Unterm Lyrikmond

Gedichte lesen und hören, schreiben und interpretieren

Kurze Frühlingsgedichte

So lang erwartet und dann schießt die Natur plötzlich in die Höh’. Es wächst, es blüht, es kribbelt und krabbelt, was klein war, wird groß. Und so passt es ganz gut, dass auch unter den kleinen Gedichten auf dieser Frühlingsseite ein paar ganz Große dabei sind.

 

Kurze Frühlingsbegrüßung

Dieses sehr bekannte Frühlingsgedicht von Mörike ist der einzig mir bekannte Fall, bei dem sich eine Zeile nur auf den Titel reimt.

Mörike: Er ist’s

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Ein kurzes Gedicht zum Frühlingsanfang

Klassische Verskunst bemüht Martin Greif für sein Frühlingsgedicht. Der Wechsel von vier zu drei Hebungen sorgt für Dynamik, die Zeilensprünge tun ein Übriges und zum Schluss lässt eine Kunstpause den Schlussvers richtig aufblühen.

Greif: Frühlingsankunft

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Ein Frühlingsgruß

Wo die Liebe ist, da hat Heine ein Wörtchen mitzureden. Sein Frühlingshimmel hängt sozusagen voller Geigen.

Heine: Leise zieht durch mein Gemüt ...

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Frühlingsliebe

Auch Rilke findet die Verbindung von Liebe und Frühling im Gedicht unwiderstehlich, wobei er ganz nach seiner Art ein kleines Mysterium daraus macht.

Rilke: Will dir den Frühling zeigen ...

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Frühlingsgefühle

Leichte Gefühlsstürme aus Südwest lautet der knappe Frühlingsgefühlsbericht zu diesem Gedicht.

Georg Stolzenberg · 1857-1941

Heute früh sang ich drei Liebeslieder ...

Heute früh sang ich drei Liebeslieder
über den schmelzenden Schnee
in die weiche Luft.

Mittags war ich so hungrig;
fast fielen mir die Träume in die Erbsen.
Ich stopfte.

Jetzt scheint der Mond.

Aus meinem Herzen
schreien dreihundert Kater.

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Launischer Frühling

Auch wenn viele Dichter so tun als ob mit dem Frühlingseinzug alles in Butter wäre, Rückschläge gibt es immer wieder, wie zum Beispiel diesen:

Hans-Peter Kraus · geb. 1965

Überraschung!

Damit haben die Kirschblüten bestimmt nicht gerechnet:
Dass es schneien würde,
als sie ihr erstes Sonnenbad nehmen wollten.

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Kurzes Gedicht zum Frühlingswandel

Nicht nur die Natur wandelt sich im Frühling, verzeiht dem Winter und blüht auf, auch das menschliche Bewusstsein betrachtet fünf als gerade Zahl.

Bauernfeld: Im warmen Frühling

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Frühling für die Nase

Einen entscheidenden Faktor für Frühlingsgefühle beschreibt das folgende Gedicht:

Petra Gellinger · 1960-2016

Frühlingsduft

Es schwillt die Luft,
ist trunken
berauscht.
Der Wind treibt bunt
die Blüten
vom Baum.
Sie stieben wie Schnee,
ich glaube
zu träumen!
Inmitten der Blüten
schwelg’ ich
im Glück,
und nächstes Jahr
kommt dieser Duft
zurück.

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Kommentar:
Weitere Gedichte von Petra Gellinger: www.pia-goch.de.

 

Frühling und Philosophie

In knappen Versen wirft Johann Georg Fischer die Frage auf: Wofür das Ganze?

Fischer: Ans Ziel

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Frühlings-Haiku I

Haiku werden traditionell entlang den Jahreszeiten geschrieben. Da ist der Frühling mit seinen täglichen Neuheiten ein beliebtes Motiv für diese Art von Gedichtschnappschüssen.

Hans-Peter Kraus · geb. 1965

endlich ...

endlich, endlich, endlich
an diesem Morgen
Vogelstimmen

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Frühlings-Haiku II

Auch wenn Haiku eher als Naturgedichte gelten, zeigt dieses Beispiel, dass zumindest im Frühling Natur und Technik Hand in Hand arbeiten.

Hans-Peter Kraus · geb. 1965

heut früh neu ...

heut früh neu
beim Autohändler:
ein rosa Blütenblätter-Auto

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Kommentar:
Mehr zum Thema Haiku finden Sie bei Ziemlichkraus.

 

Übergang vom Winter zum Frühling

In diesem sehr nah am Haiku gebauten Gedicht wird der Übergang vom Winter zu Frühling beschrieben: der Mensch erfreut sich der Natur, das Tier der Technik.

Hans-Peter Kraus · geb. 1965

bei Grün ...

bei Grün
geht eine Krähe
über die Ampel
Narzissen blühen

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Expressionistisches Frühlingsgedicht

Gute Nerven braucht, wer dieses kurze Frühlingsgedicht lesen möchte, denn als wahrer Expressionist hatte Otto Steinicke anderes im Sinn als Blümchen zu begrüßen.

Otto Steinicke · 1894-1943

Frühling

Der Tag schreit alle prallen Knospen an.
Ein Warmgeruch frisiert das Rückenmark.
Du fühlst, wie tausend Schädel, weiche warme Schädel
einen Abhang so wie Gras besetzen.
Dazwischen strähnt in fürchterlicher Enge sprosshaftes Blau.
Man sagt, es seien Veilchen. Ich aber sehe nur Gedärme,
dünne, fette Stränge bläulich in der Sonne schimmern.
Auf allen Straßen weint der Tod den Frühling an.

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Hinweis: Mehr und längeren Frühling gibt es auf der Seite Frühlingsgedichte, und die Monatsthemen März-Gedichte, April-Gedichte und Mai-Gedichte duften sicher auch frühlingshaft.