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Rilke: Der Panther

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Erstmal selbst probieren und dann vergleichen? 10 Tipps für bessere Gedichtinterpretationen.

Interpretation: Der Panther

Da es im Netz einige gelungene Interpretationen gibt, hier nur einige Interpretationshinweise plus ein paar Links.

Formal weist das Gedicht nur eine Besonderheit auf. Der letzte Vers ist vierhebig, alle anderen sind fünfhebige Jamben, also fünfmal unbetont-betont plus eine Senkung am Ende, wenn der Vers eine weibliche Kadenz hat.

Weitere Auffälligkeiten: Der Schlagreim in Vers drei „Stäbe gäbe“ und die Wiederholung von „tausend Stäbe“ in Vers vier. Die Lautwiederholung am Anfang betonter Silben (Alliteration) in Vers fünf „geschmeidig starker Schritte“ und die Einklammerung des gesamten Gedichts durch „sein“.

In dem Buch 50 Klassiker Lyrik von Barbara Sichtermann und Joachim Scholl beschreiben die Autoren, wie an einem Novembertag ein junger Mann vor dem Raubtiergehege im Jardin des Plantes sitzt und dort den lieben langen Tag nichts Anderes tut als einen Panther zu beobachten. Dann soll der junge Mann zurück in sein Hotel gegangen sein und dieses Gedicht geschrieben haben. Ob das eine wahre Legende ist, weiß ich nicht, auf jeden Fall zeigt die Geschichte, worum es Rilke ging: Er wollte nach der Natur arbeiten, d.h. etwas aus einer intensiven Beobachtung heraus beschreiben. Daher fällt Der Panther unter die Kategorie Dinggedicht.

Die Anregung zu dieser Arbeitsweise bekam er vom Bildhauer Auguste Rodin. „Sie müssen schauen, mon cher, genau hinschauen“, wird Rodin von Sichtermann/Scholl zitiert. In der Malerei und Bildhauerei war das Arbeiten nach der Natur schon lange das gängige Verfahren. Van Gogh z.B. malte immer so, wenn auch das, was schließlich auf der Leinwand erschien, keine fotografische Abbildung war, sondern des Malers Vision von der Wirklichkeit.

Sichtermann/Scholl verweisen darauf, dass Rilke eine konkrete Interpretation, wie z.B. den Panther als einsamen Mensch oder Dichter zu lesen, abgelehnt hätte. Was nicht heißt, dass das Gedicht nur auf das Dargestellte zu reduzieren wäre, aber die größere Zusammenhänge sollen unbestimmt bleiben, eher gefühlsmäßig erfasst werden.

Autor: Hans-Peter Kraus (Kontakt)
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Interpretationen im Web:

Als Gedicht des Monats vorgestellt vom Haus der deutschen Lyrik wird der Gedichttext um ein paar Interpretationshinweise ergänzt.

Eine eher konventionelle Interpretation bei Antikoerperchen liefert Franziska Marschick, was oben Gesagtem entspricht, nicht zu sehr symbolisch zu werden in der Interpretation.

Eric Boerner bei Illeguam wehrt sich in seiner Interpretation gegen die Bezeichnung Dinggedicht, zu viel steckt seiner Meinung nach in dem Gedicht drin, dass man es auf diesen Begriff reduzieren könnte.