Abkühlung, obwohl Körperglieder und Gedanken sich etwas verwirren können.

Karl Röttger · 1877-1942

Sommernacht

Nun reift auch unser Wille
Im Sommerbrand
Und sucht die schwebende Stille
Einer Nacht im Sommerland.

Sucht das wohlige Liegen
Im Gras unterm Baum
Und das heiße Aneinanderschmiegen
Leib an Leib. Das Verhauchen im Raum.

Und es singen die Fernen
Und es singt das Land – –
Alle Zukunft, alle Sterne
Wiegen sich, schweben auf deiner Hand.

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Gedicht über den Morgen danach

Ein Gedicht über den Morgen nach einem dieser nervenzerfetzenden Sommergewitter mit einer klaren Ansage an den Himmel.

Hans-Peter Kraus · geb. 1965

Wir kriegen sie alle

Nach Blitz und Donner,
Sturm und Hagelschlag
guckt der Sommerhimmel am Morgen
blau und unschuldig
wie ein Rotkehlchen,
das gerade einen Regenwurm verschlungen hat.

Mach dir keine Hoffnung!
Tautropfen als Beweismittel
kann deine Helfershelferin verschwinden lassen,
doch unsere Überwachungskameras
haben bisher noch jeden
Terroristen
überführt.

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Gedicht über einen Libellensommer

Eine Libelle und das Schwelgen in etwas diffusen Sommererinnerungen enden am Schluss, wie alles endet.

Richard von Schaukal · 1874-1942

Die Libelle

Blaublitzende Libelle,
glanzschwirrend gläserner Schwung,
stoßzuckend auf der Stelle:
Ursommerinnerung!

Mein Sommer hat hoch im Traume
des spiegelnden Himmels geschwebt
und tief im schimmernden Raume
des Brunnenrundes gelebt.

Er duftete gelb von Rosen,
farngrün und nelkenrot ...
Er schwand mir im Grenzenlosen,
starb den Libellentod.

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Ein Gedicht über ein Sommergewitter

Gewitter sind im Sommer das Kontrastprogramm zur lähmenden Hitze. Und es wäre ein Wunder gewesen, wenn sich nicht ein Dichter gefunden hätte, der daraus ein Gedicht bastelt. Dass er gleich Spaß am Gewittern demonstriert, ist wohl der typischen Übertreibungslust eines Dichters geschuldet.

Henckell: Gewitter

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Lesesommer

Nicht nur am Strand kann man im Sommer Bücher lesen, auch zu Hause geht das sehr gut, wenn das Wetter herumspinnt.

Hans-Peter Kraus · geb. 1965

Ein guter Tag

Mit der schwülen Hitze
war es gegen Mittag vorbei.
Wind zersauselte die Bäume,
es wurde dunkel,
dann die ersten dicken Tropfen.
Nach einer kurzen Pause
schoss das Wasser aus den Wolken,
es donnerte und blitzte,
wie aufgestaut und ausgebrochen.
Ich setzte mich wieder hin
und las weiter, wie Atticus Fink versuchte,
Tom Robinson vor Gericht zu retten.
Es war ein guter Tag, um
„Wer die Nachtigall stört“ zu lesen.

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Ein fruchtbringendes Sommergedicht

Eine sehr interessante Herangehensweise, die Entwicklung einer Frucht zu beschreiben, bietet Karl Röttger. Nachdenkenswert für Dichter ist die Formulierung „Alles Außen ist nur Reim“.

Karl Röttger · 1877-1942

Etwas hat seine Augen zugemacht ...

Etwas hat seine Augen zugemacht,
Die waren im Frühling aufgetan,
Die leuchteten und flimmerten, die sahn
Die Tage golden, violett die Nacht.

Und es verhüllte sich und schloss sich zu,
Als wie die Augen und das Herz eines Blinden,
Nun irgendwie, verdeckt, ist traumlos Ruh,
Im Schatten, in der Stille. Was sich zu-
Gedeckt hat, starb, nun kreist das Andere, um zu finden
Den Ausgang. Schlafend kreist die Kraft; umschlossen
Von Wänden einer großen, engen Nacht.
Und aller Saft, der da hineingeflossen,
Hat auch das Lied schon heimlich mitgebracht.

Es singt nur leise, fließend um den Keim,
Es hört es nur das Ohr der Innenwelt;
So leise ... Alles Außen ist nur Reim
Zu ihm, wenn es totstill den Atem hält.

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Sommer zu zweit

Wenn die Welt sommerlich still steht, ist Zeit für entspannte Zweisamkeit, wie das folgende Sommergedicht zeigt.

Theodor Herold · 1871-1934

Schäferstunde

Kein Wolkenstreif’ am Mittagshimmel,
die Sommersonne ruht im Laub;
und nur ein müder Karrenschimmel
keucht triefend durch den Straßenstaub.

Wir sitzen in der dunklen Laube;
zu unsern Füßen schläft mein Hund,
und manchmal hältst du eine Traube
mir lächelnd grade vor den Mund.

Die Rosen duften so verschwiegen,
kein Laut dringt übern Gartenkies –
nur ein paar Sonnenfunken fliegen
in unser heimlich Paradies ...

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Gedicht übers Sommerende

Dass in arabischen Märchen Menschen auf fliegenden Teppichen reisen, ist bekannt. Mit diesem Sommergedicht wird bekannt gemacht, dass auch der Sommer auf einer Wolke (ab-)reist.

Camill Hoffmann · 1879-1944

In diesen Tagen –

Auf eilender Wolke flog der Sommer ins Abendrot.
Er streifte noch einmal das Tal mit den Fischerhütten am See,
Wo hoffnungslos der hagere Fährmann sein Schattenboot
Von einem Ufer zum anderen stieß, heut und je.

Die Wolke trieb die uralte Straße hinab des Kranichzugs.
Die Weinberge flammten purpurfarben von stürzenden Hängen.
Dann blinkten Segel auf tief unterhalb ihres Flugs,
Und einsam hob sich das Meer aus Nachtgesängen.

Die letzten Leuchttürme starben. Wie heimwehbewegte Träume
Zerflossen Europas geliebte Küsten im Meer.
In diesen Tagen sank leichter Nebel. Allmählich verloren die Bäume
Das braun gewordene Laub. Und der Himmel ward leer.

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Mehr Sommergedichte: Gedichte zu den Monaten Juni, Juli, August und September sind ebenfalls sommerverdächtig und daher einen Blick wert.